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Genf, 17.09.2015, Tennis Davis Cup Schweiz - Holland, Auslosung, vlnr, Marco Chiudinelli, Roger Federer und Henri Laaksonen (SUI) lesen das offizielle Magazin des Davis Cup (Pascal Muller/EQ Images)

Im Schatten der Ikone: Henri Laaksonen (rechts) neben Roger Federer. Bild: EQ Images

Wegen Federers Absage entgeht Laaksonen der Zahltag seines Lebens

Weil Roger Federer auf die Teilnahme beim erstmals durchgeführten ATP-Cup verzichtet, entgehen dem Schweizer Tennis-Profi Henri Laaksonen mindestens 30'000 Dollar Preisgeld. Sein Trostpflaster? 2580 Dollar.

Simon Häring / CH Media



Roger Federer, der Superreiche. Und Henri Laaksonen, der Proletarier der Tenniswelt. Beim ATP-Cup in Brisbane, Perth und Sydney hätten sie die Schweiz dieser Tage vertreten sollen. Doch Ende November, er war gerade von einer Südamerika-Tour zurückgekehrt, die ihm geschätzte 10 Millionen Dollar eingebracht hat, zieht Federer seine Zusage zurück und macht familiäre Gründe geltend. Ende Dezember reiste er für ein Wochenende und zwei Schaukämpfe nach Hangzhou im Osten Chinas, Neujahr verbrachte er in der Schweiz und trainierte danach an seinem Zweitwohnsitz in Dubai.

Weil für Stan Wawrinka (34) eine Teilnahme beim ATP-Cup gar nie zur Debatte stand, verlor die Schweiz ihren Startplatz an Moldawien. Leidtragender dieser Rochade ist Henri Laaksonen, immerhin die Nummer 101 der Welt.

Ausgaben von mindestens 150'000 Dollar im Jahr

Letzten Mai wurde der 27-Jährige in Paris zwar zum Preisgeld-Millionär, doch der Begriff ist irreführend. Spieler wie Laaksonen kommen oft nur sehr knapp über die Runden. Etwa ein Viertel der Preisgelder geht direkt an das Steueramt. Was bleibt, reicht mehr schlecht als recht zum Leben.

Laaksonen beschäftigt mit David Pultr einen Coach, mit den Spesen für zwei Personen hat er Ausgaben von mindestens 150'000 Dollar im Jahr. Laaksonen hat keine Wohnung, nur ein Auto, mit dem er oft an die Turniere reist. Ist er verletzt und verdient er deshalb kein Preisgeld, springt keine Versicherung ein. 2018 litt er unter lange Zeit rätselhaften Entzündungen. Er spielte trotzdem, aber ohne Erfolg. Er trainierte trotzdem, aber ohne sich wie gewohnt von den Anstrengungen zu erholen. Erst eine Umstellung der Ernährung und der Verzicht auf Meeresfrüchte brachte Erlösung.

Seit drei Jahren in der Gewinnzone

Mit einem Preisgeld von knapp 400'000 Franken war das letzte Jahr das finanziell gesehen einträglichste für Laaksonen. Fast drei Viertel seiner Einkünfte erspielte er bei den Australian Open, den French und den US Open, wo er jeweils die zweite Runde erreichte. Seinen bisher grössten Check nahm Laaksonen im September in New York entgegen: 100'000 Dollar.

Laaksonen hat eine Saison damit zum dritten Mal in Folge mit einem kleinen Gewinn abschliessen können. Davor hatte er allerdings während acht Jahren Schulden angehäuft. In seinen ersten fünf Profi-Jahren kam er kumuliert auf «nur» 110'000 Dollar Preisgeld. Eine Rechnung, die langfristig nicht aufgehen kann. Ohne die finanzielle Unterstützung des Schweizer Verbands, der seine Karriere über mehrere Jahre mit etwas mehr als einer halben Million Franken alimentiert hat, wäre Laaksonen wohl längst nicht mehr als Tennis-Profi unterwegs.

Maximal-Einnahmen beim ATP-Cup: 738'885 Dollar

Für Laaksonen wäre der ATP-Cup an der Seite von Roger Federer nicht nur sportlich ein Höhepunkt gewesen, sondern auch finanziell wichtig. Die Absage reisst ein tiefes Loch in seine Kasse. Als Nummer-2-Spieler mit einem Ranking zwischen 100 und 200 in der Weltrangliste hätte er alleine für sein Antreten 30'000 Dollar kassiert. Einzel-Siege in Gruppenspielen werden mit 27'600 Dollar Preisgeld honoriert. Bei den drei Doppeln an der Seite von Federer hätte Laaksonen zudem drei Mal die Chance gehabt, weitere 8375 Dollar zu verdienen.

Switzerland's Henri Laaksonen waves as he leaves the court following his second round loss to Australia's Alex de Minaur at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Wednesday, Jan. 16, 2019. (AP Photo/Andy Brownbill)

Laaksonen ist Schweizer Meister und doch im grossen Schatten von Federer und Wawrinka. Bild: AP

Doch das ist noch nicht alles: Jeder Sieg Federers in der Gruppe hätte für Laaksonen mit je 9850 Dollar zu Buche geschlagen. Heisst: Hätte Federer seine drei Gruppenspiele im Einzel alle gewonnen, hätte Laaksonen weitere 29'550 Dollar erhalten. Maximal hätte Laaksonen beim ATP-Cup 738'885 Dollar verdienen können. Laaksonen verpasst damit den grössten Jackpot seines Lebens.

