Wirtschaft
Digital

Tesla Giga-Fabrik bei Berlin: Deutsche Autoindustrie gerät unter Druck

Tesla macht der deutschen Autoindustrie Feuer unter dem Hintern 🔥

Der Elektroauto-Pionier will bereits 2021 in Berlin mit der Produktion neuer Fahrzeuge beginnen.
14.11.2019, 05:3414.11.2019, 06:19
Christoph Reichmuth aus Berlin / ch media
Mehr «Wirtschaft»

Es ist die erste Fabrik in Europa, die der US-Elektroautohersteller Tesla bauen wird. Bereits Ende 2021 soll die ­Giga-Fabrik in der Nähe Berlins ihre Produktion aufnehmen. Dies kündigte Tesla-Chef Elon Musk am Montag überraschend im Rahmen einer Preisverleihung in der deutschen Hauptstadt an.

Bis zu 10000 Arbeitsplätze sollen im ostdeutschen Bundesland Brandenburg sowie in Berlin entstehen.

FILE- In this March 14, 2019, file photo Tesla CEO Elon Musk speaks before unveiling the Model Y at Tesla's design studio in Hawthorne, Calif. Tesla CEO Elon Musk says the electric car pioneer pl ...
Will möglichst bald auch in Deutschland produzieren: Tesla-Chef Elon Musk.Bild: AP

Deutsche Politiker zeigten sich hocherfreut über den Standortentscheid von Tesla. «Die Gigafabrik wird Brandenburg als innovativen und internationalen Standort einen weiteren Schub und sehr vielen Menschen gute Arbeit geben», sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke.

Die vierte Giga-Fabrik

In Berlin wird Tesla die vierte Gigafactory errichten. Bisher werden sämtliche Autos am Hauptsitz im kalifornischen Fremont hergestellt. Im US-Bundesstaat Nevada baute der Konzern seine erste Gigafactory zur Produktion der Batterien. Eine zweite ­Gigafabrik steht im US-Bundesstaat New York, eine dritte wird aktuell in der Nähe von Shanghai errichtet.

Neben Batterien will Tesla in Berlin das Model Y produzieren, ein Nachfolgemodell des bereits erhältlichen Mittelklasse-Wagens 3, für den Elon Musk in Berlin einen Preis erhielt.

Die ersten Fahrzeuge des neuen Modells, die bereits bestellt werden können, laufen in den USA im nächsten Jahr ab Band. In Berlin plant Tesla neben der Giga-Fabrik ein Ingenieurs- und Designerzentrum.

«Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen.»
Elon Musk

Der 48-Jährige Unternehmer setzt nicht zuletzt darauf, dass der Berliner Hauptstadtflughafen BER nach jahrelangen Ver­zögerungen tatsächlich im Oktober 2020 eröffnet wird. In An­spielung auf die Bauverzögerung des Flughafens meinte Musk: «Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen.» Teslas ­Entscheid für Deutschland ist kein ­Zufall: Das ­«Autoland» geniesst einen guten Ruf für sein Ingenieurwesen, ­zudem kann Tesla von der hier an­sässigen Auto-­Zuliefererbranche profitieren.

Der Druck wächst

Tesla ist für die deutsche Automobilindustrie ein Konkurrent, haben doch die deutschen Hersteller den Umstieg auf Elektromobilität lange verschlafen. Volkswagen hat die Strategie erst jüngst angepasst. So wird das Werk in Zwickau zu einer reinen E-Auto-­Fabrik umgebaut. Andere deutsche Hersteller wie Daimler und BMW sind noch nicht soweit.

Der VW-Konzern sieht sich durch den geplanten Zuzug von Tesla in der eigenen Strategie bestätigt, wie Konzernchef Herbert Diess verlauten liess. Er teile die Vision des Tesla-Chefs, dass Umweltstandards künftig nur mit ­Elektroautos zu erreichen seien. «Wir werden Tesla jedoch auf Trab halten», sagte Diess an.

«Es ist besser, einen direkten Konkurrenten vor der eigenen Haustüre zu haben»
Ferdinand Dudenhöffer

Deutsche Kommentatoren sehen die Ansiedlung von Tesla als «Weckruf» für die heimische Autobranche. Die Pläne des Tesla-Chefs seien «ein klares Signal an BMW, Daimler und Volkswagen: Neue Anbieter wie Tesla dringen immer weiter in ihr angestammtes Geschäft vor – mittlerweile sogar an ihren heimischen Standorten», schreibt etwa der «Spiegel».

epa07971351 Volkswagen (VW) CEO Herbert Diess speaks on the occasion of the start of the production of the new electric car Volkswagen ID.3 at the Volkswagen (VW) vehicle factory in Zwickau, Germany,  ...
Herbert Diess teilt die Vision von Elon Musk – ist sich der Konkurrenzsituation jedoch bewusst.Bild: EPA

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht durch die Pläne von Tesla Chancen für die deutsche Autoindustrie und die Zulieferer-Branche, wie sagt: «Es ist besser, einen direkten Konkurrenten vor der eigenen Haustüre zu haben, als in Korea oder Indien», sagt der Experte von der Universität Duisburg-Essen. «Tesla wird die deutsche Autobranche zu schnellerem Handeln im Bereich der Elektromobilität animieren.

Laut Dudenhöffer sei es vorstellbar, dass die deutsche Industrie zusammen mit Tesla etwa bei der Entwicklung der Batterie-Technik zusammenspannt. Auch die Zulieferer-Industrie werde durch Tesla profitieren.

(aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Tesla enthüllt Super-Batterie
1 / 16
Tesla enthüllt Super-Batterie
Tesla-Gründer Elon Musk hat Energiespeicher für Haushalte und Unternehmen vorgestellt.
quelle: x03007 / patrick t. fallon
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das ist Elon Musk, einer der erfolgreichsten Unternehmer
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
10 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10
Nach diesem Video weisst du, worüber du beim Stromgesetz abstimmst
Am 9. Juni stimmt die Schweiz über das «Bundesgesetz für eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» ab. Hier findest du alles, was du zur Vorlage wissen willst. Zum Nachlesen oder in 118 Sekunden im Erklärvideo.

Das Schweizer Stimmvolk hat 2023 entschieden, dass wir das Klimaziel Netto-Null bis 2050 erreichen müssen. Damit das gelingen kann, müssen Bevölkerung und Wirtschaft zunehmend von fossilen Energien wegkommen und auf Strom umstellen. Die Konsequenz davon: In Zukunft wird unser Land noch mehr Strom brauchen als heute. Dabei können wir unseren Strombedarf bereits heute nicht selbst decken.

Zur Story