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Novak Djokovic und Chervin Jafarieh im Instagram-Livegespräch. bild: screenshot youtube

Djokovic, der Alchemist und seine spirituellen Brüder auf dem Schlachtfeld des Lebens

Im Streben nach Perfektion hört Novak Djokovic auf den spirituellen Rat des Iraners Chervin Jafarieh, einem selbst ernannten Alchemisten. Dabei spricht sich Djokovic auch gegen einen Corona-Impfzwang aus.

simon häring / ch media



Sie nennen sich gegenseitig Bruder, sie falten die Hände, nicken, wenn der andere spricht. Sie sagen Sätze wie: «Wir ehren Gaia, die Mutter Erde.» Es gebe vieles, über das sie nachdenken würden. Über unseren Umgang mit der Erde, das gesamte Ökosystem, unsere Beziehung zu uns und dem, was uns umgibt.

Sie, das sind Novak Djokovic, der beste Tennisspieler, wenn nicht der Geschichte, dann der Gegenwart. Und Chervin Jafarieh, «mein persischer Bruder, my Brother from another Mother», ein Iraner mit akkurat frisiertem Bart und sanfter Stimme. Djokovic stellt ihn vor als einen seiner engsten Freunde, «ein beeindruckender Mensch, intelligent, vor allem aber eine wundervolle Seele», sagt der serbische Tennisspieler.

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Djokovics Gespräch mit Chervin Jafarieh in voller Länge. Video: YouTube/Cymbiotika

Es folgt ein fast einstündiger Dialog, in dem Djokovic und Jafarieh sich in ein spirituelles Delirium reden. Es geht um Selbstliebe, die jede Medizin ersetze, das Immunsystem stärke und den Menschen frei mache von jeglicher Sucht – dem Rauchen, dem Trinken, vor allem aber der ewigen Angst, in der wir Menschen leben würden, und die eine Ablenkung vom Wesentlichen darstellten: Der Suche nach der perfekten Harmonie und Balance zwischen Spiritualität und Wissenschaft. Die Menschen hätten die Verbindung zu ihrem Körper verloren. Djokovic sagt: «Wir sind ebenso Energie, wie wir Chemie sind. Wir Menschen sind elektrische Wesen.» Djokovic und Jafarieh schaukeln sich hoch in ein spirituelles Nirwana.

«Die Arena, der Tennisplatz ist ein Schlachtfeld»

Und dann wird es doch konkret. «Auf dem Tennisplatz kannst du dich auf niemanden ausser dich selbst verlassen. Du gewinnst, oder du verlierst. Es liegt nur an dir», sagt Djokovic. Es ist ein Blick in seine Seele, ein Blick auch in seine Vergangenheit. Djokovic ist in Serbien aufgewachsen, in einem vom Krieg zerrütteten Land. Die Bomben der Nato-Truppen haben Löcher in die Wand gebohrt gegen die er die ersten Bälle schlug, sie sind noch heute sichtbar. Die Narben sind nie verheilt.

Djokovic spielt Tennis, wie er als Kind aufgewachsen ist – er ist ein Kämpfer, ein Gladiator, im ständigen Krisen-Modus. Mit Beharrlichkeit, Unerbittlichkeit, Ausdauer, Intensität. Den Platz, die Arena, nennt er ein «Schlachtfeld, auf dem alle Dramen an die Oberfläche gelangen», die ihn herausfordern würden.

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Djokovics Besuch in seinem Heimatdorf Kopaonik im Jahr 2016. Video: YouTube/BasiaID

Novak Djokovic war schon ein Suchender. Ein Suchender nach sich selbst, nach seinem inneren Kompass, und nicht zuletzt nach Anerkennung, mit missionarischem Eifer wurde er zum drahtigen Selbstoptimierer, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, aus dem Schatten anderer zu treten – und zur besten Version seiner selbst zu werden. Er wollte ein besserer Mensch werden, sein Wohlbefinden nicht mehr an Erfolge, Pokale und Ruhm knüpfen.

