Weshalb die Abfahrt in Bormio bei Olympia nicht so gefährlich ist wie im Weltcup
Die Stelvio gilt als eine der schwierigsten Pisten im Ski-Weltcup. Für manche ist die Abfahrt in Bormio gar anspruchsvoller als die Streif in Kitzbühel. Ende 2024 stürzte Speed-Ass Cyprien Sarrazin dort schwer, schwebte danach in Lebensgefahr und wartet noch immer auf sein Comeback. Odermatt bezeichnete das Rennen bereits zuvor als «Kampf ums Überleben».
Ihre Herausforderer folgen kurz darauf. Zu beachten sind bestimmt der Österreicher Vincent Kriechmayr (9) und die beiden Italiener Giovanni Franzoni (11) und Dominik Paris (12).
«Die Geschwindigkeiten sind sehr hoch, die Piste ist unruhig», erklärte Felix Neureuther, was die Stelvio so gefährlich mache. «Da hast du keine Pause und das ist kräfteraubend. Es ist weiter unruhig und eisig.» Abfahrtslegende Marc Girardelli schrieb einst: «Ich war immer froh, wenn ich dort im Ziel heil abgeschwungen habe.» Am morgigen Samstag findet auf der berüchtigten Piste die Olympia-Abfahrt (11.30 Uhr) statt.
Dort erwarten die Stars aber nicht ganz so schwierige Verhältnisse. Der Grund dafür ist, dass das Rennen im Februar statt wie gewöhnlich im Dezember stattfindet. In der Weltcup-Saison wurde Bormio dieses Mal ausgelassen. Rekordsieger Dominik Paris, der rund drei Autostunden vom Olympia-Ort aufgewachsen ist, sagte schon vor einem Jahr gegenüber CH Media: «Es wird ein ganz anderes Rennen sein als im Weltcup.» Im Februar sei «viel mehr Licht auf der gesamten Strecke» als Ende des Jahres. «Die Aufgabe für die Abfahrer wird dadurch deutlich einfacher», so der 36-jährige Südtiroler.
Der Schweizer Stefan Rogentin bestätigte dies nach den ersten zwei Abfahrtstrainings gemäss der NZZ: «Die Sicht ist deutlich besser, es hat Sonne an Stellen, die sonst im Schatten liegen.» Der 31-jährige Bündner hatte sich dort im Stechen um den vierten Startplatz der Schweizer gegen Niels Hintermann durchgesetzt.
Zusätzlich spiele es den Fahrern in die Karten, dass es in den vergangenen Tagen geschneit hat. Die Unterlage sei dadurch gleichmässiger, so Odermatt, die Stelvio weniger vereist. «Es ist schön, hier mal bei Licht herunterzufahren», sagte der Nidwaldner nach dem zweiten Training beim SRF, sprach aber auch davon, dass die Piste wieder etwas unruhiger sei als noch am Vortag. Anders als viele seiner Kollegen sieht es der Schweizer Mitfavorit Franjo von Allmen: «Wir dachten, im Februar ist es besser. Aber es ist immer noch dunkel und eisig. Es ist die Stelvio.» Und die zeigte schon wieder, weshalb sie so berüchtigt ist.
Im zweiten Training stürzte der Österreicher Daniel Hemetsberger, schlug mit dem Gesicht in die Torstange, verlor den Helm und flog dann in die Fangnetze. Der 34-Jährige trug ein blutverschmiertes Gesicht davon, gab später aber Entwarnung. Der Vorfall ist auf einen Fahrfehler zurückzuführen. Im ORF bezeichnete sich Hemetsberger als «Idiot». Im dritten Training vom heutigen Freitag stand er wieder am Start.
Austrian skier Daniel Hemetsberger was left bloodied after a big crash in downhill practice 💥 pic.twitter.com/0AZskbEzpT
— TNT Sports (@tntsports) February 5, 2026
Die Piste sei nach wie vor sehr unruhig, erklärte Hemetsberger danach. Dies liegt vor allem an den weiterhin vorhandenen Schlägen. Landsmann Vincent Kriechmayr fand, dass die Strecke «ganz anders als im Dezember sei», warnte aber zugleich: «Die wahre Stelvio werden wir am Samstag sehen.»
Dann geht es für die besten Abfahrer der Welt um Olympia-Gold. Kriechmayr will für die Österreicher die Fahne hochhalten, die Favoriten kommen aber aus der Schweiz und Italien. Marco Odermatt und Franjo von Allmen sind die grössten Schweizer Trümpfe, während die Italiener auf Shootingstar Giovanni Franzoni und gerade in Bormio Routinier Dominik Paris hoffen.
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