Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07713112 Roger Federer of Switzerland celebrates his win over Rafael Nadal of Spain in their semi final match during the Wimbledon Championships at the All England Lawn Tennis Club, in London, Britain, 12 July 2019. EPA/ANDREW COULDRIDGE / POOL EDITORIAL USE ONLY/NO COMMERCIAL SALES

Grosser Jubel: Federers Erleichterung nach dem Sieg gegen Nadal. Bild: EPA

Erst Nadal, jetzt Djokovic: Roger Federer steht vor einer Herkulesaufgabe

Nach seinem Viersatzsieg gegen Rafael Nadal steht Roger Federer zum zwölften Mal im Wimbledon-Final. Doch um dort seinen neunten Titel feiern zu können, muss er ein Kunststück vollbringen, das selbst ihm noch nie gelungen ist.

simon häring, wimbledon / ch media



Gibt es im Tennis so etwas wie einen mythischen Platz, dann ist es zweifellos der Centre Court von Wimbledon. Es ist der Ort, an dem Legenden des Sports geboren werden – ein Olymp. Als Roger Federer, 37, und Rafael Nadal, 33, um 16.30 Uhr Ortszeit den Rasen betreten, erinnert die Szenerie eher an ein Konzert als an eine Sportstätte.

Erstmals seit dem historischen Final vom 6. Juli 2008 – oder seit 4023 Tagen – treffen mit Federer und Nadal die beiden erfolgreichsten Spieler der Geschichte aufeinander. Es sind zwei Halbgötter in Weiss. Ein Spiel, auf das die Tennis-Welt seit über einem Jahrzehnt gewartet hat. Und von dem sie in Anbetracht des Alters der beiden befürchten musste, dass es nie mehr geschehen wird.

abspielen

Die ausführlichen Highlights des Halbfinals zwischen Federer und Nadal. Video: YouTube/Wimbledon

Federer hatte zuvor nur drei von 13 Duellen bei einem Grand-Slam-Turnier gegen Nadal gewonnen – und nur eines in den letzten zwölf Jahren. Erst vor vier Wochen hatte er gegen Nadal in den Halbfinals von Roland Garros in drei Sätzen verloren. Doch Wimbledon ist sein Revier, seine Bühne, sein Olymp.

Im Startsatz vergibt er zwar die einzige Breakchance beim Stand von 4:3, setzt sich aber im Tiebreak mit 7:3 durch. Er serviert sieben Asse und gibt bei eigenem Aufschlag nur sieben Punkte ab. Im zweiten Satz kommt es, wie es so oft kommt gegen Nadal. Beim Stand von 1:1 vergibt Federer zwei Breakchancen, gewinnt danach nur noch drei von 23 Punkten und verliert den Satz mit 1:6.

«Das ist mit Abstand das beste Tennis, das ich seit langem von Roger gesehen habe.»

Boris Becker

Aber Wimbledon ist nicht Paris, und Roger Federer auf Rasen nicht so verwundbar wie er es auf Sand ist. Im dritten Satz reicht ihm ein Break zum 3:1. Im vierten nimmt er Nadal zum 2:1 den Aufschlag ab. Nach 3:02 Stunden verwertet Federer seinen fünften Matchball und steht nach dem 7:6 (7:3), 1:6, 6:3, 6:3 zum zwölften Mal in seiner Karriere im Wimbledon-Final, wo er nach seinem neunten Titel greift – dem 21. bei einem Grand-Slam-Turnier.

TV-Experte Boris Becker schwärmt bei «BBC»: «Das ist mit Abstand das beste Tennis, das ich seit langem von Roger gesehen habe. Dieser fast 38-Jährige macht mich einfach nur sprachlos.» Nadal könne sich keine Vorwürfe machen. «Denn Rafa hat den Match nicht verloren, sondern Roger hat ihn gewonnen.»

Auch Fussball-Legende Gary Lineker ist begeistert.

Alleine ein Sieg gegen Rafael Nadal ist eine herkulische Leistung. Doch nun muss Federer im Final vom Sonntag eine Hürde überspringen, an der er immer gescheitert ist: Nadal und Novak Djokovic, der sich in seinem Halbfinal in vier Sätzen gegen Roberto Bautista Agut durchsetzte, hat er bisher nur bei den ATP Finals 2010 im gleichen Turnier besiegt.

