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Sorare – bei diesem NFT-Fussballmanager geht's um richtig viel Geld

Sorare, die Spielwiese für Fussballinteressierte NFT-Kenner.
Sorare, die Spielwiese für Fussballinteressierte NFT-Kenner.bild: sorare.com

Das digitale Panini-Album Sorare – dort, wo du für Haaland auch mal 600'000 Euro bezahlst

16.03.2022, 18:1617.03.2022, 18:30
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Was ist Sorare?

Sorare ist ein Fantasy-Fussballmanager-Spiel. Manager (so die Bezeichnung für teilnehmende Spieler) können ein virtuelles Team zusammenstellen, welches aus digitalen Spielerkarten besteht. Diese Spielerkarten existieren als NFTs (dazu später mehr) auf der Blockchain Ethereum und können dort erworben und gehandelt werden.

Die ganz grossen Klubs wie Bayern München haben offizielle Lizenzabkommen mit Sorare.
Die ganz grossen Klubs wie Bayern München haben offizielle Lizenzabkommen mit Sorare.bild: sorare.com
Wichtig zu wissen
Sorare gilt in der Schweiz als Glücksspiel, das hat die interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) beschlossen. Deshalb ist die Website seit Oktober 2021 auf der Schwarzen Liste. Der Zugang aus der Schweiz ist deshalb nur über ein VPN möglich.

Wer steckt dahinter?

Sorare SAS wurde 2018 in Frankreich von Nicolas Julia und Adrien Montfort gegründet. Die beiden sammelten davor zusammen Erfahrung im Blockchain-Bereich beim Tech-Startup Stratum. Schnell wurde Sorare zum populärsten Spiel im Fussball-NFT-Universum. Mittlerweile gibt es weit über 600'000 Manager aus 170 Ländern.

Nicolas Julia (links) und Adrien Montfort.
Nicolas Julia (links) und Adrien Montfort.bild: sorare

Im September 2021 verkündete Sorare, dass in einer neuen Finanzierungsrunde durch die japanische Softbank Group (Telekommunikation) weitere 580 Millionen Euro investiert wurden. Der Wert von Sorare beläuft sich mittlerweile auf rund 3,7 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt in Paris und New York rund 200 Mitarbeiter.

Was hat es mit den Karten auf sich?

Die Spielerkarten sind lizenzierte, digitale Sammlerstücke, sogenannte NFTs – nicht-fungible Token. Die Karten haben deshalb eine nachweisbare Seltenheit – sie sind also einzigartige Dateien und im persönlichen Besitz der Manager.

Der «Super-Rare»-Version von Renato Steffen aus der Saison 2021/22.
Der «Super-Rare»-Version von Renato Steffen aus der Saison 2021/22. screenshot: sorare.com

Die Existenz und Transaktionshistorie der Karten werden transparent auf der Ethereum-Blockchain gespeichert. Dadurch können die Karten nicht verändert werden und sind fälschungssicher.

Was sind NFTs?
NFT steht für «Non-fungible tokens» – Münzen einer Blockchain. Im Gegensatz zu Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH), von denen auch Bruchteile existieren können, sind NF-Tokens unteilbar – und, auch das ist anders als bei BTC und ETH, sie sind einzigartig. Beim sogenannten «minting», der Prägung, werden NFTs mit Daten versehen. Diese sind danach untrennbar mit dem Token verschweisst.

Bei den als Kunst oder Teile einer Kollektion gehandelten NFTs handelt es sich bei diesen Daten mehrheitlich um Links auf die eigentlichen Werkträger (Jpgs oder Mp3s). Die viel umfangreicheren Bild- oder Musikdaten auf einen Token zu minten, würde sowohl die Prägung wie auch den späteren Handel um ein Vielfaches verteuern. Nur ganz wenige Projekte tun das.

Doch die Adressen-Methode ist nicht unproblematisch. Werden die eigentlichen Bild- oder Musikdaten auf einem simplen Server (zum Beispiel von Google oder Amazon) gelagert und dieser geht vom Netz, führt der Link des NFTs ins Leere. Der Besitzer ist gelackmeiert, der Sinn der komplizierten NFT-Übung mit einer dezentralen Blockchain ist dahin. Deshalb müssen auch die Daten dezentral gelagert werden. Eine Möglichkeit bietet das IPFS-Speichersystem (InterPlanetary File System). Es verfügt über keinen Single-Point-of-Failure. Auch Wikipedia greift darauf zurück. Für NFT-Projekte ist IPFS ein Indiz für Seriosität.

Wie ist die Karte aufgebaut?

Spielerkarten gibt es in fünf verschiedenen Kategorien. Die Starterkarten «Common» können nicht gehandelt werden, sie sind unlimitiert und für das Spiel kaum nützlich. Zu erwerben gibt es Spieler der vier weiteren Seltenheitstypen «Limited» (davon gibt es pro Fussballer 1000 Stück), «Rare» (100), «Super Rare» (10) und «Unique» (1).