Und er umgab sich mit einem spirituellen Guru: Pepe Imaz, ein hagerer Mann mit weissem Haar, braun gebrannt, der von Liebe und Frieden fabulierte. Zu diesem «Netzwerk», wie Djokovic es nennt, gehört auch sein «persischer Bruder» Chervin Jafarieh.

Wer ist dieser Chervin Jafarieh?

Er bezeichnet sich selber als Alchemist, dessen Mission es ist, «möglichst viele Seelen wieder mit Mutter Erde zu verbinden». Ein spiritueller Bruder. Aber auch: ein gewiefter Geschäftsmann, ein Vermarkter seiner selbst, ein Berufener, «ein Aktivist für Gesundheit», nicht zuletzt seit dem Tod seines Vaters vor einem Jahr.

Jafarieh ist Gründer von Cymbiotika, einer Firma, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt. Die Pülverchen und Sprays preist er an als glutenfrei, vegan, und natürlich. Sie versprechen Linderung bei Beschwerden aller Couleur: «Golden Mind» stimuliere sogar das Wachstum neuer Hirnzellen. Gut, steht im Kleingedruckten, dass die Mittelchen von der FDA, der amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde, nicht freigegeben ist und weder als Diagnose, Kur, Therapie oder Prävention vor Krankheiten schützt.

Djokovic selber hatte sich kürzlich kritisch gegenüber einer möglichen Impfung gegen das Coronavirus geäussert und war für seine Äusserungen heftig kritisiert worden. Der serbische Epidemiologe Predrag Kon sagte: «Als einer von Djokovics grössten Fans hätte ich gerne die Möglichkeit, ihm die Wichtigkeit und den Beitrag von Impfungen für die Gesundheit der Bevölkerung zu erklären. Jetzt ist es zu spät, er hat für falsche Vorstellungen gesorgt.»

Djokovic reagierte mit einem Statement und sagte: «Ich habe meine Meinung gesagt, weil ich das Recht dazu habe und ich mich verantwortlich fühle, über gewisse Themen zu sprechen, die das Tennis betreffen. Ich bin kein Experte, doch ich will die Möglichkeit haben, darüber zu entscheiden, was für meinen Körper am besten ist.»

Das Beste für seinen Körper, das sind für Novak Djokovic die Mittelchen aus der Alchemisten-Küche seines persischen Bruders Chervin Jafarieh. Er ist Djokovics spiritueller Bruder auf dem Schlachtfeld des Lebens.

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Team Insomnia 24.04.2020 23:16
    Highlight Highlight Herr Häring, warum werden meine kritischen Fragen nicht veröffentlicht?

    Sind sie zu feige um Stellung zu nehmen?
  • Coburn 24.04.2020 20:18
    Highlight Highlight Ja, so ist das nun mal in unserer freien Welt. Menschen dürfen Meinungen haben und Dinge tun oder auch nicht, die nicht allen passen.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 24.04.2020 21:43
      Highlight Highlight Jede hat auch das Recht dumm zu sein.
      Aber gewisse Menschen missbrauchen dieses Recht schamlos.
    • Ich hol jetzt das Schwein 25.04.2020 01:54
      Highlight Highlight Ja, das dürfen sie, selbstverständlich. Andere Menschen dürfen aber auch ihre Meinung haben und die Meinungen und Taten dieser erstgenannten Menschen doof finden und kritisieren. Damit verbieten zweiter ersteren nicht deren Meinung, auch wen erstere und ihre Anhänger dies mimosenhaft glauben und lauthals jammernd anklagen.
  • hotsock 24.04.2020 16:32
    Highlight Highlight Tennisspieler müssen nicht zwingend intelligent sein
  • Zeitreisender 24.04.2020 15:45
    Highlight Highlight «Ich bin kein Experte, doch ich will die Möglichkeit haben, darüber zu entscheiden, was für meinen Körper am besten ist.»

