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Pünktlich zum Australian Open: Die Tennis-Welt hat ihren Wettskandal – Top-50-Spieler im Visier

Paukenschlag im Welttennis: 16 Spieler aus den Top-50 sollen in einen Wettskandal verwickelt sein. Belangt wurde bislang keiner. Über die Hälfte davon ist bei den Australian Open dabei, die heute in Melbourne beginnen.



Der Gentleman-Sport Tennis steht in den Schlagzeilen da, wo niemand stehen will: Neben Wettkartellen aus Russland und Italien. Die britische BBC und Buzzfeed haben pünktlich zum Auftakt der Grand-Slam-Saison am Australian Open einen umfangreiche Bericht über einen Wettskandal publiziert.

«The Tennis Racket» lautet dessen Titel, der sogleich zum Twitter-Hashtag wurde. Das englische «Racket» steht hier für einmal nicht für den Schläger, sondern für Betrügerei. Denn über ein Jahrzehnt, so der Vorwurf, sollen mehrere Spieler der Profitour gegen Geld Partien manipuliert haben.

ATP dementiert

Namen werden im Bericht keine genannt. BBC und Buzzfeed begründeten dies damit, dass sie ohne Zugang zu Telefonen, Computer oder Bankauszügen der betroffenen Spieler nicht nachweisen könnten, dass diese in illegale Absprachen verwickelt seien.

Bereits im Jahr 2008 lieferten Ermittlungsbehörden den Tennis-Verantwortlichen Beweise, die den Verdacht auf Spielmanipulation im Tennis durch russische und italienische Wettkartelle stützten. Genannt wurden 28 Spieler. Das geht aus Listen hervor, auf die sich nun die Journalisten berufen. Ermittler Mark Phillips wird im Bericht wie folgt zitiert: «Sie hätten sich eines Netzwerks von Spielern entledigen und damit fast den ganzen Sport aufräumen können.» Die Verantwortlichen hätten sämtliche Informationen schön angerichtet serviert erhalten – «doch sie unternahmen überhaupt nichts».

Glaubst du, dass Tennis-Spieler betrügen?

Die International Tennis Federation (ITF) kündigte an, sich im Laufe des Tages zu den Vorwürfen zu äussern. Der Präsident der «Association of Tennis Professionals» (ATP) dementierte, dass die Verantwortlichen Informationen über vermeintliche Absprachen von Tennisspielen zurückhalten würden. «Wir weisen jeden Vorwurf, dass Beweise über Wettmanipulationen verdrängt wurden, absolut zurück», sagte Chris Kermode.

Nun wurden die Journalisten in der Sache tätig. Und die kamen bei ihrer Recherche zu folgenden Schlüssen:

Die Untersuchungsmethode

Ursprung der Recherchen sind neun geleakte Listen («Fixing Files»), die den Journalisten zugespielt wurden. In der Folge nahmen sie eine Analyse von Wettaktivitäten bei 26'000 Spielen und Interviews mit Wett- und Spiel-Manipulations-Experten, sowie Tennis-Funktionären und Spielern auf drei Kontinenten unter die Lupe.

Daniel Köllerer Tennis

Bekam Manipulationsangebote bei Turnieren in Moskau, Chennai und Paris: Lebenslang gesperrter österreichischer Ex-Tennis-Profi Daniel Köllerer.
Bild: screenshot buzzfeed

Nigel Willerton von der Tennis Integrity Unit (TIU) bestätigt, dass seine Abteilung 2008 den Bericht erhalten habe. Die Beweise seien allerdings zurückgestellt worden, weil Anwälte den Standpunkt vertraten, dass eine 2009 neu eingeführte Integritätsnorm nicht rückwirkend angewandt werden könne. Deshalb habe es keine neuen Untersuchungen gegen die im Bericht erwähnten Spieler gegeben. Willerton betonte, dass seine Abteilung 13 männliche tiefklassierte Tennisprofis wegen Spielmanipulation teilweise lebenslang gesperrt habe.

«Und es braucht bloss einen Spieler, um den Ausgang der Partie zu manipulieren.»

Ex-ATP-Vize Richard Ings

Anstoss für die Untersuchung von 2008 war eine Partie im polnischen Sopot zwischen dem Russen Nikolai Dawydenko und dem Argentinier Marin Vassallo Arguello. Millionenbeträge wurden auf die Partie gewettet – aus Konten in Moskau. Im dritten Satz die Überraschung: Favorit Dawydenko gibt Forfait. Die Tennis-Funktionäre erklärten am Ende der Untersuchung, sie hätten keine Hinweise auf Regelverstösse durch die beiden Spieler gefunden.

epa04175987 Nikolay Davydenko of Russia returns the ball to Albert Ramos of Spain during their first round match of the Conde de Godo Barcelona Open tennis tournament in the Real Club tennis center in Barcelona, north-eastern Spain, 22 April 2014.  EPA/ALBERTO ESTEVEZ

Verdächtiges Forfait: Nikolai Dawydenko beim Spiel in Sopot.
symbolBild: EPA/EFE

Die Unterlagen, auf die sich BBC und Buzzfeed berufen, hätten dagegen gezeigt, dass Vassallo Arguello bei einem früheren Turnier 82 SMS mit einem mutmasslichen Anführer eines italienischen Wettrings ausgetauscht hatte, der beim Setzen auf andere Partien von Vassallo Arguello hunderttausende Pfund gewann.

Der ehemalige ATP-Vizepräsident Richard Ings sagt, Tennis sei besonders anfällig für Korruption, weil jedes Jahr zehntausende Partien ausgetragen würden mit Milliarden-Beträgen im Wett-Pot. «Und es braucht bloss einen Spieler, um den Ausgang der Partie zu manipulieren.» (kad)

Die grössten Tennis-Stadien der Welt

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