«Nicht normal»: Wawrinka-Abschied auf Nebenplatz sorgt für Ärger
Am Montag vom Niederländer Jesper de Jong in der ersten Runde der French Open geschlagen, hat Stan Wawrinka Abschied vom Publikum an der Porte d’Auteuil genommen. Die Turnierorganisation ehrte ihn im Anschluss bei einer kleinen Zeremonie – so wie es üblich ist, wenn ein grosser Name des Tennissports geht.
Der Waadtländer erhielt einen Pokal aus den Händen von Amélie Mauresmo, Turnierdirektorin, und Gilles Moretton, Präsident der Fédération Française de Tennis (FFT). Auf der Videowand des Stadions wurden die Highlights seiner Karriere gezeigt, begleitet von Glückwünschen ehemaliger Stars wie Roger Federer und seiner Kolleginnen und Kollegen auf der Tour. Seine Rede, unterbrochen von den herzlichen Applauswellen des französischen Publikums, war voller Emotionen. Das wird eines der unvergesslichen Bilder dieses Turniers bleiben.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Einige finden jedoch, dass sein letztes Spiel und die anschliessende Ehrung nicht auf dem Court Simonne-Mathieu hätten stattfinden sollen, dem drittgrössten Platz in Paris. Ihrer Meinung nach hätte der Schweizer seinen Abschied auf einem prestigeträchtigeren Court feiern sollen – entweder auf dem Lenglen oder dem Centre Court. Das wäre auch passiert, hätte sein ursprünglicher Gegner, der Franzose Arthur Fils, nicht Forfait geben müssen.
Eurosport-Journalist Bertrand Milliard gehört zu jenen, die finden, dass die Programmplanung am Montag bei den French Open schlecht gemacht war. Er liess seinen Unmut durchblicken, als die Moderatorin der französischen Sendung «Retour Gagnant» auf die Ehrung von Wawrinka zu sprechen kam: «Auf welchem Court eigentlich?», meinte er mit einem Hauch von Ironie.
Auf die Frage, ob es ihm nicht gefallen habe, dass Wawrinka nicht auf dem Centre Court spielte, antwortete Bertrand Milliard: «Nein. Vor allem an einem Tag wie diesem. Man wollte uns Humbert gegen Mannarino vorsetzen, was ehrlich gesagt – ich entschuldige mich, es sind Franzosen – eines der schlechtesten Matches der ersten Runde war. Und genau so katastrophal hat es sich dann auch erwiesen.»
Milliard führte weiter aus: «Es war ein völlig seelenloser Tag auf dem Centre Court. Es gab zwei Damenmatches, von denen man wusste, dass sie einseitig verlaufen würden – und genau so war es auch. Natürlich ist es richtig, Swiatek und Rybakina sollen auf den Centre Court, aber danach hätte ein Herrenmatch mit ein bisschen Spiel und Emotion folgen müssen. Humbert gegen Mannarino – zwei Franzosen – da positioniert sich das Publikum kaum. Mannarino hat in dieser Saison auf Sand keinen einzigen Match gewonnen: acht Niederlagen. Und trotzdem bekommt er den Centre Court. Das ist nicht normal.»
Der Eurosport-Journalist schloss seine Argumentation mit einem Vergleich ab, der viel über die oft kritisierte Pariser Programmierung aussagt: «Wenn so etwas in Wimbledon passieren würde, will ich gar nicht erst erzählen, was los wäre. Auf Englisch wäre das, als würde man die Nummer drei Grossbritanniens – also nicht einmal Norrie, sondern einen Fearnley-Clarke – auf einen Top-Court setzen.» Ein Match, das so gar nicht zum Träumen einlädt…
(roc)
