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epaselect epa07605833 Henri Laaksonen of Switzerland plays Pedro Martinez Portero of Spain during their men’s first round match during the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 27 May 2019.  EPA/YOAN VALAT

Henri Laaksonen trifft beim French Open in der 2. Runde auf Novak Djokovic. Bild: EPA/EPA

Mysteriöse Allergie – wie der Verzicht auf Meeresfrüchte Laaksonen wieder in Fahrt brachte

In der 2. Runde der French Open trifft Henri Laaksonen auf Novak Djokovic. Ähnlich wie die Weltnummer 1 stellte der 27-jährige Schweizer seine Ernährung um, um in die Erfolgsspur zu finden.

simon häring, paris/ ch media



Auf der Place des Mousquetaires, im Schatten des Court Philippe-Chatrier, steht die grüne Tafel mit dem Tableau des Männer-Turniers von Roland Garros. Fein säuberlich werden dort mit Kreide die Sieger handschriftlich nachgetragen. 128 Namen sind aufgelistet, nur einer davon ist falsch geschrieben – jener des Schweizers Henri Laaksonen.

Sein Vorname ist mit Y geschrieben. Das ist kein Zufall, den der 27-Jährige steht in Paris erstmals im Hauptfeld, und feierte am Montag seinen zweiten Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier. Am Freitag war er in der letzten Runde der Qualifikation gescheitert und hatte anschliessend kein Glück, als unter fünf Spielern drei Lucky Loser ausgelost wurden. Am Sonntag fand Laaksonen dann doch noch Aufnahme im Hauptfeld, nachdem mit Sam Querrey ein weiterer Spieler Forfait gegeben hatte.

Laaksonen spielt erst am Donnerstag

Heute Mittwoch stehen drei der vier Schweizer beim French Open im Einsatz. Roger Federer spielt gegen 15.00 Uhr im Hauptstadion gegen den deutschen Qualifikanten Oscar Otte. Stan Wawrinka dürfte in etwa zeitgleich auf dem Court 1 auf den Chilenen Cristian Garin treffen. Belinda Bencic tritt um zirka 17.30 Uhr auf dem neuen Court Simonne-Mathieu gegen die Deutsche Laura Siegemund an. Henri Laaksonen bestreitet seinen Zweitrunden-Match gegen Novak Djokovic erst am Donnerstag. (sda)

Mit dem Sieg gegen den schwächer klassierten und zudem angeschlagenen Spanier Pedro Martinez (ATP 134) nutzte er die Gunst der Stunde. Der Lohn ist ein Duell mit Novak Djokovic, der Nummer 1 der Welt. Laaksonen, sonst im Schatten von Roger Federer und Stan Wawrinka, steht damit für einmal selber im Rampenlicht. Ein Mann der grossen Worte war er indes nie. «Jeder weiss, dass er der bessere Spieler ist. Ich werde mich wie immer vorbereiten und mein Bestes geben. Mehr kann ich von mir nicht erwarten», sagt er mit spitzbübischem Lächeln im Gesicht.

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Die Highlights von Laaksonens erster Partie in Paris. Video: YouTube/SRF Sport

Schmerzen am ganzen Körper

Sein Paris-Abenteuer bezeichnet er als dreifachen Bonus: zum ersten Mal im Hauptfeld, dann in der zweiten Runde und dort auch noch gegen Djokovic. Für Laaksonen ist es auch Belohnung für eine radikale Umstellung in seinem Leben. Bis im Alter von 16 Jahren lebte der Sohn einer Finnin und eines Schweizers in Finnland, wo fast täglich Fisch auf dem Speiseplan steht.

Mindestens drei bis vier Mal in der Woche ass er Lachs, manchmal jeden Tag. «Am liebsten leicht gekocht, mit etwas Olivenöl, Knoblauchpulver und Teigwaren mit Pesto-Sauce.» Wenn Laaksonen sagt, er möge Lachs, ist das wohl die Untertreibung des Jahres. Doch Anfang 2018 entwickelt er eine Allergie.

epa07605766 Henri Laaksonen of Switzerland plays Pedro Martinez Portero of Spain during their men’s first round match during the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 27 May 2019.  EPA/YOAN VALAT

Laaksonen darf wegen einer Allergie keinen Lachs mehr essen. Bild: EPA/EPA

Plötzlich hat er Schmerzen am ganzen Körper, Bänder und Sehnen sind dauernd entzündet und er kann nie länger als eine halbe Stunde trainieren. Also entschliesst er sich zu einem Experiment und verzichtet auf Meeresfrüchte. «Als ich wieder einmal Lachs ass, hatte ich am nächsten Tag wieder Schmerzen und hohes Fieber», erinnert sich Laaksonen. Seither verzichtet er schweren Herzens auf seine bisherige Leibspeise.

