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08 June 1990 - FIFA World Cup - Argentina v Cameroon - Argentinean captain Diego Maradona yells as he is tackled. (Photo by Mark Leech/Getty Images)

Maradona und Co. müssen untendurch: Die Kameruner packen die Axt aus und lassen es so richtig krachen. Bild: Mark Leech Sports Photography

Unvergessen

Exot Kamerun eröffnet die WM mit einem Paukenschlag – und einem Foul für die Ewigkeit

8. Juni 1990: Kamerun schockt Argentinien und überrascht die Fussballwelt. Im Eröffnungsspiel der WM in Italien besiegen die Afrikaner den Titelverteidiger mit 1:0. In Erinnerung bleibt aber auch ein knüppelhartes Foul.



Rrrrrumms! Das Ende seines Solos hat sich Claudio Caniggia bestimmt anders vorgestellt. Nach einem Ballgewinn am eigenen Strafraum läuft der argentinische Starstürmer auf und davon, an einem Kameruner vorbei und am nächsten. Das Eröffnungsspiel ist kurz vor dem Ende, Weltmeister Argentinien droht eine peinliche 0:1-Niederlage.

Nun hat der pfeilschnelle Caniggia viel Platz vor sich – aber den wackeren Benjamin Massing neben sich. «Bis hierhin und nicht weiter», scheint sich der Afrikaner zu denken. Und er säbelt Caniggia mit einem Foul um, das seinesgleichen sucht. Als der Argentinier seine Knochen durchgezählt hat, ist Massing, der mittlerweile verstorben ist, längst geduscht. Der französische Schiedsrichter Vautrot hat gar keine andere Wahl, als ihm Rot zu zeigen.

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Caniggias Solo wird jäh gestoppt. quelle: youtube/djsk1pp

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Die Zeitlupe: Täter Massing verliert beim Tackling gar einen Schuh. gif: gr8footy

Omam-Biyik bezwingt «die Pumpi»

Es ist bereits der zweite Platzverweis gegen einen Kameruner, nach einer Stunde muss André Kana vom Feld. Doch weil bereits die letzte Spielminute angebrochen ist, richtet Massings Ausscheiden keinen Schaden mehr an.

Die Sensation ist perfekt: Die «unzähmbaren Löwen» schlagen das von Diego Maradona angeführte Argentinien mit 1:0. François Omam-Biyik steigt in der Mitte höher als sein Gegenspieler und Goalie Nery Pumpido sorgt dafür, dass ich in meinem Panini-Album das «do» durchstreiche und ihn nur noch als «Pumpi» bezeichne.

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Furchtbar, wie sich Argentiniens Abwehr beim Gegentor verhält. gif: gr8footy

«Lauft, meine kleinen schwarzen Freunde!»

Trotz ihrer rustikalen Art und Weise – die Kameruner treten bisweilen nach allem, was nicht bei drei auf dem Baum ist – werden sie sofort zu den grossen Publikumslieblingen. Legendär das Bonmot des deutschen Kommentators Marcel Reif: «Ich darf als Reporter ja nicht parteiisch sein. Ich will auch nicht parteiisch sein – aber lauft, meine kleinen schwarzen Freunde, lauft!»

Kamerun schlägt danach auch Rumänien und zieht in die Achtelfinals ein. Beide Treffer beim 2:1-Sieg gegen die Osteuropäer erzielt Roger Milla. Der 38-Jährige trifft auch im Achtelfinal gegen Kolumbien doppelt – eines seiner Tore gehört zu den berühmtesten WM-Toren überhaupt. Milla luchst dem extravaganten Goalie René Higuita weit ausserhalb des Strafraums den Ball ab und skort den 2:1-Siegtreffer.

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Kein Wunder, trägt Higuita den Spitznamen «El Loco» («der Verrückte»). gif: gr8footy

Seine Tore feiert Milla jeweils mit einem Tänzchen an der Eckfahne. Dieses ist bis heute legendär und schon damals ein Sinnbild für die Spielfreude der Afrikaner.

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«Makossa» nennt sich das Tänzchen, mit dem Milla seine Tore zelebriert. gif: gr8footy

Der Traum, der immer noch nicht erfüllt wurde

Erst im WM-Viertelfinal ist für Kamerun Schluss. England kommt mit Müh' und Not zu einem 3:2-Sieg nach Verlängerung. Doch der wahre Sieger, so sehen es in diesen Tagen in Italien viele, ist der afrikanische Fussball. Es werde nun nicht mehr lange gehen, bis das erste Team vom schwarzen Kontinent um den WM-Titel mitspielen könne, lautet der Tenor.

Aber dieser Traum hat sich bis heute nicht erfüllt. Weiter als Kamerun ist nie ein afrikanisches Team gekommen.

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Kamerun jubelt – 1990 absolvieren die «unbezähmbaren Löwen» ihre beste WM. Bild: Getty Images

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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