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Rassismus

New Yorks Polizisten stellen kaum noch Strafzettel aus

Sehen häufiger weg: Polizisten in New York.
Sehen häufiger weg: Polizisten in New York.Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA
Protest gegen Bürgermeister:

New Yorks Polizisten stellen kaum noch Strafzettel aus

Sie machen nur noch Dienst nach Vorschrift: Seit dem Mord an zwei Polizisten verteilen New Yorks Cops 90 Prozent weniger Strafzettel und nehmen deutlich weniger Menschen fest. Es ist ein weiterer Schachzug im «Kalten Krieg» gegen den Bürgermeister.
06.01.2015, 04:4006.01.2015, 05:59
Ein Artikel von
Spiegel Online

In New York geht die Zahl der Festnahmen und Strafzettel auffallend zurück. Seit dem 20. Dezember, dem Tag, an dem ein 28-Jähriger zwei Polizisten erschossen hat, wurden in der Stadt 90 Prozent weniger Strafzettel ausgestellt als im Vorjahreszeitraum. In der Woche vom 29. Dezember bis zum 4. Januar nahmen New Yorks Polizisten 2401 Menschen fest - im Vorjahr hatte es in der vergleichbaren Woche 5448 Festnahmen gegeben. Wegen kleinerer Vergehen und Ordnungswidrigkeiten werde in New York so gut wie niemand mehr festgehalten, schreibt die «New York Times».

Die Polizei erklärte die Zahlen zunächst damit, dass die Polizisten um ihre ermordeten Kollegen trauern würden. Ausserdem würden die vielen Demonstrationen gegen Polizeigewalt in der Stadt für sie zusätzliche Einsätze bedeuten. Tatsächlich drängt sich eine andere Erklärung auf: Die Polizisten wollen mit der Arbeitsverweigerung Bürgermeister Bill de Blasio unter Druck setzen.

Zwischen dem Bürgermeister und den fast 50'000 Cops des New York Police Department (NYPD) herrscht seit Wochen «Kalter Krieg», wie die «Daily News» es nannte: Abertausende New Yorker Cops geben ihrem politischen Dienstherren indirekt die Mitschuld an der Ermordung ihrer Kollegen Wenjian Liu und Rafael Ramos durch einen schwarzen Amokläufer. Der Bürgermeister habe «Blut an den Händen», sagte Pat Lynch, der Chef der grössten New Yorker Polizeigewerkschaft.

De Blasio, der mit einer Afroamerikanerin verheiratet ist, hatte sich nach dem Tod von Eric Garner und Michael Brown zunächst bewusst mit den Demonstranten gegen Polizeigewalt solidarisiert. Als dann Liu und Ramos erschossen wurden, eskalierte die Situation: Der Täter hatte die Ermordung der Cops als Vergeltung für die Tötung unbewaffneter Schwarzer durch weisse Polizisten auf Instagramm und Facebook angekündigt. 

Gewerkschaftschef Lynch sagte, De Blasio habe das NYPD «den Wölfen zum Frass vorgeworfen». Der Bürgermeister und die polizeikritischen Demonstranten hätten zu Gewalttaten gegen Polizisten ermuntert.

Bei der Trauerfeier für Wenjian Liu drehten Hunderte Beamte De Blasio den Rücken zu, als dieser das Wort ergriff. Auch bei der Trauerfeier für den getöteten Cop Rafael Ramos hatten Polizisten dem Bürgermeister demonstrativ den Rücken zugewendet.

De Blasio äusserte sich nun erstmals zu der Protestaktion und nannte sie «respektlos gegenüber den Familien der Opfer». «Ich kann nicht verstehen, wie jemand so etwas in einem solchen Kontext tun kann», sagte De Blasio bei einer Pressekonferenz.

Von einer Arbeitsverweigerung der Polizisten wollte er aber nichts wissen. Der Rückgang der Festnahmen und Strafzettel beziehe sich nur auf «wenige abweichende Tage».

Auch die Polizeigewerkschaften wollen nicht von einer geplanten Aktion sprechen. Im Interview mit der «New York Times» sagte Edward D. Mullins von der «Sergeants Benevolent Association» aber auch: «Die Leute reden miteinander. Es ist ansteckend geworden.» Allerdings gehe es hier nur um nicht verhängte Geldbussen: «Das wird sich selbst korrigieren, da bin ich sicher.» Auf alle Notrufe werde reagiert.

vet/AP/Reuters

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