Bei einem Grand-Slam-Turnier ist ihm das noch gar nie gelungen. Und auch gegen Djokovic sprechen alle Zahlen gegen ihn: 22:25 Siege, 6:9 bei Grand-Slam-Turnieren, 1:4 in Finals und der einzige Erfolg datiert von den US Open 2007 Letztmals bezwang er Djokovic 2012 in Wimbledon bei einem Major-Turnier. Das war 2012 in den Halbfinals von Wimbledon, als Federer danach auch das Turnier gewann. Doch seither hat Djokovic an der Church Road drei Mal gewonnen – 2014 und 2015 jeweils nach einem Finalsieg gegen Federer. Der Serbe ist auch der einzige Spieler, der gegen Federer auf Rasen mit 2:1 eine positive Bilanz aufweist.

epa04844403 Novak Djokovic (L) of Serbia celebrates with the trophy after winning against Roger Federer (R) of Switzerland during their final match for the Wimbledon Championships at the All England Lawn Tennis Club, in London, Britain, 12 July 2015.  EPA/ANDY RAIN EDITORIAL USE ONLY/NO COMMERCIAL SALES

2015: Federer muss Djokovic im Wimbledon-Final den Vortritt lassen. Bild: EPA

Als Roger Federer zwischen 2003 und 2008 den Tennis-Zirkus dominierte wie keiner zuvor, wurde er von einem Literaten als Geschöpf beschrieben, dessen Körper gleichzeitig aus Fleisch und Licht bestehe. Und ihn in Wimbledon spielen zu sehen, sei eine religiöse Erfahrung. Das ist natürlich völlig überzeichnet, Federer kein Gott, sondern durch und durch Mensch.

Noch immer wird Roger Federer mit übermenschlichen Attributen beschrieben. Ein Künstler: leichtfüssig, filigran, der Mann der Zauberschläge. Doch am Sonntag braucht es mehr als nur Kunst, um den neunten Sieg in Wimbledon feiern zu können. Denn seine Rivalen Nadal und Djokovic im gleichen Grand-Slam-Turnier zu bezwingen, entspricht einer Herkulesaufgabe.

Bild

Herkules im Kampf gegen einen Löwen.

Herkules, dieser griechische Held, musste zwölf scheinbar unlösbare Aufgaben bewältigen, ehe er zum Halbgott wurde und in den Olymp aufstieg. Federer steht zum zwölften Mal im Wimbledon-Final. Löst er auch diese Aufgabe, wird er zwar nicht zum Halbgott, steigt aber erneut in den Tennis-Olymp auf.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die besten Bilder aus Wimbledon

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

23
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TodosSomosSecondos 13.07.2019 17:26
    Highlight Highlight Es gab kürzlich einen Artikel, in dem es darum ging, wie man als Schweizer eigentlich Nadal-Fan sein kann.

    Wäre ja auch mal interessant zu erörtern warum irgendjemand Djokovic Fan ist. Federer-Fan zu sein, hat herzlich wenig mit der Nationalität zu tun, die gibt es schlicht überall. Das gleiche gilt, wenn auch in viel geringerem Masse für Nadal.

    Aber komischerweise kenne ich nicht einen nicht-Serben, der sich als Djokovic-Fan bezeichnen würde. Warum?
    • Tenno 13.07.2019 18:22
      Highlight Highlight Djokovic ist einfach das fünfte Rad am Wagen. Auch wenn seine Stats sehr gut sind und er allenfalls mehr Respekt verdienen würde, geht es einfach immer nur um Federer vs. Nadal. Dort waren halt die wirklich epischen Partien.
    • TodosSomosSecondos 13.07.2019 18:51
      Highlight Highlight Wieso soll er das fünfte Rad am Wagen sein?! Djokovic ist ein total eigener Spielertyp. Athletisch der beste der drei. Im Gegensatz zu den anderen beiden ein Typ, der mit dem Publikum interagiert und eine gute Show abliefert und dann hat er - glaube ich zumindest - sowohl gegen Nadal wie auch Federer eine positive Bilanz.

      Es gab im Tennis immer grosse Rivalitäten aber dass ein Spieler von Djokovics Kaliber eine so begrenzte Anhängerschaft hat, ist doch irgendwie ein Novum... ok Lendl vielleicht noch, weil der einfach laaaaaaaangweilig war.. Djokovic ist aber das Gegenteil davon.
    • redeye70 14.07.2019 08:12
      Highlight Highlight Nole ist einfach kein Sympathieträger, weshalb das so ist kann ich auch nicht erklären. Oft habe ich den Eindruck, er suche krampfhaft nach der Liebe des Publikums. Aber das kommt selten gut an, weil es nicht aufrichtig wirkt. Die Querelen der vergangenen Monate um Gimelstob haben sicher auch nicht geholfen.

