Wirtschaft
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Bild: watson/shutterstock

Analyse

Coronakrise: Haben wir bald zu wenig zu essen?

Die Coronakrise wird zu einer Herausforderung für die Landwirtschaft. Brauchen wir mehr offene Märkte?



Der «Economist» gilt als weltweit führendes Wirtschaftsmagazin. Walter Bagehot gründete es 1843, um damit gegen die «corn laws» anzukämpfen, protektionistische Gesetze, die den Import von billigem Getreide auf die britische Insel verhindern sollten.

Dieser liberalen Tradition ist das Blatt bis heute treu geblieben. In der jüngsten Ausgabe ist unter dem Titel «The food miracle» eine wahre Eulogie auf den freien Handel mit Lebensmitteln zu lesen. Konkret heisst es:

«Die Versorgungskette hinter dem iPhone oder der Autoherstellung sind Wunder der Koordination. Aber der nicht gefeierte Held der Logistik im 21. Jahrhundert ist das globale System der Lebensmittelversorgung. […] Der Export von Lebensmitteln hat sich in den letzten 30 Jahren versechsfacht. Vier von fünf Menschen ernähren sich teilweise von Kalorien, die in einem anderen Land produziert worden sind.»

Wer die Werbung unserer Grossverteiler sieht, erhält den Eindruck, dass unsere Nahrung vom Bauern um die Ecke produziert wird. «Von der Region für die Region», posaunt etwa die Migros stolz heraus. Die Realität ist leider eine andere. Nochmals der «Economist»:

«Obwohl Bauernhöfe ihrer Natur gemäss lokal sind, ist der Rest der Nahrungsmittelindustrie global. Saatgut, Dünger, Maschinen und Treibstoff, alles Dinge, welche die Bauern benötigen, kommen oft von weit weg.»

Riesige Agrarkonzerne wie ADM, Bunge and Cargill, Louis Dreyfus und Olam International kontrollieren die globalen Versorgungsketten zusammen mit Reedereien wie Maersk. Das Resultat bringt der «Economist» wie folgt auf den Punkt: «Getreide aus der Ukraine wird in der Türkei gemahlen und endet als chinesische Nudeln.»

Für den «Economist» ist diese globale Versorgungskette alternativlos. Okay, die Monopolisierung mag in einzelnen Bereichen zu weit fortgeschritten sein. Doch grundsätzlich haben wir wegen dieser ausgeklügelten Maschinerie trotz Coronakrise genügend Essen auf dem Tisch. Deshalb darf diese Versorgungskette auf keinen Fall durch staatliche Eingriffe gestört werden, gerade in Krisenzeiten nicht. Nochmals der «Economist»:

«Die Regierungen müssen die Nerven behalten und das weltweite Nahrungssystem offen behalten. Das bedeutet, dass man die Güter ohne Behinderung die Grenzen passieren lässt, dass man Migranten Visa erteilt und sie Gesundheitschecks unterzieht, und dass man den Armen Cash verteilt, nicht gehortete Lebensmittel.»

So wie der «Economist» argumentiert die überwiegende Mehrheit der Ökonomen. Freihandel mag einzelne bedauernswerte Opfer erfordern – so die These des komparativen Vorteils, des Heiligen Grals der Zunft –, doch die Menschheit als Ganzes profitiert mächtig davon.

epa07923599 An aerial photo from a drone shows corn being harvested near Milton, Wisconsin, USA, 15 October 2019. According to reports farmer have been hampered by weather all season causing delays in getting into fields by up to 20 days over previous years.  EPA/TANNEN MAURY

Typisch für industrielle Landwirtschaft: Maisfelder im US-Bundesstaat Wisconsin. Bild: EPA

Das gilt auch hierzulande. Avenir Suisse, die Denkfabrik der Wirtschaft, hat gefühlt Dutzende von Studien erstellen lassen, in denen unsere Bauern aufgefordert werden, sich endlich dem internationalen Wettbewerb zu stellen. Auch beim gefühlten tausendsten Anlauf, mit den USA ein Freihandelsabkommen abzuschliessen, werden die Bauern beschworen, endlich ihren Widerstand gegen T-Bone-Steaks und Gen-Mais aufzugeben.

