DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Novak Djokovic hat sich früh als Impfgegner positioniert.
Novak Djokovic hat sich früh als Impfgegner positioniert.
Bild: keystone

Novak Djokovic steckt in der Zwickmühle: Ist der einstige Impfgegner längst geimpft?

Novak Djokovic hat sich bereits früh gegen die Corona-Impfung ausgesprochen. Doch nun tauchen Bilder auf, die vermuten lassen, dass der Serbe längst geimpft ist. Der Tennisprofi steckt in einem Dilemma.
08.10.2021, 09:10
Simon Häring / ch media

Wer nicht gegen das Coronavirus geimpft ist, darf nicht nach Australien einreisen. Und wer nicht einreisen kann, kann im Januar auch nicht bei den Australian Open in Melbourne antreten. So will es die australische Gesundheitsbehörde, die bei der Eindämmung der Pandemie besonders kompromisslos vorgeht.

Mit der Ausbreitung der Deltavariante hat die Null-Covid-Strategie ausgedient. Stattdessen setzt man auf eine möglichst hohe Impfquote. Ausnahmen wie in diesem Jahr, als der Tennistross mit extra gecharterten Flügen nach Melbourne geflogen worden war und dort eine weiche Quarantäne absolviert hatte, wird es wohl nicht mehr geben.

Damit rückt die Frage in den Fokus, wer geimpft ist, oder eben nicht. Die Skepsis im Tenniszirkus ist bekanntlich besonders gross. Nach Angaben der Profi-Organisationen der Männer (ATP) und der Frauen (WTA) war bis zu den US Open erst die Hälfte der Spielerinnen und Spieler geimpft.

Besonders heftig wird derzeit darüber debattiert, ob Novak Djokovic sich die Impfung hat verabreichen lassen. Der Serbe ist der beste Tennisspieler der Gegenwart, neunfacher Sieger und Titelverteidiger bei den Australian Open. Und er hat sich im Frühling 2020 als klarer Impfgegner positioniert. Seine Worte damals: «Ich bin gegen eine Impfung und möchte nicht, dass mich jemand zwingt, einen Impfstoff einzunehmen, um reisen zu können. Ich möchte darüber entscheiden, was für meinen Körper am besten ist.»

Djokovic erklärt Impfung zur Privatsache

In diesem Herbst stellte er klar, dass er der Ansicht sei, dass es eine persönliche Angelegenheit sei, ob sich jemand impfen lassen wolle oder nicht. Djokovic hatte im Frühling 2020 auf dem Höhepunkt der ersten Welle die Adria-Tour veranstaltet, eine Turnierserie auf dem Balkan, die abgebrochen werden musste, nachdem es zu mehreren Ansteckungen gekommen war. Auch Djokovic und dessen Frau hatten sich infiziert, und waren daraufhin im Privatjet von Belgrad nach Monte Carlo ausgereist. Seinen Impfstatus erklärte der 34-Jährige seither zur Privatsache.

Inklusive Bad in der Menge: Novak Djokovic bei der Adria Tour.
Inklusive Bad in der Menge: Novak Djokovic bei der Adria Tour.
Bild: keystone

Das ist sein gutes Recht, hat aber zur Folge, dass Novak Djokovic nun in einer Zwickmühle steckt. Denn welche Glaubwürdigkeit hat einer, der sich erst als Impfgegner positioniert, nach Kritik des obersten Epidemiologen Serbiens geltend macht, selber darüber urteilen zu können, was für seinen Körper das Beste sei, und sich seither der Debatte um Lösungen entzieht?

Vermutlich ist Djokovic, der Kritiker der ersten Stunde, längst geimpft. Diesen Schluss legen Bilder nahe, die in den sozialen Medien aufgetaucht sind, seit über eine Impfpflicht für die Einreise nach Australien diskutiert wird. Sie zeigen den Serben an einem Sommerfestival im New Yorker Central Park, zu dem nur Geimpfte zugelassen waren. Es ist kaum davon auszugehen, dass Novak Djokovic dafür eine Extrawurst erhalten hat.

Djokovics Haltung ist nicht nur deshalb von Belang, weil er der beste Tennisspieler der Gegenwart ist, sondern auch, weil er vorgibt, sich als Präsident der Spielergewerkschaft PTPA (Professional Tennis Players Association) für die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen einzusetzen. Doch nichts prägt das gesellschaftliche Leben und damit auch den Sport derzeit mehr als das Coronavirus, ob wir das wollen oder nicht.

Novak Djokovic möchte sich nicht mehr exponieren, er bezieht keine Stellung – welcher Art auch immer. Stattdessen erklärt er das Thema Impfung zur Privatsache. Das trägt nicht zur Lösung des Problems bei. Es ist eine Bankrotterklärung.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Alle Grand-Slam-Titel von Novak Djokovic

1 / 22
Alle Grand-Slam-Titel von Novak Djokovic
quelle: keystone / alberto pezzali
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Fan bekommt Tennisschläger von Djokovic geschenkt. Seine Reaktion ist zum Niederknien.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Kurz im Skandal-Strudel: «Was seit gestern los ist, hat ganz neue Dimensionen»

Ganz Europa schaut zurzeit nach Österreich: Pikante Details über ein Ermittlungsverfahren gegen Kanzler Kurz wurden publik. Die bekannte Journalistin Olivera Stajić ordnet die Geschehnisse ein.

Österreich erlebte am Mittwoch ein politisches Erdbeben: Die für Korruption spezialisierte Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den 35-jährigen konservativen Politstar Sebastian Kurz und sein Umfeld eröffnet. Der Vorwurf: Es habe Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit gegeben, weil mit Steuergeldern Gefälligkeitsumfragen gebucht worden seien, um Kurz eine steile Karriere zu ermöglichen.

Kurz, der mit seiner Volkspartei und den Grünen zurzeit eine Regierung bildet, kündigte am …

Artikel lesen
Link zum Artikel