Der Qualifikant Jérôme Kym steht am US Open – bei seinem ersten Grand-Slam-Turnier – in der 3. Runde. Er ringt den als Nummer 30 gesetzten Amerikaner Brandon Nakashima 4:6, 7:6, 7:5, 3:6, 7:6 nieder.
In seinem ersten Fünfsatz-Match überhaupt zeigte sich Kym, die Nummer 175 der Welt, nervenstark. Nach 4:19 Stunden gewann er das entscheidende Match-Tiebreak des fünften Satzes 10:8.
Er habe bewusst bis zum Schluss aggressiv spielen wollen, betonte Kym gegenüber Keystone-SDA. «Dann muss ich mir keine Vorwürfe machen, es nicht selber in die Hand genommen zu haben.» Grund zu Vorwürfen hatte er nach der Parforce-Leistung definitiv keine.
Die Partie war eine wahre Achterbahnfahrt, ganz speziell im fünften Satz. Gleich zu Beginn des entscheidenden Durchgangs gelang Kym das Break zum 2:0 – dank eines Doppelfehlers von Nakashima. Danach geriet der 22-jährige Aargauer aber mit einem Break 2:3 ins Hintertreffen, ehe er sich wieder fing. Bereits bei 5:4 und Aufschlag Nakashima fehlten ihm nur noch zwei Punkte zum Sieg.
Überhaupt zeigte sich der Grand-Slam-Debütant aus dem Fricktal in den entscheidenden Momenten nervenstärker als die Nummer 31 der Welt. Insgesamt gab Nakashima seinen Aufschlag gleich dreimal mit einem Doppelfehler ab. In einem Abnützungskampf mit vielen Aufs und Abs liess sich der Schweizer vom wesentlich erfahreneren Amerikaner nie entscheidend abschütteln. Im Match-Tiebreak lag Kym nie im Rückstand.
Die Zahlen hätten am Ende ein Unentschieden als logisches Resultat ergeben, was es im Tennis bekanntlich nicht gibt. Kym war der etwas aktivere Spieler, der die Punkte mit seinem starken Service (26 Asse) oft diktierte. So kamen am Ende 59 Winner – einer mehr als Nakashima – und 51 unerzwungene Fehler (gegenüber 50) zustande.
Kym, der in der Vergangenheit so oft durch Verletzungen zurückgeworfen wurde, wird nun auch in der Weltrangliste einen schönen Sprung machen. Zudem verdient er in New York mindestens 237'000 Dollar.
In der 3. Runde trifft Kym auf den Vorjahresfinalisten und Weltranglisten-Vierten Taylor Fritz. Ein Auftritt in einem der beiden grossen Stadien ist damit garantiert. Doch daran will der Aargauer noch nicht denken: «Jetzt geniesse ich erst mal diesen Sieg.» Nach einem Eisbad und intensiver Physiotherapie fühle er sich wieder gut. «Es war vor allem mental anstrengend», meinte er.
Novak Djokovic kann den etwas suspekten Eindruck aus der 1. Runde auch bei seinem zweiten Einsatz nicht zerstreuen. Der Grand-Slam-Rekordchampion, der seit seiner Niederlage im Wimbledon-Halbfinal gegen Jannik Sinner kein Turnier mehr bestritten hatte, verlor gegen den amerikanischen Qualifikanten Zachary Svajda, nur die Nummer 145 der Welt, sogar den ersten Satz im Tiebreak.
Danach setzte sich der Serbe zwar in vier Sätzen durch. Er wird sich aber gewaltig steigern müssen, wenn er seine Hoffnungen auf einen 25. Grand-Slam-Titel, den ersten seit dem US Open vor zwei Jahren, aufrecht erhalten will.
Bereits zu Ende ist das Turnier für den letztjährigen Halbfinalisten Jack Draper. Der Engländer musste vor seiner Zweitrundenpartie gegen den Belgier Zizou Bergs wegen einer Armverletzung Forfait erklären. Der Weltnummer 5 droht nun der Fall aus den Top Ten. (ram/sda)