Sind die Bauern zu egoistisch, zu eigensinnig oder einfach zu dumm, dass sie sich nach wie vor energisch gegen offene Grenzen in der Agrarwirtschaft wehren? Nein, sagt Mathias Binswanger, einer der führenden Schweizer Ökonomen. In seinem soeben veröffentlichten Büchlein «Mehr Wohlstand durch weniger Agrar-Freihandel» plädiert er vehement dagegen, bedingungslos die Grenzen für Nahrungsmittel zu öffnen.

Binswanger Mathias

Wehrt sich für die Bauern: Mathias Binswanger.

Um klarzustellen: Binswanger stellt dabei die Segnungen des freien Handels nicht grundsätzlich in Frage. Er hält ihn bloss für die Landwirtschaft für fehl am Platz.

Rund 10'000 Bauern demonstrieren auf dem Bundesplatz gegen geplante Sparmassnahmen am Freitag, 27. November 2015 in Bern. 10 Jahre nach der letzten grossen Kundgebung ruft der Schweizer Bauernverband die Bauern wieder dazu auf, sich mit einer Demo in Bern zu wehren. Anlass ist die vom Bundesrat angekuendigte Kuerzung des landwirtschaftlichen Zahlungsrahmens 2018 bis 2021 in der Hoehe von rund 800 Millionen Franken. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Bauern demonstrieren auf dem Bundesplatz in Bern. Bild: KEYSTONE

Die Preise für Rohmilch, Weizen und andere landwirtschaftliche Produkte sind seit 1990 um etwa 30 Prozent gesunken. Der Konsument merkt davon nichts, weil im Supermarkt die Preise für diese Produkte um rund 15 Prozent gestiegen sind. Binswanger stellt daher fest:

«Die Wertschöpfung hat sich immer vom Bauernhof weg verlagert, hin zur Verarbeitung und noch mehr zum Handel.»

Dabei ist es nicht so, dass die Bauern sich nicht anstrengen würden. Im Gegenteil:

«Tatsächlich werden die Schweizer Bauern immer produktiver, aber ihre Einkommen steigen dadurch nicht an, weil diese Produktionserhöhungen in erster Linie zu Preissenkungen führen.»

Grund für das Elend der Bauern ist die Tatsache, dass sie in einer fatalen Tretmühle stecken. Weil sie nur einen kleinen Teil ihrer Produkte direkt an die Konsumenten verkaufen, sind sie auf Grossverteiler angewiesen. Sie können sich von anderen Bauern nur dadurch abheben, dass sie mehr produzieren. Dies führt zu einem Verdrängungswettbewerb, bei dem immer weniger Bauern immer mehr produzieren.

Bauern können zwar mehr produzieren, Konsumenten jedoch nur sehr beschränkt mehr essen. Die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten ist daher, wie es in der Ökonomensprache heisst, unelastisch. Das Resultat bringt Binswanger wie folgt auf den Punkt:

«Es sinken in erster Linie die Preise, während die nachgefragte Menge kaum zunimmt.»

Ausser ein paar wenigen Ländern wie Neuseeland profitiert kein entwickeltes Land vom Freihandel. Im Gegenteil: Alle versuchen, mit Subventionen ihre Bauern mehr schlecht als recht über Wasser zu halten. Die Folgen sind in den Augen von Binswanger «schizophren»:

«Dank verfehlter Förderungsmassnahmen überschwemmen die Landwirte dieser Industrieländer somit den Weltmarkt mit ihren verbilligten landwirtschaftlichen Erzeugnissen, deren Preise die Produktionskosten häufig gar nicht gedeckt haben.»