      Roger personifiziert den Tennisgentleman wie kein anderer. Seine Spielweise ist die eleganteste aller aktiven Spieler. Keine Skandale, weder auf noch neben dem Platz. Keine Kritik an anderen Spielern oder Spielmodi aus seinem Umfeld. Vlt. macht es eben dies aus?
    Weitere Antworten anzeigen
  • feelgoodmood 13.07.2019 15:11
    Highlight Highlight All matches: Djokovic, 25–22
    Grand Slam matches: Djokovic, 9–6
    ATP World Tour Finals matches: Djokovic, 3–2
    ATP World Tour Masters 1000 matches: Djokovic, 11–9
    Best of three set matches: Djokovic, 16–15
    Best of five set matches: Djokovic, 9–7
    Matches lasting five sets: Djokovic, 3–0
    Winning the match after losing 1st set: Djokovic, 7–1
    All finals: Djokovic, 12–6
    Grand Slam finals: Djokovic, 3–1
    ATP World Tour Finals finals: Djokovic, 2–0
    ATP World Tour Masters 1000 finals: Djokovic, 5–3
    ATP World Tour 500 series finals: Tied, 2-2
    Deciding Tiebreaks: Djokovic, 3–0
    • B. Bakker 13.07.2019 16:10
      Highlight Highlight Beeing the GOAT: Federer, 1-0
    • feelgoodmood 13.07.2019 16:44
      Highlight Highlight @B. Bakker 🤣😂🤣 Yes, right, fuck the stats bud 🤣😂🤣
    • Max Dick 13.07.2019 17:15
      Highlight Highlight Das sah gegen Nadal alles noch brutaler aus am Vorabend des Australian-Open Finals 2017 😎
    Weitere Antworten anzeigen
  • Max Dick 13.07.2019 14:29
    Highlight Highlight Djokovic sicher Favorit - aber mit einer guten Leistung von Federer schlagbar. Hoffe einfach nicht, dass sich die Geschichte von 2015 wiederholt, als Federer gegen Murray ein bombastisches Halbfinal spielte, aufschlug wie noch nie, und dann im Final gegen Djokovic einen bestenfalls durchschnittlichen Tag einzog.
  • ändu aus B (weder Bärn noch Basel) 13.07.2019 13:25
    Highlight Highlight Wie sieht denn die Statistik für Nole (und Rafa) aus, wenn sie beide Gegner im selben Turnier hatten?
  • bokl 13.07.2019 13:07
    Highlight Highlight Die Story Rafa+Djoker im gleichem Turnier ist gut. Aber das entscheidende fehlt immer. Wie oft ist er denn an dieser Aufgabe gescheitert?
    • sweeneytodd 13.07.2019 13:14
      Highlight Highlight 1mal
    • Walter Sobchak 13.07.2019 13:30
      Highlight Highlight 1Mal nachdem er den einen geschlagen hat. Die Möglichkeit dazu hätte er häufiger gehabt, scheiterte aber wie in Paris 2019 im HF schon am ersten 😉
    • bokl 13.07.2019 14:19
      Highlight Highlight Danke. Genau darum ist diese Geschichte einfach eine Nullnummer. 1x geschafft, 1x verpasst. Also nicht relevant ...
    Weitere Antworten anzeigen
  • wasps 13.07.2019 12:09
    Highlight Highlight Nole wird keinen Stich haben. Ihm fehlen die harten Matches in Wimbledon. Kunststück, mit dieser Auslosung!
    • vncentvega 13.07.2019 14:04
      Highlight Highlight Genau, Nole ist dafür verantwortlich, dass Zverev, Tsitsipas, Raonic, etc. schon früher rausgeflogen sind.
  • Rupert The Bear 13.07.2019 12:09
    Highlight Highlight In Roger we trust

  • Cervelat 13.07.2019 11:57
    Highlight Highlight Ich glaube Novak steht vor einer Herkulesaufgabe... #teamroger

Mit diesen 4 neuen Regeln will die ATP das Tennis revolutionieren

Heute beginnt in Mailand die erste Austragungen der «Next Gen Finals». Beim Masters der besten U21-Spieler werden neue Regeln getestet, die das Tennis spektakulärer und moderner machen sollen.

Das Rampenlicht auf der ATP-Tour gehört mehrheitlich den etablierten Spielern. Die Hälfte der Top 20 ist derzeit 30-jährig oder älter. Um den Jungen eine Plattform zu bieten, hat die ATP die Kampagne «Nextgen» lanciert, nach dem Vorbild der «New Balls», zu deren Aushängeschilder vor 16 Jahren spätere Grössen wie Roger Federer, Andy Roddick, Marat Safin, Gustavo Kuerten, Juan Carlos Ferrero oder Lleyton Hewitt gehörten.

Von den aktuellen Hoffnungsträgern ragt Alexander Zverev heraus, der in …

Artikel lesen
Link zum Artikel