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US-Aussenminister Mike Pompeo glaubt zu wissen, wer die Tanker in Brand gesetzt hat.
US-Aussenminister Mike Pompeo glaubt zu wissen, wer die Tanker in Brand gesetzt hat.Bild: AP/AP
Analyse

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Die USA wollen den Iran mit «maximalem Druck» in die Knie zwingen. Stattdessen erhalten sie nun «maximalen Widerstand».
14.06.2019, 11:4115.06.2019, 12:14

Für die brennenden Tanker im Persischen Golf gibt es zwei vollständig konträre Erklärungen. Die eine besagt: Die Amerikaner suchen einen Vorwand, um den Iran militärisch anzugreifen.

Die Vertreter dieser These verweisen auf die Ursprünge des Vietnamkrieges. Damals hatten die Amerikaner tatsächlich einen Angriff der Nordvietnamesen auf ein Schiff im Golf von Tonkin vorgetäuscht, um Truppen nach Indochina zu schicken. Auch George W. Bush hat seinen Irakkrieg mit erfundenen Massenvernichtungswaffen legitimiert.

Drohgebärde: Kampfjets starten von der USS Abraham Lincoln.
Drohgebärde: Kampfjets starten von der USS Abraham Lincoln.Bild: EPA/US NAVY

Dass die Amerikaner diesen Trick erneut versuchen, ist möglich, jedoch wenig wahrscheinlich. Es wäre schlicht zu offensichtlich – und man sollte selbst Trump nicht unterschätzen.

Der US-Aussenminister Mike Pompeo macht denn auch die Iraner für den Angriff auf die beiden Tanker verantwortlich. Diese zweite These wird von den meisten westlichen Geheimdiensten gestützt, und es gibt dafür auch plausible Gründe:

Die brennenden Tanker befinden sich nahe der Strasse von Hormus. Das ist kein Zufall. Die knapp fünf Kilometer breite Meerenge ist das wohl wichtigste Nadelöhr des internationalen Ölhandels. Täglich werden rund 18 Millionen Fass des schwarzen Goldes durch die Strasse von Hormus geschippert. Das sind rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfes.

Brennender Öltanker vor der Strasse von Hormus.
Brennender Öltanker vor der Strasse von Hormus.Bild: AP/Iranian Students' News Agency, ISNA

Wird diese Durchfahrt gesperrt, dann hat dies gravierende Konsequenzen für die Weltwirtschaft, vor allem für den Westen. Die Strasse von Hormus grenzt an Oman und den Iran. Die Mullahs in Teheran haben damit alle Trümpfe in der Hand.

Sie könnten die Meerenge unpassierbar machen, zum Beispiel, indem sie mit Raketenangriffen ein paar Tanker versenken. Die US-Navy ist zwar im Persischen Golf sehr präsent. Ob sie einen solchen Angriff verhindern könnte, ist umstritten.

Die Iraner wollen daher den Amerikanern mit den brennenden Tankern eine eindeutige Botschaft vermitteln. Sie reagieren damit auf das Vorgehen der Amerikaner. Trump hat den von seinem Vorgänger ausgehandelten Atomsperrvertrag gekündigt. Er will nun mit äussert harten Sanktionen gegen den Iran die Mullahs dazu zwingen, ein neues Abkommen abzuschliessen.

Auf Anraten seiner Hardliner, Sicherheitsberater John Bolton und Aussenminister Pompeo, wählt Trump dabei die gleiche Vorgehensweise wie gegen Nordkorea: Zuerst drohen, dann verhandeln. Auf diese Weise hofft er, die Ayatollahs an den Verhandlungstisch zu locken.

Erste Annäherungen hat Trump dabei bereits gemacht. Es gehe ihm keineswegs um einen «regime change», einen Umsturz, versicherte er und fügte hinzu, er sei jederzeit zu Gesprächen bereit.

Bleibt knallhart: Ayatollah Ali Khamenei im Gespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe.
Bleibt knallhart: Ayatollah Ali Khamenei im Gespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Bild: EPA/Iranian supreme leader office

Doch der Iran ist nicht Nordkorea. Ayatollah Ali Khamenei nicht Kim Jong Un. Irans starker Mann hat keinen «schönen» Brief nach Washington übermittelt, und er wird es wohl auch künftig nicht tun.

Dem japanischen Premierminister Shinzo Abe, der derzeit in Teheran weilt und im Konflikt zu vermitteln sucht, erklärte er unmissverständlich: «Ich halte Trump nicht für eine Person, mit der ich Botschaften austausche. Wir werden nicht mit den Vereinigten Staaten verhandeln.»