Noch verheerender wirkt sich diese schizophrene Landwirtschaftspolitik auf die Entwicklungsländer aus. Afrika ist der Kontinent mit dem grössten Agrarpotential. Trotzdem wird derzeit rund ein Viertel der Lebensmittel importiert. Und dies, obwohl in einem Land wie Kenia rund 80 Prozent der Bevölkerung nach wie vor Kleinbauern sind.

Wie ist dies möglich? Deutschland beispielsweise exportiert nicht nur VWs und BMWs, sondern auch rund die Hälfte seiner hoch subventionierten Milch. Dabei werden die einheimische Natur zerstört, die Tiere gequält – und die afrikanischen Kleinbauern werden an die Wand geklatscht.

Mais-Forschung in Thika, Kenia.

Bio-Bauern in Kenia.

Anstatt für den heimischen Markt müssen die afrikanischen Bauern ihrerseits für den Export produzieren. Sie werden gezwungen, auf Dinge wie Kaffee- und Kakaobohnen auszuweichen, Dinge, die sie selber kaum konsumieren und die sie den Launen des internationalen Rohstoffmarktes und der Agrarmultis aussetzen. Das traurige Fazit:

«Wie auch in den Industrieländern sind die Bauern meistens die Verlierer des Freihandels.»

Natürlich ist eine totale Ernährungssicherheit eine Illusion. Gerade ein gebirgiges Land wie die Schweiz ist auf den Import angewiesen, und Bananen wachsen selbst in der Sonnenstube Tessin nicht. Doch die aktuelle industrielle Landwirtschaft ist nicht nur eine ökologische Katastrophe. Sie hält die Bauern in einer fatalen Tretmühle gefangen und ist damit Dynamit für die soziale Lage in den Entwicklungsländern.

Gefragt ist daher kein Wildwuchs eines Freihandels, sondern ein fairer Handel in geordneten Bahnen. «In der Landwirtschaftspolitik sollten deshalb auch Überlegungen angestellt werden, wie die Bauern wieder verstärkt an der Wertschöpfung in der Lebensmittelproduktion partizipieren können», stellt Binswanger fest.

Für Laien scheint dies einleuchtend. Bis die Mehrheit der Ökonomen zu dieser Einsicht gelangen wird, dürfte es indes noch dauern. Das nächste Traktat von Avenir Suisse, das mehr Freihandel für die Agrarwirtschaft fordert, kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.

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66Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 12.05.2020 08:18
    Highlight Highlight ...
    Wir brauchen also keinen "Frei"handel, sondern einen Freihandel für ökologisch und sozial NACHHALTIGE Lebensmittel!
    Zölle, die aufgrund von Qualitätsanforderungen erhoben werden, sind dabei weder diskriminierend, noch abschottend, sondern sie sorgen dafür, dass die Lebensmittel realistische Preise erhalten, die ihrem WERT gerecht werden, und dass die teuren Folgekosten der agroindustriellen Monokulturen und
    -Massentierhaltungen nicht mehr -so wie bisher- auf die Allgemeinheit abgewälzt werden können.

