Unheimliche Szenen: Polizisten filmen Aufnahmeritual einer US-Studentenverbindung
Die absurden, erniedrigenden oder unmenschlichen Aufnahmerituale von Studentenverbindungen in den USA sind ein wiederkehrendes Element von Hollywood-Filmen – sei es in Komödien wie «Bad Neighbors» oder in Thrillern wie «Goat».
Wie nahe an der Realität einige dieser fiktiven Darstellungen tatsächlich sind, zeigen jetzt die Bodycam-Aufnahmen eines Polizeieinsatzes an der University of Iowa vom November 2024. Der Clip geht aktuell auf Social Media viral und hat Millionen von Aufrufen. Achtung: Die Aufnahmen können etwas verstörend wirken.
Im veröffentlichten Videomaterial, das insgesamt über zehn Minunten lang ist, sind mehrere Dutzend junge Männer mit verbundenen Augen zu sehen. Teils oben ohne, teils mit unidentifizierbaren braunen, weissen und roten Substanzen übergossen, sind sie in einem leeren, dunklen Raum im Keller des Hauses der Studentenverbindung «Alpha Delta Phi» eingesperrt.
Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei waren wegen eines Feueralarms in das Haus gerufen worden und dort auf die insgesamt 56 Studenten gestossen, die gerade dabei waren, ein Aufnahmeritual für die Verbindung zu absolvieren.
Das Video zeigt, wie die Beamten versuchen, die Situation zu begreifen und einen Verantwortlichen zu finden. «Das hört hier auf, Leute», hört man einen Beamten sagen.
Die jungen Männer bleiben jedoch stumm und regungslos in dem dunklen Kellerraum stehen. Andere anwesende Mitglieder der Studentenverbindung, die befragt werden, geben sich ahnungslos – ganz zum Missfallen der Einsatzkräfte.
Später finden die Einsatzkräfte doch noch den Präsidenten der Verbindung, welcher gesteht, dass es sich um einen Initiationsritus handle, bei welchem die Anwärter mit verbundenen Augen schikaniert würden.
Studentenverbindung suspendiert
Nach dem Vorfall wurde eine Untersuchung durchgeführt, die zum Schluss kam, dass die Studentenverbindung mit ihrer Schikane gegen die Campus-Richtlinien verstossen hatte, wie auf der Webseite der University of Iowa zu lesen ist. Sogenanntes «Hazing» (dt. Schikanierung) ist in den USA ein Straftatbestand.
In den letzten acht Jahren wurden an der Universität von Iowa vier weitere Studentenverbindungen suspendiert – teils wegen Schikanierungen und teils wegen Alkoholverstössen. Insgesamt gibt es über 40 Verbindungen, allein an dieser Uni.
Einer der anwesenden Verbindungsmänner, der den Einsatzkräften keine Auskunft geben wollte, wurde von der Polizei im November 2024 wegen Behinderung der Amtsausübung angeklagt. Die Anklage wurde später fallen gelassen.
Nationale Organisation gelobigt Unschuld
Angesichts der Suspendierung legte die nationale Geschäftsstelle der Studentenverbindung Alpha Delta Phi nach eigenen Ermittlungen Berufung gegen die Entscheidung der Universität ein und bestand darauf, dass zwei Mitglieder der Verbindung die «alleinige Verantwortung» für den Vorfall trügen, wie Press-Citizen berichtete. Die nationale Organisation schreibt in einem Statement, sie verfolge eine Nulltoleranz bei Schikanierung.
Die verantwortlichen Mitglieder seien aus der Bruderschaft ausgeschlossen worden, heisst es weiter. Ausserdem seien gründliche Anti-Schikanierungs-Schulungen zur Prävention durchgeführt worden.
