Abgeklärt und eiskalt: Thun wie ein «grosses Team» – und bald Meister?
«Es gelingen uns Sachen, die sonst vielleicht nicht gelingen würden. Wie die beiden Traumtore.» Das sagte Valmir Matoshi nach dem 2:1-Sieg des FC Thun in Basel. Der 22-jährige Mittelfeldspieler hatte sehenswert für den Endstand gesorgt, in der ersten Halbzeit hatte Leonardo Bertone noch schöner getroffen.
Mit dem Erfolg im St. Jakob-Park hat der Aufsteiger nicht nur den Titelverteidiger um 13 Punkte distanziert, sondern auch seinen Vorsprung auf die ersten Verfolger Lugano und St.Gallen auf neun bzw. elf Zähler ausgebaut – wobei der FCSG noch ein Spiel weniger absolviert hat. War der Sieg in Basel am 22. Spieltag also schon die Meisterprüfung?
Sowohl die Torschützen Matoshi und Bertone als auch Trainer Mauro Lustrinelli wiegeln ab. «Es sind noch 48 Punkte zu vergeben, es ist also noch ein langer Weg», sagte der Tessiner Coach beim SRF. Aber klar: «Wenn es so weiterläuft, sieht es gut aus», stellte Matoshi bei Blue fest.
Thun hat nun fünf Spiele in Serie gewonnen. Vor dem 2:1-Erfolg im Joggeli wurde YB im Kantonsderby mit 4:1 weggefegt. Auffällig dabei? In beiden Partien waren die Berner Oberländer nicht unbedingt das bessere Team. Gegen die Young Boys brachten die 17 Minuten mit drei Treffern nach der Pause die Entscheidung. In Basel war es Matoshis spätes Tor nach dem Fehler von Nicolas Vouilloz. «Wir mussten leiden», sagte Trainer Lustrinelli nach dem Spiel, «aber diese Mannschaft kann leiden und im richtigen Moment wie ein grosses Team da sein und gewinnen.»
Auch für die Spieler ist klar, wo das Erfolgsrezept liegt. «Wir sind ein Team, das zeigen wir Tag für Tag im Training und dann auch in den Spielen», sagte der eingewechselte Goalie Tim Spycher, der den verletzten Niklas Steffen bei seinem Ex-Klub vertrat. Bertone brachte die Mentalität der Thuner, die beim vom Namen her grössten Klub der Super League antraten, auf den Punkt: «Mit dem 1:1 wären wir definitiv nicht zufrieden gewesen. Wir wollen jedes Spiel gewinnen!» Das Team wisse, «dass wir in den letzten zehn Minuten jeweils einen Gang hochschalten können. Das hat heute wieder geklappt.»
Diese Aussagen zeigen: Der FC Thun sieht sich selbst als Spitzenteam. Und das stellte er sowohl gegen YB als auch in Basel unter Beweis. Die Chancen, die sich ihnen boten, nutzten sie eiskalt. Die beiden Tore in Basel waren die einzigen Torschüsse der Partie. Natürlich war da etwas Glück dabei, aber wie Matoshi sagte: Es gelingen halt Dinge, die sonst nicht gelingen würden. «Das ist unser Selbstvertrauen», so der 22-Jährige. Nach seinem Führungstreffer in der 80. Minute liessen die Thuner am Sonntagnachmittag keine echten Chancen mehr zu und spielten die verbleibende Zeit abgeklärt herunter. Wie ein Spitzenteam halt – und wie der nächste Meister?
Mit grossen Ansagen halten sich die Thuner noch zurück. Lieber setzen sie auf die üblichen Floskeln: Man wolle von Tag zu Tag schauen, im Hier und Jetzt bleiben, Schritt für Schritt gehen und den Moment geniessen. Im Hinterkopf schwirrt die Möglichkeit des ersten grossen Titels der Vereinsgeschichte aber bereits herum. «Das Bewusstsein, dass wir eine geile Saison spielen, ist da», so Lustrinelli, und weiter: «Das Team weiss, worum es geht: Wir können Historisches schaffen.»
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