Finanzielles Risiko

Es ist nicht der einzige wichtige Entscheid der letzten Monate. Seit Dezember leistet sich Laaksonen mit dem Tschechen David Pultr erstmals einen eigenen Trainer, der ihn an Turniere begleitet. Es ist ein finanzielles Risiko. Zwar hat Laaksonen in seiner Karriere nun eine Million Franken Preisgeld verdient, doch davon bleibt kaum etwas übrig.

Die Steuern fressen einen Viertel der Einnahmen, dazu kommen Ausgaben für Trainer, Physiotherapeut, Reisen, Unterkunft. Auf 150'000 Franken beziffert Laaksonen seine jährlichen Ausgaben. Darum kümmert er sich um alles selber: Er bucht Hotels und Flüge, sogar die Buchhaltung macht er selber.

Switzerland's Henri Laaksonen leaves the court following his second round loss to Australia's Alex de Minaur at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Wednesday, Jan. 16, 2019. (AP Photo/Andy Brownbill)

Im Tennis-Zirkus lebt sich nicht immer sorgenfrei. Bild: AP/AP

Eigene vier Wände hat er nicht. «Ich bin nur zehn Wochen im Jahr in der Schweiz, das lohnt sich nicht.» Stattdessen steigt er bei Freunden und Verwandten in der Schweiz, oder Mutter Pirjo in Vantaa, nördlich von Helsinki, ab und führt ein Leben aus dem Koffer. Einziger Besitz ist das Auto, mit dem er nach Paris gereist ist.

Was er verdient, investiert er in die Karriere. Umgerechnet 98'000 Franken erhält ein Spieler für eine Zweitrunden-Niederlage. Im letzten Jahr war Laaksonen zum gleichen Zeitpunkt mit 60'000 Franken im Minus.

Potenzial für die Top 50?

Die French Open sind bereits jetzt ein grosser Erfolg für Laaksonen. Zumal er damit erstmals seit Juli 2017 auch wieder in die Top 100 der Weltrangliste vorrückt. Anfang des Jahres wurde er noch auf Platz 169 geführt. Tennis-Experte Heinz Günthardt attestiert dem Schweiger gar das Potenzial für die Top 50.

Mit der Welt von Roger Federer oder Stan Wawrinka hat das indes wenig zu tun. Wie auch nicht mit jener von Novak Djokovic, 32, auf den Laaksonen am Donnerstag trifft. Der Serbe gibt zu, vom Schweizer «fast nichts» zu wissen. Er habe ihn höchstens zwei Mal spielen gesehen.

Serbia's Novak Djokovic plays a shot against Poland's Hubert Hurkacz during their first round match of the French Open tennis tournament at the Roland Garros stadium in Paris, Monday, May 27, 2019. (AP Photo/Pavel Golovkin)

Über Laaksonen weiss Djokovic «fast nichts». Bild: AP/AP

Sollte Laaksonen das Kunststück gelingen, Djokovic die erste Niederlage bei einem Grand-Slam-Turnier seit den Viertelfinals von Roland Garros 2018 zuzufügen, dürfte man dann auch seinen Namen auf der grossen Tafel auf der Place des Mousquetaires richtig schreiben. Henri. Mit I.

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

Hier will sich Federer niederlassen

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ökonometriker 29.05.2019 11:39
    Highlight Highlight Dass man gerade bei intensivem Training zu mehr Entzündungen neigt und dies durch histaminreiche Nahrung wie nicht super frische Meeresfrüchte aber auch Dinge wie Wein und Käse verstärkt wird ist wissenschaftlich ziemlich gut belegt. Was soll daran mysteriös sein?
  • Zugriff 29.05.2019 11:15
    Highlight Highlight Der Autor mag was von Tennis verstehen, aber weniger von Tieren. Lachs ist keine Meeresfrucht. Meeresfrüchte sind Wirbellose -> frutti di mare eben, wie Crevetten oder Calamari. Der Lachs ist und bleibt aber einfach ein Fisch. (Im Übrigen ist er nicht einmal ein klassischer Meeresfisch: Lachs wechseln zwischen Süss- und Salzwasser.)

    Kurz: Laaksonen verzichtet hoffentlich nicht - wie im Artikel geschrieben - wegen einer Lachs-Allergie auf Meeresfrüchte. Das brächte nämlich gar nichts.
  • cada momento 29.05.2019 10:55
    Highlight Highlight Auch im Profisport hat es mehr Working Poor als Millionäre. Ich würde jedenfalls jederzeit meine gesicherte Berufswahl gegen sein Talent tauschen, um nur einmal an einem Grand Slam auf dem Centre Court von der Nummer eins vermöbelt zu werden! Viel Glück!

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