Sport
WM-Qualifikation

Schertenleib trägt die Nati in der WM-Quali – Trainer Navarro warnt aber

Switzerland's Aurelie Csillag, center, celebrates her goal after scoring the 1:0 during the FIFA 2027 Women's World Cup League B - Group B2 qualifying soccer match between Switzerland and Tu ...
Die Schweizerinnen jubeln nach dem Führungstreffer von Aurélie Csillag (2. v. l.).Bild: keystone

Schertenleib brilliert – doch der Nati-Trainer warnt: «Sie muss nicht das Land retten»

Das Schweizer Frauen-Nationalteam hat in der WM-Qualifikation den Gruppensieg vor Augen. Zufrieden ist man im Lager des SFV deswegen aber noch lange nicht. Insbesondere der Trainer legt den Finger in die Wunden.
15.04.2026, 10:3915.04.2026, 10:39

Einfache Abspielfehler, falsche Entscheide im letzten Drittel, schwache Restverteidigung: Die erste Halbzeit der Partie gegen die Türkei verlief nicht nach dem Gusto von Rafel Navarro. «Nein, mit der ersten Halbzeit war ich nicht zufrieden», sagte der Trainer nach der Partie. Nicht nur die Defensive habe Fehler begangen, auch die Offensivspielerinnen hätten zu viele Bälle verloren.

Während Doppeltorschützin Aurélie Csillag sagte, der Trainer habe in der Pause auf den Tisch gehauen und sei lauter geworden, betonte dieser, er habe versucht, positiv zu bleiben. Schliesslich hätten alle gewusst, dass es schlechte 45 Minuten gewesen seien.

Schertenleibs Leaderqualitäten

So oder so: Navarro hat augenscheinlich den richtigen Ton getroffen. Im zweiten Durchgang ging ein Ruck durch das Team. Sinnbildlich dafür waren die Auftritte von Iman Beney, Aurélie Csillag und Sydney Schertenleib. Beney legte den Führungstreffer mustergültig vor, Csillag traf erstmals im Nati-Dress doppelt, Schertenleib glänzte als Spielmacherin und Antreiberin im Mittelfeld. Letztere wurde vom Trainer kurzerhand zur «Spielerin des Spiels» gewählt. «Sie will dem Team helfen, eine Leaderin sein. Heute war sie eine Leaderin.»

Schertenleib ist eine Spielerin, die wie gemacht ist für den Fussball, den Navarro spielen lassen will. Sie ist technisch versiert und hat eine hohe Spielintelligenz. Attribute, die sie in Barcelona, beim derzeit wohl besten Team Europas, viele Spielminuten sammeln lässt. «Im Verein habe ich eine andere Rolle als in der Nati, wo ich führen kann», sagt Schertenleib, die trotz ihrer erst 19 Jahre vorangeht.

Switzerland's Sydney Schertenleib, center, fights for the ball with Turkey's Basak Icinoezbebek, right, during the FIFA 2027 Women's World Cup League B - Group B2 qualifying soccer matc ...
Schertenleib wurde von Nati-Trainer Navarro zur «Spielerin des Spiels» gewählt.Bild: keystone

Unter Navarro, mit dem sie schon in Barcelona zusammengearbeitet hat, blüht sie auf. Der 40-Jährige soll den Rohdiamanten schleifen, auch wenn er betont, dass Schertenleib «nicht die einzige talentierte Spielerin» in seinem Team sei, er nicht um sie herum eine Mannschaft aufbaue. «Sie muss nicht das Land oder das Team retten, sie ist noch jung und hat noch viel Zeit», betont er.

Navarros Fingerzeig

Dass die Schweiz über ein Team mit zahlreichen Talenten verfügt, ist unbestritten. Zu was die Auswahl fähig ist, zeigte sie am Dienstag in Ansätzen, etwa beim ersten Treffer. Nun gilt es, Konstanz in die Leistungen zu bringen. Navarro sieht sein Team diesbezüglich auf dem richtigen Weg. «Die zweite Halbzeit war besser, wir waren das Team, das gewinnen wollte», weshalb er mit der Leistung in den zweiten 45 Minuten zufrieden sei. «Manchmal ist es so, dass du gut startest und schlecht abschliesst, das lässt dich mit einem schlechteren Gefühl zurück.» Dieses Mal sei es anders gewesen, was ihn positiv stimme.

Switzerland's head coach Rafel Navarro speaks during the FIFA 2027 Women's World Cup League B - Group B2 qualifying soccer match between Switzerland and Turkey, on Tuesday, April 14, 2026, a ...
Trainer Rafel Navarro unterstützte aktiv an der Seitenlinie.Bild: keystone

Doch Navarro wäre nicht Navarro, wenn er trotz drei Siegen aus drei Spielen in der WM-Qualifikation vollends zufrieden wäre. «Wir spielen von Tag zu Tag besser. Aber wir können es noch besser.»

Eine weitere Chance, ihren Trainer zufriedenzustellen, bietet sich den Schweizerinnen bereits am Samstag. In Sinop kann die SFV-Auswahl mit einem weiteren Sieg gegen die Türkei und je nach Ausgang in der Partie zwischen Malta und Nordirland bereits den Gruppensieg klar machen, der den Weg an die Endrunde in Brasilien zumindest in der ersten Playoff-Runde erleichtern würde.

Klar ist, dass Navarro den Finger bis dahin in die Wunden legen wird. Schliesslich will er sich die Laune nicht verderben lassen. Weder von einfachen Abspielfehlern, noch von falschen Entscheiden im letzten Drittel oder einer schwachen Restverteidigung. (car/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Rekordspielerinnen der Schweizer Nationalmannschaft
1 / 21
Die Rekordspielerinnen der Schweizer Nationalmannschaft

1972 trug die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft der Frauen gegen Frankreich ihr erstes Spiel aus. Diese Akteurinnen liefen 70 Mal oder öfter für die Schweiz auf. [Stand: 14. April 2026]

quelle: keystone / salvatore di nolfi
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie gut kennt die Frauen-Nati die Schweiz?
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
Gerüchte und kaum Spielzeit: Das beschäftigt die Schweizerinnen vor WM-Quali-Spielen
In der WM-Qualifikation stehen für die Schweizerinnen zwei Spiele gegen die Türkei im Kampf um den Gruppensieg an. Reuteler, Wälti und Peng beschäftigen derzeit aber auch andere Themen.
Am Dienstag (19 Uhr) wollen die Schweizer Fussballerinnen gegen die Türkei im Zürcher Letzigrund einen grossen Schritt zum Gruppensieg machen. Doch viele Nati-Spielerinnen bringen Herausforderungen aus ihren Klubs mit.
Zur Story