    Mehr Protektionismus für Qualität!
    Weniger nationalistischer "Wettbewerb nach unten"!
  • rodolofo 12.05.2020 08:12
    Highlight Highlight Wären die Subventionen auf ökologische Landwirtschaft fokussieren und auf kleine und mittlere Betriebe, würde einerseits die Biodiversität erhalten und gefördert und andererseits das Überschuss-Problem verschwinden.
    Die geringere Produktion könnte dadurch kompensiert werden, dass die Leute weniger fortschmeissen, also (modern gesagt) "ihren Foodwaste-Fussabdruck reduzieren".
    Damit kein Einkaufstourismus und kein Auffüllen der Regale mit billigem "Junk-Food" aus dem Ausland passieren kann, müssen die gleich hohen Ökostandards für Lebensmittel aus dem Inland auch für das Ausland gelten!
    ...
  • rodolofo 12.05.2020 08:07
    Highlight Highlight Die Überschuss-Produktion in Europa ergibt sich aus einer Subventionierungspolitik, die von Grossbauern-Interessen durchgedrückt wird und die gleichzeitig mit den Interessen des "Militärisch-Industriellen Komplexes" alliiert sind, also einer Agro-Industrie, die sehr viele Maschinen, chemische Kampfstoffe (Pstizide), Kunstdünger, Antibiotika bis hin zum gentechnisch veränderten Saatgut benötigt, in ihrem "Krieg gegen die Natur", der den Weltkriegen in Friedenszeiten folgte und "aus Schwertern Pflugscharen" machte, die nun Massen von Würmern durchschneiden.
    ...
  • Rethinking 12.05.2020 06:09
    Highlight Highlight Früher hörte ich stark auf die Ökonomen...

    Je älter (und weiser?) ich werde, höre ich stärker auf die Ökologen...
  • Avocados diaboli 11.05.2020 23:42
    Highlight Highlight Danke für den guten Artikel - finde nur den Titel absolut doof und unpassend.
  • Sebi 91 11.05.2020 23:40
    Highlight Highlight Wir Konsumenten haben scheinbar gar nichts mehr zu sagen. Lebensmittel aus China werden falsch Deklariert mit Segen aus der EU und Bern kommen diese angeblich aus Italien. Genfood wollen die uns auch unterjubeln. Am liebsten gar nichts mehr Etikettieren. Sind wir denn für die Konzerne nur noch Nutzvieh?
    • Lami23 12.05.2020 12:39
      Highlight Highlight Doch, du musst halt an Orten kaufen, denen du vertrauen kannst. Nicht beim Grossverteiler.
  • WHYNOT 11.05.2020 21:50
    Highlight Highlight Die Krise im heutigen Ausmass ist grösstenteils hausgemacht, unnötig und brandgefährlich...als ob die bisherigen Herausforderungen nicht genug wären, ein Irrsinn, welcher wohl mehr Menschenleben fordert als COVID19
  • Plöder 11.05.2020 21:36
    Highlight Highlight Finde ich eine echt schöne Zusammenstellung und Gegenüberstellung

    Danke Herr Löpfe
  • Besser Wisser 11.05.2020 21:12
    Highlight Highlight Gab es da nicht mal eine Doku «Das System Milch» welche genau das beschreibt? Das ist schon lange klar das wir mit unseren Steuern und somit Subventionen z.B. den afrikanischen Markt mit biliger Milch fluten. Somit den afrikanischen Bauern jede Lebensgrundlage rauben. Das Schlimmste daran ist, wir zerstören unsere Umwelt und bezahlen dafür auch noch. Es ist ja nicht so das die Bauern durch Subventionen mehr Geld verdienen, dies tun nur Nestle und co. Was für mich unverständlich ist, die SVP will das unsere Bauern die schweizer Umwelt für Grosskonzerne und Afrikaner zerstört.
  • crik 11.05.2020 19:37
    Highlight Highlight Ein weiteres Beispiel der starken Vernetzung: In den USA werden zur Zeit pro Woche 1 Million Mastschweine entsorgt, gleichzeitig gibt es in den Läden kein Fleisch mehr.

    Der Weg des Fleisches vom Bauer zum Konsumenten ist in der Hand einiger weniger Betriebe, welche riesige Schlachthöfe betreiben und die Transportkette kontrollieren. Zahlreiche Schlachthöfe sind geschlossen wegen Corona-Ausbrüchen, und es wäre zu teuer, die Tiere weiter zu füttern.