Auf den Karten sind noch weitere Informationen vermerkt, wie zum Beispiel die Seriennummer, die Saison, aus der die Karte stammt (es gibt jede Saison neue Spielerkarten), das Alter, die Position und die Nation des Spielers.

Eine der 100 Rare-Karten von Nico Elvedi aus der Saison 2021/22.
Eine der 100 Rare-Karten von Nico Elvedi aus der Saison 2021/22. bild: sorare.com

Unterhalb der Spielerkarte sind zudem die durchschnittlichen Leistungspunkte der vergangenen fünf Partien, der kumulierte Punktebonus und ein allfälliger U23-Badge (zur Teilnahme an Unter-23-Turnieren) aufgelistet.

Neben den üblichen Karten gibt es auch Sonderkarten für «Spieler des Jahres» oder «Legenden des Weltfussballs».

Wie teuer sind die Karten?

Das ist sehr unterschiedlich. Die bisher teuerste Spielerkarte war die «Unique»-Karte von Erling Haaland, die im Januar für umgerechnet 620'000 Franken verkauft wurde. Diese Karte wird derzeit für 1,2 Millionen Franken angeboten.

Bild

Die weniger seltenen Limited-Karten gibt es bereits ab dem einstelligen Euro-Bereich. Je nach Seltenheit und Potenzial des Spielers variieren die Preise stark. Der 38-jährige Sion-Stürmer Guillaume Hoarau ist zum Beispiel für einen Euro zu haben.

Wie funktioniert das Spiel?

Die Spielerkarten sind nicht nur Wertanlagen, sie können von den Managern auch eingesetzt werden. Die Manager stellen für jeden Spieltag ihre virtuellen Teams aus jeweils fünf Spielern, die sich in ihrer Kartensammlung befinden, zusammen. Benötigt werden je ein Torhüter, Verteidiger, Mittelfeldspieler und Angreifer, dazu kann man einen beliebigen weiteren Feldspieler aufstellen. Jeweils vor dem Spieltag kann der Manager seine Aufstellung festlegen.

Eine mögliche Aufstellung aus «Common»-Karten für den bevorstehenden Spieltag.
Eine mögliche Aufstellung aus «Common»-Karten für den bevorstehenden Spieltag.screenshot: sorare.com

Was ist ein Spieltag?

Mit dem Fantasy-Team kann man an den Spieltagen, den sogenannten Gameweeks, teilnehmen und dort um Preise kämpfen. Je mehr Spieler an den Spieltagen teilnehmen, desto höher fallen die Preise aus.

Es gibt verschiedene Spielklassen. Je nachdem welche Seltenheitsstufen die Spieler haben, können sich die Manager für entsprechende Turniere anmelden. In den einzelnen Spielklassen gibt es unterschiedliche Turniere, die zum Beispiel nach Ligazugehörigkeit oder Alter der Spieler unterteilt sind. Je nach Turnier gibt es andere Voraussetzungen, um teilzunehmen.

Das Turnier für die Anfänger: 5 Karten der Seltenheit «Common» reichen, um teilzunehmen.
Das Turnier für die Anfänger: 5 Karten der Seltenheit «Common» reichen, um teilzunehmen.screenshot: sorare.com

Wofür gibt es Punkte?

Punkte gibt es für die Leistungen der Spieler in den realen Spielen. Massgebend sind Tore, Vorlagen, Spiele zu null, aber auch andere Statistiken wie die Passquote oder das Kreieren von Torchancen. Dadurch erhalten die Spieler ein gewisses Rating. Für diese Bewertungen arbeitet Sorare mit dem britischen Sportanalyse-Unternehmen Opta Sports zusammen. Die Zusammensetzung der Punkte ist ziemlich komplex, hier gibt's eine ausführliche Übersicht.

So setzen sich die Punkte zusammen:

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Shaqiri Sorare
Xherdan Shaqiri holte im letzten Spiel 45.9 Punkte. So haben sich diese zusammengesetzt.
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Ebenfalls wichtig für die Spielerbewertungen sind Boni aus Erfahrungspunkten (EP), dem Seltenheitslevel und dem Ausgabezeitpunkt der Karte. Zudem erhält der zum Captain bestimmte Spieler einen Extrabonus.

Die Berechnung der Punkte:

  • Leistung des Spielers
  • Seltenheitslevel (Super Rare: +20%, Unique: +45%)
  • EP/Kartenlevel (0-10%)
  • Ausgabe-Zeitpunkt der Karte (aktuelle Karten: +5%)
  • Kapitänsbinde (+20%)
Die Punkte (links) sowie der Bonus durch Seltenheitslevel, EP und Kapitänsbinde.
Die Punkte (links) sowie der Bonus durch Seltenheitslevel, EP und Kapitänsbinde.screenshot: sorare.com
Erfahrungspunkte
Spielerkarten erhalten Erfahrungspunkte für ihre Einsatzzeiten. Ihr Kartenlevel steigt also, je öfter die Spieler aufgestellt werden. Insgesamt gibt es 20 Levels, mit jedem erhöht sich der Punktebonus um 0,5 %.