    Selten wurde die Hauptessenz von Social-Media-Blasen besser in einem Satz erläutert. Vorhandene Unwissenheit, jedoch die Arroganz trotzdem zu wissen was richtig oder falsch ist. Ein jahrelanges Medizinstudium kann man nicht durch Youtube und Verschwörungstheorien ersetzen.
    Er ist ohne Zweifel eine Ausnahmeperson im Tennis, daneben hat er jedoch nicht wirklich viel vorzuweisen.
  • Atavar 24.04.2020 15:40
    Highlight Highlight Ein gewiefter Schlangenölverkäufer. Und mit dem Djoker hat er einen finanziell potenten Kunden, reichweitenstarken Testimonial und kann sich gleich noch an dessen Glaubwürdigkeit gütlich tun.

    Es würde mir einen gewissen (makaberen) Respekt abnötigen, wäre meine Abneigung für Schlangenölverkäufer nicht nocht stärker als das Mitleid für deren Kundschaft...

    Aber hey, Big Pharma geht es nur um's Geld. Jafarieh hilft selbstlos den armen Seelen...
  • ChiliForever 24.04.2020 15:18
    Highlight Highlight "Jafarieh ist Gründer von Cymbiotika, einer Firma, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt. "

    Alles klar, ab dem Moment im Artikel weiß man alles. Ein Geschäftemacher wie alle anderen, der einfach nur ebenso auf der Esoterikwelle mitfährt. Man darf wohl auch getrost Scharlatan sagen.
  • RichiZueri 24.04.2020 15:14
    Highlight Highlight Freaks... aber jeder kann tun und lassen, was er will. Doch irgendwelche ungetesteten Pülverchen als wirksam zu verkaufen, geht mir genauso gegen den Strich, wie die Meinung, dass Selbstliebe Medizin ersetze. Klar hat die Gefühlswelt Einfluss auf die Gesundheit, was sich häufig in negativen Zeiten bemerkbar macht. Aber die Meinung dieser zwei Herren ist dann doch eher Hokus Pokus...
    • Ich hol jetzt das Schwein 25.04.2020 01:57
      Highlight Highlight Aber Selbstliebe IST doch gut!?
      Play Icon
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 24.04.2020 15:05
    Highlight Highlight "Jafarieh ist Gründer von Cymbiotika, einer Firma, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt. Die Pülverchen und Sprays preist er an als glutenfrei, vegan, und natürlich. Sie versprechen Linderung bei Beschwerden aller Couleur: «Golden Mind» stimuliere sogar das Wachstum neuer Hirnzellen. "
    Wer sowas kauft hat es auch definitiv nötig.
  • wasps 24.04.2020 14:23
    Highlight Highlight Mein Gott, er kann ja tun und lassen und Glauben an was auch immer. Nur finde ich, wenn er sich dereinst nicht gegen Covid-19 impfen lassen will, soll er seinen Arsch zuhause still halten und nicht um die Welt jetten (im Einklang mit Mutter Erde).
    • lilie 24.04.2020 17:35
      Highlight Highlight @wasps: Hat er ja gesagt: Wenn es einen Impfzwang gibt, wird er eine Entscheidung fällen müssen.

      Ist ja wirklich sein Bier. Ich jedenfalls würde ihn nicht vermissen. 😏
    • Emma Jones 25.04.2020 10:36
      Highlight Highlight @lilie, es geht ja gerade darum, dass er seinen Arsch zu Hause lässt, wenn kein Impfzwang beschlossen wird, was er sicher nicht macht.
    • lilie 25.04.2020 11:40
      Highlight Highlight @Emma Jones: Ach so.

      Naja, wenn es keinen Impfzwang gibt, dann wird er nicht der einzige sein, der ungeimpft auf Tour geht.

      Fände ich dann schräg, nur ihm einen Strick daraus zu drehen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mike Milligan 24.04.2020 14:21
    Highlight Highlight Den einzigen Alchemisten, den ich brauche, stammt aus Coelhos Feder.

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