    Guter Artikel dazu: www.vox.com/recode/2020/5/8/21248618/coronavirus-meat-shortage-food-supply-chain-grocery-stores
  • Moudi 11.05.2020 19:30
    Highlight Highlight Falls Liefer-Ketten im lebensmittelbereich ausfallen.. Dann gute nacht..
    An die Bauern, Hobbygärtner und Balkonianer baut doch zusätzlich noch etwas mehr Kartoffeln an.
    Mich nähme es wunder wie es mit dem Pflichtlager des BWL aussieht, hoffentlich nicht wie das der Masken und Desinfektionsmittelbestände!
  • rematuusen 11.05.2020 19:24
    Highlight Highlight Solche Werbung sollte verboten sein bei euch. Ist das überhaupt legal?
    Benutzer Bild
    • SaraSera 11.05.2020 22:16
      Highlight Highlight @rematuusen: Vielen Dank für den Input. Wir klären derzeit ab, wie wir solche Werbung künftig verhindern können.
  • Patho 11.05.2020 19:08
    Highlight Highlight Jeder, der für den Freihandel zwischen der Schweiz und einem anderen Land (ausser vielleicht Norwegen) von landwirtschaftlichen Produkten ist, fördert aktiv eine Verminderung der Qualität von landwirtschaftlichen Produkten, insbesondere da, wo Tiere involviert sind! Kaum ein Land subventioniert die Bauern mehr als die Schweiz und trotzdem sind die Produkte in allen anderen produzierenden Ländern billiger, was AUSSCHLIESSLICH über eine geringere Qualität erreicht werden kann, denn eine hohe Qualität ist verdammt teuer. Aber wollen wir ernsthaft Verhältnisse wie auf EU/USA-Bauernhöfen?🙈
    • michiOW 11.05.2020 20:43
      Highlight Highlight Naja, es liegt aber auch daran, dass das Leben in der Schweiz teurer und das Gelände mühsamer ist.
    • Besser Wisser 11.05.2020 20:44
      Highlight Highlight Wir haben die Chance mit zwei Volksinitiatieven den Freihandel zu reglementieren und als Vorbild für andere Länder zu dienen.
      Eigentlich sollten Subventionen abeschafft werden, weil die Bauern kaum mehr Geld dadurch verdienen. Die einzigen welche davon profitieren das wir subventionieren und unsere Umwelt vergiften sind Nestle und co. Welche mit von unseren Steuergeldern finanzierten und somit billigen Produkten den Weltmarkt fluten. Chinesen wird zum Beispiel eingetrichtert das durch Milch ihre Kinder gross, stark und somit erfolgreich werden.
    • who cares? 11.05.2020 21:17
      Highlight Highlight Was die EU an Subventionen in die Landwirtschaft steckt, ist auch nicht zu vernachlässigen.
  • Firefly 11.05.2020 18:39
    Highlight Highlight "«Die Versorgungskette hinter dem iPhone oder der Autoherstellung sind Wunder der Koordination"

    Äh nein. Wenn uns die momentane Situation mit der Pandemie eines klar vor Augen führt dann, dass die Globalisierung, so wie sie heute implementiert ist sehr anfällig auf Ausfälle ist, da sie bestimmte Aufgaben "global" zentralisiert. In der Software-Entwicklung nennt man das einen Monolithen. Wir haben uns einen globalen Monolithen geschaffen in dem gewisse Länder und Regionen gewisse Aufgaben übernehmen. Fällt ein produzierendes Land wie China aus, sind tausende von Produkten betroffen.
    • Toerpe Zwerg 11.05.2020 20:07
      Highlight Highlight Das ist eine merkwürdig selektive Wahrnehmung. Wären die Lieferketten regional, wäre ein Totalaufall doch viel wahrscheinlicher ...
    • Firefly 12.05.2020 07:27
      Highlight Highlight @Toerpe Zwerg Habe ich etwas von nur regional gesagt? Aber redundanter sollten sie sein.
    • Firefly 12.05.2020 07:38
      Highlight Highlight Im Gegenteil sind die heutigen Lieferketten alleine aus der selektiven Wahrnehmung der niedrigsten Produktionskosten entstanden.