Mit den harten Sanktionen sorgen die Amerikaner zwar für viel Leid bei der Bevölkerung. Ihr Ziel verfehlen sie jedoch bei weitem. Anstatt einen Aufstand gegen die Mullahs zu provozieren, wächst erneut die Wut gegen den «Grossen Teufel Amerika».

In Teheran entsteht eine ähnliche Stimmung wie nach dem Sturz des Schahs. «Amerika kann kein verdammtes Ding gegen uns unternehmen», triumphierte damals Revolutionsführer Ruhollah Khomeini.

Mitglieder der revolutionären Garden bei einem Manöver am Strand des Persischen Golfes.
Mitglieder der revolutionären Garden bei einem Manöver am Strand des Persischen Golfes.Bild: AP/Tasnim News Agency

Trumps Rechnung ist nicht aufgegangen. Mit der Kündigung des Atomsperrvertrages hat er auch seine Verbündeten, Deutschland und Frankreich, verärgert. Mit seinen Sanktionen stärkt er die Hardliner in Teheran. Gleichzeitig bringt er sich selbst in Zugzwang.

Als Zeichen seiner militärischen Potenz hat er den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln in den Persischen Golf beordert und die Truppen in der Gegend um 1500 Mann aufgestockt.

Diese Kriegsspiele erhöhen die Gefahr einer militärischen Konfrontation erheblich. Die ehemalige CIA-Analystin Helima Croft erklärt in der «Financial Times»: «Das ist genau die Art von Zwischenfällen, vor denen wir gewarnt haben, und die die Region an den Rand eines Krieges bringen können.»

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Trump will ein Politikwechsel im Iran

Video: srf

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61 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Butzdi
14.06.2019 12:09registriert April 2016
‚Dass die Amerikaner diesen Trick erneut versuchen, ist möglich, jedoch wenig wahrscheinlich. Es wäre schlicht zu offensichtlich – und man sollte selbst Trump nicht unterschätzen.‘
Wirklich? Meinen Sie wirklich dass Trump sich um die Optik kümmert ob die Aktion Golf von Tonkin-mässig aussieht? Er verübt seine Verbrechen im grellen Tageslicht, brüskiert und hintergeht seine Partner, bricht Verträge, kuschelt mit Despoten und lügt, dass sich die Balken biegen.
Ob er den Auftrag für eine Black Ops gab, der Mossad oder die Saudis das für ihn erledigten spielt keine Rolle. False Flag. Punkt.
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tzhkuda7
14.06.2019 12:07registriert Juni 2015
Wieso sollte der Iran das tun? Seine eigenen Öllieferungen in den Osten (Asien) stehen damit auf dem Spiel, eine der letzten Unabhängigen Finanzeinnahmen.

Meines Wissens besitzt der Iran keine Pipelines die in den Osten münden
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derWolf
14.06.2019 12:53registriert Dezember 2018
Müssen wir diesen erneut tendenziösen Bericht ernst nehmen? Ausser den Trump Wählern glaubt kein Mensch daran dass der Iran dem Gegner solche Propagandaperlen zuspielt. Wir warten bis die Flotte da ist, herrlich. Dann ein Bild von einem Boot bei Nacht das gar nix aussagt. Weder Zeit noch Ort der Entstehung sind bekannt. Dank Journalisten wie Ihnen kommt es auch jetzt wieder soweit, dass in ca. 1-2 Wochen die Zweifel negiert werden und der Iran zweifelsohne einen Krieg verdient. Powell war damals auch froh das er sich auf solche Artikel verlassen konnte. Der Mensch vergisst schnell, zu schnell.
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Grossbritannien – oder wie man ein Land nicht regieren sollte
Die britische Premierministerin Liz Truss hat ihr Land innert Wochen an den Rand des finanziellen Zusammenbruchs geführt.

Ja, ich weiss, Schadenfreude ist eine moralisch verwerfliche Gefühlsregung, aber wer kann sich dieses Gefühls erwehren, wenn er beobachtet, was derzeit auf der britischen Insel abgeht? Die Konservativen, die unter dem Hochstapler Boris Johnson vor rund drei Jahren einen Erdrutschsieg eingefahren haben, die versprochen haben, dank des Brexits die ehemalige Weltmacht zu neuer Blüte zu führen und Europa den Mittelfinger gezeigt haben; diese Konservativen liegen gemäss jüngsten Umfragen 33 Prozentpunkte hinter der Labour Partei; und Premierministerin Liz Truss, erst seit ein paar Wochen im Amt, muss bereits befürchten, wieder aus der Downing Street 10 verjagt zu werden. Ein bisschen Schadenfreude ist da angesagt, oder nicht?

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