Wie kann man Karten kaufen?

Dazu gibt es drei Möglichkeiten.

  1. Neue Kartenauktionen
    Diese Karten wurden von Sorare frisch erschaffen (gemintet). Diese Karten werden versteigert. Wer die Karte ersteigert, ist ihr Erstbesitzer.
  2. Managerverkäufe
    Dies ist der Transfermarkt, wo sich Manager ihre Karten gegenseitig anbieten und verkaufen können.
  3. Handel- und Tauschgeschäfte
    Man kann Managern auf deren Benutzerseite individuelle Tauschangebote unterbreiten. Man kann sowohl eigene Spielerkarten als auch ETH für einen Tausch anbieten.
Ein Blick auf die neuen Kartenauktionen.
Ein Blick auf die neuen Kartenauktionen.screenshot: sorare.com

Was gibt es zu gewinnen?

Zu gewinnen gibt es an den Spieltagen hauptsächlich neue Spielerkarten, Manager auf den vorderen Rängen erhalten zusätzlich ein Preisgeld in Ethereums Kryptowährung ETH. Dazu erhalten die Manager, wenn ihre Mannschaften eine Mindestanzahl an Punkten erreichen, ebenfalls ETH als Belohnung.

Viele Manager spekulieren aber nicht bloss auf Gewinne an Turnieren, sondern auch auf die Wertsteigerung ihrer Karten. Sie suchen talentierte Spieler, die dann durchstarten, damit sie die Spielerkarten mit Gewinn weiterverkaufen können.

Beispiel Christopher Nkunku:
Der Franzose spielt bei RB Leipzig eine grossartige Saison. Der Preis seiner Limited-Karten lag im Oktober 2021 bei rund 250 Euro. Ende November 2021 wurden diese Karten für über 900 Euro versteigert.

Es geht natürlich auch in die andere Richtung. Wenn Spieler enttäuschende Saisons haben oder sich verletzten, sackt der Preis in den Keller.

Beispiel Florian Wirtz:
Der 18-jährige Wirtz zeigte bei Leverkusen eine gute Saison. Der Preis seiner Rare-Karten stieg von rund 400 Euro im September auf rund 1800 Euro im Februar. Nachdem er sich Mitte März das Kreuzband gerissen hatte, sank sein Wert wieder auf rund 500 Euro.

Die Preisentwicklung der Rare-Karten von Florian Wirtz in dieser Saison.
Die Preisentwicklung der Rare-Karten von Florian Wirtz in dieser Saison. screenshot: soraredata.com

Wer unterstützt Sorare?

Sorare hat offizielle Lizenzvereinbarungen mit 228 Klubs aus 39 verschiedenen Ligen, insgesamt gibt es 6000 verschiedene Spielerkarten. Zu den Ligen gehören unter anderem die deutsche Bundesliga, die spanische LaLiga, die französische Ligue 1 und die italienische Serie A.

Bald soll auch die Premier League offiziell verfügbar sein. Die NFT-Rechte der Premier League sollen für eine halbe Milliarde Franken an Sorare verkauft werden.

Auch die Schweizer Super League ist bereits lizenziert, allerdings ist der bisher einzige Klub, der mitmacht, der FC Sion.

Die Sion-Spieler auf dem Transfermarkt: Die Preise variieren je nach Seltenheit.
Die Sion-Spieler auf dem Transfermarkt: Die Preise variieren je nach Seltenheit.screenshot: sorare.com

Neben den zahlreichen offiziellen Lizenzen hat Sorare viele bekannte Persönlichkeiten, die das Start-up unterstützen. Zu den Investoren zählt Reddit-Mitbegründer Alexis Ohanian oder der bekannte Multiunternehmer Gary Vaynerchuk. Ebenfalls mitinvestiert haben Sportgrössen wie Antoine Griezmann, Gerard Piqué, André Schürrle, Rio Ferdinand, Oliver Bierhoff oder Serena Williams.

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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urwald
16.03.2022 19:29registriert August 2014
Der Spruch "Da habe ich mein Geld schon dümmer ausgegeben" wäre hier wohl nicht zutreffend.
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maylander
16.03.2022 19:18registriert September 2018
Oh ein Pyramidensystem mit künstlicher Verknappung.
Wie innovativ und disruptiv.
491
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Zum Kommentar
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SeboZh
16.03.2022 19:20registriert Dezember 2017
Wer Geld in nfts investiert hat entweder viel zu viel Geld oder sehr wenig Ahnung. Bin gespannt ob jemals ein Nft Projekt kommt das nicht nach scam schreit
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