      Die Zukunft der Globalisierung, falls es eine solche gibt, Liegt, wie auch bei anderen komplexen, verteilten Systemen, wie dem Internet zum Beispiel, in der Redundanz und Skalierbarkeit.

      Anstatt nur an einem Standort zu produzieren muss die Produktion, vor allem von lebensnotwendigen Produkten, über mehrere Standorte überall auf der Welt verteilt sein.

      Dies hätte neben einer höheren Resilienz auch den Vorteil, dass die Welt sich gleichmässiger entwickelt.
  • Hoci 11.05.2020 18:11
    Highlight Highlight Ich kaufe direkt beim Bauern. Die Qualität ist nicht zu schlagen und zudem preiswerter. Vor allem aber frisch. Rest gibts aus dem Garten.
    Und Reis , ausländisches Zeug, oder nichtsaisonales aus dem ausgebeuteten Süden auch nicht (Erdbeeren, Apfel, Knoblauch usw.).
    • Varanasi 11.05.2020 19:41
    • Sarkasmusdetektor 12.05.2020 08:36
      Highlight Highlight Schön für dich, fühlst du dich jetzt besser? Das Problem ist, dass das an der Gesamtsituation nichts ändert. Wenn jeder versuchen würde, das so zu machen, würden die Preise explodieren und es würde trotzdem nicht für alle reichen. Eine Lösung, die nur für einige wenige Leute umsetzbar ist, bringt deshalb rein gar nichts. Es braucht Lösungen für die Welt, nicht für Einzelpersonen, die sich als etwas besseres darstellen wollen.
  • Thom Mulder 11.05.2020 17:45
    Highlight Highlight Sicher bringt der Welthandel auch ein paar Vorteile - denen die schon viel besitzen. Grundsätzlich aber ist er vor allem eines: schädlich für Mensch und Umwelt. Er führt dazu dass andernorts ressourcen geplündert werden, dass sich Menschen ohne Absicherung zu Tode schuften, dass Waren dreimal in der Welt herumgefahren werden, bevor sie beim Konsumenten ankommen. Sorgen wir erstmal dafür dass überall auf der Welt dieselben Regeln gelten, dieselben Löhne gezahlt werden - und DANN schauen wir mal welche Vorteile der Welthandel wirklich noch bringt.
    • Besser Wisser 11.05.2020 20:48
      Highlight Highlight Wir könnten auch nur Bioprodukte aus kontrollierten Produktion zur Einfuhr freigeben. Somit würden wir die Welt ein wenig besser machen.
  • Tischbein 11.05.2020 17:40
    Highlight Highlight Es ist allgemein ein Problem der politischen Kohärenz. Industrieländer subventionieren ihre Landwirtschaft, zwingen Entwicklungsländer zu Freihandel und versuchen gleichzeitig über Entwicklungshilfe die damit verursachten Probleme abzuschwächen. Das ginge billiger und effizienter...
  • Gopfidam 11.05.2020 17:25
    Highlight Highlight Wow Herr Löpfe. Chapeau und well played mit diesem Artikel. Ich arbeite selbst in der Lebensmittel Beschaffung und Versorgung. Der Artikel ist sehr nah an der Realität. Traurigerweise kommt aber kaum ein Wort über Kaffee vor. Denn dieser Rohstoff (green coffee) wird nach Öl am meisten gehandelt.
    • Moudi 11.05.2020 19:43
      Highlight Highlight Kann nur zustimmen! Beim Kaffee ist es halt ein Genussmittel.
      Eicheln eigenen sich auch als Kaffee Ersatz, auch die Zichorie (Gemeine Wegwarte) incarom.. Sollte der gute mal ausgehn😅
    • Lami23 12.05.2020 12:41
      Highlight Highlight Es würde schon helfen, wenn die Leute Kaffee (und auch z.B. Schoggi) als das sehen würden was es ist. Ein Genussmittel, dass viele Ressourcen braucht und auch entsprechend konsumiert/kosten sollte.
  • messanger 11.05.2020 17:16
    Highlight Highlight "Avenir Suisse, die Denkfabrik der Wirtschaft..."