Laaksonens jährliche Preisgelder:

Bild

quelle: atp

Trostpflaster in der Stadt des Goldrauschs

Groll gegenüber Federer oder Wawrinka hegt er indes keinen. «An diesem Punkt seiner Karriere muss Roger alles sorgfältig planen. Er hat so viel fürs Tennis gemacht und ich hoffe, dass er noch lange spielen wird», sagt Laaksonen, der im Dezember zum vierten Mal nach 2012, 2013 und 2014 Schweizer Meister wurde.

In die Saison startete Laaksonen gleichwohl in Australien. Nicht in Sydney, wo die Schweiz beim ATP-Cup hätte spielen sollen. Wegen der verheerenden Buschbrände auch nicht in Canberra, wo das Challenger-Turnier hätte stattfinden sollen, sondern in Bendigo, 620 Kilometer westlich der Hauptstadt Australiens. Bendigo wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet und ist das Ergebnis eines Goldrauschs. Für Henri Laaksonen war die Reise indes wenig einträglich. Er verlor in den Achtelfinals. Preisgeld: 2580 Dollar. Kommende Woche spielt er bereits in Melbourne. Bei den Australian Open muss er durch die Mühlen der Qualifikation. In der Hoffnung auf den nächsten Jackpot.

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Booker 12.01.2020 07:56
    Highlight Highlight Es gibt Sportler die sind Europa- oder gar Weltmeister und müssen fast jeden Tag zur Arbeit um Geld zu verdienen, damit sie ihre nächste Anreise und Hotel bezahlen können. Federer ist für manche jetzt ein Goldesel, jeder hat es in der Hand besser zu werden als Federer. Nebst etwas Talent braucht es Training, Disziplin und Durchhaltevermögen.
  • Pümpernüssler 11.01.2020 17:07
    Highlight Highlight Dann soll er besser Tennis spielen oder es sein lassen.
  • Raembe 11.01.2020 13:10
    Highlight Highlight Wegen mangelndem Talent ist er nicht reich genug um auf die Kohle verzichten zu können.
  • c_meier 11.01.2020 12:48
    Highlight Highlight hat Herr Häring schon länger kein Interview mit Roger führen dürfen?
    ist glaubs jetzt der 3.-4. Negativ-Artikel von ihm über Roger...
    • Calvin Whatison 11.01.2020 15:09
      Highlight Highlight Der Verfasser des Artikels klingt wie eine Schallplatte mit Sprung.👎🏻
    • schuelhuusgspängschtli 11.01.2020 18:38
      Highlight Highlight Wenn man überall einen Angriff auf sei Idol sieht... Dies ist nur eine Beschreibung.
  • Adumdum 11.01.2020 10:59
    Highlight Highlight Interessanter Artikel! Und natürlich kann RF machen was er will, aber schon schade dass er nicht dabei ist - die letzten Jahre war ee ja auch immer in Perth beim Hopman Cup um dieselbe Zeit.

    Und die 10-Millionen Tour in Ländern mit so krasser sozialer Ungleichheit, und dann noch die Tränen weil ihm sein persönliches Erlebnis wegen sozialen Unruhen vermasselt wurde - da hat er einiges bei mir verloren (sich das muss ihn natürlich nicht interessieren...)
  • esmereldat 11.01.2020 10:51
    Highlight Highlight Ist das ein neuer Trend? Federer ist an allem Schuld?
    • michiOW 11.01.2020 13:13
      Highlight Highlight Federer ist kein Bösewicht, aber wegen seiner Absage entgehen Laaksonen wertvolle Einnahmen. Das ist ein Fakt.
    • Apfel Birne 11.01.2020 14:59
      Highlight Highlight Na und? er muss halt besser spielen dann verdient er auch mehr.
    • schuelhuusgspängschtli 11.01.2020 18:37
      Highlight Highlight Wo bitte sehr wird hier Federer kritisiert? Ist es nicht eine Beschreibung? So ist die Situation. Ich seh in diesem Artikel nichts wertendes.
  • jjjj 11.01.2020 10:22
    Highlight Highlight Und ein Hockeyspieler in der 4 Reihe des HC Lugano bringt so um die 120k pro Jahr heim... 🙃
    • Silent_Revolution 11.01.2020 17:46
      Highlight Highlight Ein Hockeyspieler der vierten Reihe des HCL gehört nicht zu den Top 100 ihrer Sportart (wie Laaksonen), die sind noch nicht einmal ansatzweise in den Top 1000 zu finden.

      Die Bestverdienendsten Tennisspieler schlagen die bestverdienendsten Hockeyspieler um Welten.

      Es läuft was gehörig schief, wenn sich in der Top 10 einige der reichsten Sportler weltweit tummeln und bereits zwischen Top 100-200 Karrieren wegen zu hohen Kosten bei zu geringem Einkommen überdenkt werden müssen. Alles unter der 200 ist sowieso verloren.

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