Wawrinka verliert und verabschiedet sich von den French Open – Schweizer Frauen überzeugen
Wawrinka sagt Roland Garros: «Au revoir»
Stan Wawrinka und das French Open, das ist eine schon jahrzehntealte Liebesgeschichte. Eine, die nun zum Bedauern beider Seiten vorbei ist. Ein letztes Mal gab der 41-jährige Waadtländer noch einmal alles, doch es reichte nicht zu einem 47. Sieg. «Es ist hart», gibt er noch auf dem Platz mit tränenerstickter Stimme zu. «Ich möchte hier nicht Adieu sagen.»
Er sei mit Roland Garros gross geworden, erzählt er, während seine Eltern, seine Ex-Frau Ilham und die 16-jährige Tochter Alexia auf der Tribüne zuschauen. «Dieses Turnier habe ich als Kind geschaut und davon geträumt, einmal hier zu spielen.» Der Traum wurde wahr, zum 21. Mal trat er dieses Jahr im Hauptfeld an, 2003 gewann er bei den Junioren, zwölf Jahre später bei den «Grossen».
Schon lange vor dem Matchball nach etwas über drei Stunden hatten die 5000 Zuschauer auf dem drittgrössten Platz des Stade Roland-Garros angefangen, bei gelungenen Punkten des Schweizers - oder auch einfach beim Seitenwechsel - Sprechchöre zu seinen Ehren anzustimmen. Um 16.18 Uhr geht dann die grossartige Geschichte von Wawrinka und dem French Open zu Ende. «Eine grosse Rede werde ich wie schon letzte Woche in Genf nicht halten», betont Wawrinka, «Denn ich spiele ja bis Ende Jahr noch weiter.»
Dafür sprechen dann andere via Videobotschaften. Es sind die Grössten des Sports, von den aktuellen Topstars Jannik Sinner und Carlos Alcaraz über die Big 3 Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic bis zu seinem wahrscheinlich besten Kollegen auf der Tour, Gaël Monfils, der ebenfalls sein letztes French Open spielt. «Den Final 2015 (als Wawrinka gegen Djokovic das Spiel seines Lebens gelang, wie er selber sagt) werde ich nie vergessen», erklärt Federer. «Es war eine Freude, so viel Zeit mit dir zu erleben.»
Djokovic selber, mit 24 Grand-Slam-Titeln der erfolgreichste Tennisspieler der Geschichte, lobt den dreifachen Major-Champion in den höchsten Tönen. «Stanimal, mein Freund. Du bist so eine Inspiration für mich und viele andere», so der Serbe. «Ich bin sehr froh, dich meinen Freund nennen zu können.» Dann erhält der Doppel-Olympiasieger von 2008 und Davis-Cup-Champion von 2014 aus den Händen von Turnierdirektorin Amélie Mauresmo und dem französischen Verbandspräsidenten Gilles Moretton eine Erinnerungstrophäe.
Lieber hätte Wawrinka bei weit über 30 Grad Hitze natürlich noch einmal einen Sieg gefeiert. Der Kampfgeist ist noch da wie zu seinen besten Tagen, doch die Spritzigkeit und Wucht seiner Schläge haben nachgelassen. Kein Wunder, mit seinen 41 Jahren ist er mit Abstand der älteste Mann im Feld.
So wurde Jesper de Jong, als Nummer 106 der Welt nur sieben Positionen besser klassiert, zum Spielverderber. Noch mehr wollte der 25-jährige Niederländer es sich mit den Fans aber nicht verderben. «Es geht heute nicht um mich, sondern um Stan», hielt er sich im Platzinterview kurz. Sein Coach (Thiemo De Bakker) habe noch gegen Wawrinka gespielt, und er sei da Balljunge gewesen. Was Wawrinka mit der Bemerkung quittierte: «Deshalb ist eben doch der Moment, um aufzuhören.
Bandecchi siegt bei Grand-Slam-Debüt
Susan Bandecchi, die 27-jährige Tessinerin, die sich erstmals für ein Grand-Slam-Turnier qualifiziert hatte, eliminierte die als Nummer 31 gesetzte Spanierin Cristina Bucsa mit 6:4, 2:6, 6:4.Weiter geht es für Bandecchi am Donnerstag. Dann trifft sie auf die seit einem Jahr für Australien spielende Daria Kasatkina, die vor vier Jahren in der Weltrangliste Platz 8 belegte.
Susan Bandecchi feierte mit Abstand den grössten Sieg ihrer Karriere - und nutzte die Gunst der Stunde. Nachdem sie im zwölften Anlauf endlich die Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier geschafft hatte, erhielt sie mit Bucsa eine Gegnerin zugelost, die sich in einer Krise befindet. Bucsa gewann die letzten zwei Jahre (!) auf Sand kein Einzel mehr. Bandecchi besiegte erstmals eine Top-70-Spielerin und überstand erst zum zweiten Mal an einem Tour-Event die Startrunde – vier Jahre nach einem Sieg in Lausanne über Oceane Dodin.
Teichmann schlägt die Weltnummer 20
Jil Teichmann, letzte Woche Halbfinalistin in Rabat, besiegte Ludmila Samsonowa (WTA 20), einst die Nummer 12 der Welt, mit 6:4, 6:4. Teichmanns Sieg über Samsonowa erfolgte nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Samsonowa gewann diese Saison erst drei Partien auf der WTA-Tour und spielt ganz und gar nicht wie eine Top-20-Spielerin. Im Juli muss sie die Punkte für die Halbfinalqualifikation 2025 in Wimbledon ersetzen; der Russin droht im Ranking ein tiefer Fall.
Jil Teichmann hat alle bisherigen drei Duelle gegen Samsonowa gewonnen. Und die Bielerin gewann erst zum zweiten Mal (vier Jahre nach dem Sieg über Viktoria Asarenka in Paris) an einem Major-Turnier gegen eine gesetzte Gegnerin. Teichmann trifft in der zweiten Runde am Mittwoch auf die Polin Magdalena Frech.
Auch Golubic weiter
Am späten Montagnachmittag setzte sich auch die vierte Schweizerin am French Open durch. Viktoria Golubic kam gegen die Ungarin Panna Udvardy (WTA 59) in nur 67 Minuten zu einem 6:0, 6:2-Sieg. Die nächste Gegnerin von Golubic am Donnerstag steht noch nicht fest. (riz/hkl/sda)