    Avenir Suisse ist der Lobby-Arm einiger Grossunternehmen. Nicht mehr und nicht weniger.
    • Thom Mulder 11.05.2020 17:45
      Highlight Highlight Korrekt
    • HugoBalls 11.05.2020 21:16
      Highlight Highlight Yep
  • Wasmanvonhieraussehenkann 11.05.2020 16:43
    Highlight Highlight Freier Handel ist nicht mal umbedingt das (Haupt)Problem. Das liegt mMn darin, dass nicht nachhaltig produziert wird. Weltweit werden die Böden überdüngt und/oder ausgelaugt. Der Humusgehalt nimmt ab. Das Grundwasser wird mit Chemie belastet und aufgebraucht, Wälder abgeholzt.
    So kann 20-30 Jahre im grossen Stil produziert werden, was danach kommt interessiert keinen. Solange solcher Raubbau an Ökosystemen toleriert wird, führt das neoliberale Konzept vom freien Markt langfristig in eine Katastrophe.
    • Amateurschreiber 11.05.2020 16:58
      Highlight Highlight Das gilt vielleicht für die Amazonas- Region, Indonesien (Palmöl) und einzelne Afrikanische Länder. Aber gerade in Ländern wie USA, Kanada, Australien, Ukraine etc. wird seit Jahrhunderten Landwirtschaft betrieben. Trotz Intensivierung ist da kein Raubbau im Gange und bis auf weiteres kein Ernterückgang absehbar.
    • Lord_ICO 11.05.2020 17:31
      Highlight Highlight Sorry Amateurschreiber das ist einfach falsch. Unsere Böden haben nur deshalb noch einen so hohen Ertrag, weil wir sie mit Phosphor aus Marokko am Leben halten. Würden wir dies nicht tun, wären sie schon längst komplett ausgemergelt. Im den nächsten 10-20 Jahren müssen wir dringend umdenken, denn die Phosphor Bestände sind begrenzt und mit dem jetzigen Verbrauch werden wir in 100 Jahren damit am Ende sein.
    • Hoci 11.05.2020 18:18
      Highlight Highlight Nicht zu schreiben vom Saatgutmonopol. Lokale angepasste Sorten, die ohne Agrochemie auskommt, wird boykottiert und nur noch von kleinen Saatgutherstellern in immer kleineren Mengen Sorten und Mengen produziert.
      Das bedeutet, dass unsere Grossbauern GEZWUNGEN werden von (ausländischen Agroriesen Saatgut UND darauf abgestimmte Pestizide und Dünger zu kaufen.
      Wieso denkt ihr nimmt die Menge an Pestiziden in der Schweiz in den letzten Jahren so extrem zu?
      Wieso kostet Saatgut 4 Mal mehr und hat immer öfter grad Mal 10 Samen drin?
      Wieso wohl bekomme ich fast nur noch eine Sorte?
    Weitere Antworten anzeigen
  • HugiHans 11.05.2020 16:35
    Highlight Highlight Die Globalisierung bietet Chancen aber auch Gefahren. Diese werden uns aber erst in einer Krise bewusst. So zum Beispiel jetzt in der Corona-Krise in Bezug auf Medikamente und Schutzmatrial. Fehlende Produktion müsste mit entsprechenden Lagerbeständen kompensiert werden. Bei Lebensmitteln ist dies nur teilweise möglich. Darum sehe ich hier Grenzen beim unreguliertem Handel.
  • Ottomane 11.05.2020 16:32
    Highlight Highlight Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form vor rund 20 Jahren in der Weltwoche. Dort ging es um die Hühner. Da der Europäer nur noch Hühnerbrust essen will, werden die Beide und Flügel und der ganze Rest billig in Afrika verkauft. Dort sind die Preise so niedrig, dass die Hühnerfarmen dort in Konkurs gehen.

    Das Problem ist allen bekannt. aber interessieren kein Schwein
    • Toerpe Zwerg 11.05.2020 20:05
      Highlight Highlight Aber das Huhn!
    • NullAchtFünfzehn 12.05.2020 01:57
      Highlight Highlight Ja, Ottomane, lang, lange ist es her. Die Weltwoche war mal eine lesenswerte und reflektierte Zeitschrift.
    • Lami23 12.05.2020 12:43
      Highlight Highlight Ich hoffe du isst als Konsequenz auch keine mehr.
  • stadtzuercher 11.05.2020 16:08
    Highlight Highlight Gerade eine Krise wie Corona illustriert schön, wie schnell die sog. 'Versorgungssicherheit' weg ist, wenn die Mobilität eingeschränkt wird.

    Ein anderes Argument gegen 'alternativlosen Freihandel' ist im Umweltschutz und der Artenvielfalt zu finden (Der Raubbau am Regenwald in Brasilien wird etwa gerne Bolsonaro in die Schuhe geschoben, aber letzen Endes ists ja vom System bedingt). Die negativen Aspekte und die Kosten von nachteiligen Entwicklungen werden von den abgehobenen Ökonomen und neoliberalen Schnorris gerne ausgeblendet, die kann ja der Steuerzahler und der Staat berappen...
  • Sauäschnörrli 11.05.2020 15:59
    Highlight Highlight «In der Landwirtschaftspolitik sollten deshalb auch Überlegungen angestellt werden, wie die Bauern wieder verstärkt an der Wertschöpfung in der Lebensmittelproduktion partizipieren können»

    Solange die Bauern einen reinen Rohstoff (Getreide, Tiere, Rohmilch) produzieren, werden ihre Preise auf dem Rohstoffmarkt festgelegt. Wenn sie aber wieder ein Produkt welches sie direkt an den Endkunden (Mehl, Fleisch, Milcherzeugnisse) bringen können produzieren, wird der Preis auch wieder lokal ermittelt.

    Genau darum florieren in der Schweiz Gemüsebetriebe, während andere darben.
    • France 11.05.2020 16:25
      Highlight Highlight Gemüsebetriebe florieren nur mit ausländischen Billigarbeitskräften!
    • ursus3000 11.05.2020 17:06
      Highlight Highlight Da hast Du etwas falsch verstanden . Du weisst dass die Migros so in etwa die hälfte zahlt als vor 10 Jahren ? Und ja es florieren ( was für ein blödes Wort für eine Industrie ) Grossbetriebe ab 50 Mitarbeitern ( meist Ausländer mit 4000.- lohn im Monat bei 55 Stunden in der Woche ) Und von wegen Selbstvermarktung Mehl ? Fleisch ? Milch ? Sollen 1000 Bauern in die Stadt fahren und Märkte abhalten ? Bei Kommentarschreibern tönt immer alles easy . Aber es ist besser wenn Du Kommentare schreibst , so kannst Du wenigstens keinen grösseren Schaden anrichten
    • Sauäschnörrli 11.05.2020 17:44
      Highlight Highlight @ursus, ich sage nicht es ist easy. Es ist eine Riesen Aufgabe. Nur hat sich dieses Modell bei unseren nördlichen Nachbarn wieder durchgesetzt und war auch bei uns lange Zeit Usus. Es soll und muss ja auch nicht jeder seine Erzeugnisse komplett selbst vermarkten, aber einen Teil der Wertschöpfungskette muss zurück auf den Hof. Die andere Lösung wäre den Umsatz zu steigern, dafür müssten die eh schon schwindenden Agrarflächen durch weniger Betriebe bewirtschaftet werden. So wie es seit Jahren passiert. Das wäre easy, den dann müssten alle einfach weitermachen wie bisher.
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