recht sonnig-3°
DE | FR
99
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wirtschaft
Digital

So war Elon Musks erste Woche als Twitter-Chef – und es kommt noch dicker

So war Elon Musks erste Woche als Twitter-Chef – und morgen wird's wohl noch schlimmer

Er liess keine Zeit verstreichen: Genau eine Woche ist es her, seit Elon Musk Twitter übernommen hat, und nichts ist mehr, wie es war. Eine Chronologie der letzten Woche.
03.11.2022, 13:2711.11.2022, 16:34

Wir fassen die Anfänge von Elon Musks Twitter-Odyssee ganz kurz zusammen: Am 4. April wird bekannt, dass Musk einen Anteil von 9,2 Prozent an Twitter erworben hat, was ihn zum grössten Aktionär macht. Zehn Tage später kündigt er an, Twitter zu einem Preis von 54.20 Dollar pro Aktie kaufen zu wollen. Sein erklärtes Ziel: mit dem aussergewöhnlichen Potenzial Twitters die Meinungsfreiheit und Demokratie in der Welt zu fördern.

Es folgt ein langes Hin und Her: Musk will Twitter doch nicht kaufen, Twitter klagt Musk an, Musk reicht eine Gegenklage ein, das Gericht gibt den Streithähnen bis zum 28. Oktober Zeit, den Deal zum Abschluss zu bringen.

Kurz vor Ablauf dieser Frist taucht Musk am 26. Oktober im Twitter-Hauptsitz auf und läutet damit für die Twitter-Community einige höchst turbulente Tage ein. Eine Übersicht.

26. Oktober: Ein kurioser Auftritt

Mit einem Lavabo in den Händen taucht Tesla-Gründer Elon Musk am 26. Oktober im Twitter-Hauptsitz in San Francisco auf. Kommentieren tut er seinen Auftritt auf Twitter mit «Let that sink in» («Lass das mal sacken»). Ein Wortspiel, das auf Deutsch leider nicht funktioniert.

Ob der Deal um die Twitter-Übernahme damit finalisiert ist, ist nicht klar. Musk ändert allerdings seine Twitter-Profilbeschreibung und bezeichnet sich neu als «Chief-Twit».

Video: twitter

27.Oktober: Musk entlässt Chefetage

Auch am darauffolgenden Tag, dem 27. Oktober, ist der Deal noch nicht offiziell verkündet. Das hält den Tesla-Gründer allerdings nicht davon ab, sich bereits ins Geschäft von Twitter einzuschalten.

In einem offenen Brief an Twitters Anzeigenkunden erläutert der Tesla-Chef noch einmal seine Motive für den 44 Milliarden US-Dollar schweren Deal und tritt Bedenken entgegen, dass die Plattform zu einem Hort von Hetze und Hassbotschaften werden könnte.

Er spuckt grosse Töne:

«Ich habe Twitter übernommen, weil es für die Zukunft der Zivilisation wichtig ist, einen gemeinsamen digitalen Marktplatz zu haben, auf dem ein breites Spektrum von Überzeugungen auf gesunde Weise diskutiert werden kann, ohne auf Gewalt zurückgreifen zu müssen.»

Der Kauf sei nicht aus Geldgründen erfolgt, sondern aus Liebe gegenüber der Menschheit, der er helfen wolle.

In der Nacht zum Freitag wird dann bekannt, dass Musk bereits mit Entlassungen in der Chefetage begonnen haben soll. Wie später bestätigt werden wird, müssen etwa der bisherige Firmenchef Parag Agrawal und Finanzchef Ned Segal ihren Platz räumen.

28. Oktober: Der Deal ist offiziell

Am 28. Oktober ist es so weit: «Der Vogel ist befreit.» Mit diesen Worten verkündet Musk den Kauf von Twitter und die Beilegung des damit einhergegangenen Rechtsstreits. Twitter informiert die US-Wertpapieraufsicht SEC über den Rückzug von der Börse und bestätigt damit den Vollzug der Übernahme.

Der frisch gebackene Twitter-Besitzer schreitet sofort mit neuen Massnahmen zur Tat. So will er beispielsweise ein neues Gremium zum Umgang mit kontroversen Inhalten schaffen. Bevor ein solcher Rat zusammentrete, werde es keine grossen Entscheidungen zur Inhalte-Politik oder zu der Wiederherstellung von Accounts geben, verkündet Musk auf Twitter.

Apropos Moderation: Mit Musks Übernahme von Twitter sind auch die Spekulationen über ein Comeback von Donald Trump entbrannt. Musk hat die Sperre des ehemaligen US-Präsidenten in der Vergangenheit nämlich als «moralisch falsch und einfach nur dumm» bezeichnet.

Doch der ehemalige US-Präsident hat gar keinen Bock, wie er zu Fox News sagt. Er wolle nicht zu Twitter zurückkehren, auch wenn dies mit Elon Musk als neuem Eigentümer möglich werden sollte. Stattdessen werde er bei seinem eigenen Dienst Truth Social bleiben. «Es gefällt mir hier mehr», erklärt Trump. «Ich mag Elon, aber ich bleibe bei Truth.»

Er wünscht Musk viel Glück, wirft aber ein: «Ich denke nicht, dass Twitter ohne mich erfolgreich sein kann.»

29. Oktober: Der Angriff der Trolle

Mit der Twitter-Übernahme sind unzählige Trolle aus ihren Löchern gekrochen, um die Grenzen von Musks angekündigter «Free Speech» zu testen. Dazu veröffentlichen sie sogenannte Test Tweets, die hauptsächlich aus Beleidigungen und Behauptungen zu Musk bestehen. Zum Beispiel:

Doch nicht nur das: Wie die Washington Post berichtet, ist der Gebrauch des N-Worts auf Twitter innerhalb von 12 Stunden nach Abschluss der Übernahme um 500 Prozent gestiegen.

Musk veröffentlicht daraufhin einen Tweet, in dem er betont, dass noch keine Änderungen in der Inhaltsmoderation vorgenommen worden seien.

30. Oktober: Die Pelosi-Verschwörungstheorie

Am 30. Oktober sind es wieder Musks eigene Tweets, die für Aufruhr sorgen. Diesmal allerdings nicht in Zusammenhang mit seiner neuen Position als Twitter-Besitzer. Stattdessen provoziert er mit der Verbreitung einer Verschwörungstheorie zum Angriff auf den Ehemann der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi. «Es gibt die winzige Möglichkeit, dass bei dieser Geschichte mehr dahintersteckt», schreibt der Milliardär zu dem weitergeleiteten Link. Wenige Stunden später löscht er den Tweet wieder.

31. Oktober: Der Verwaltungsrat muss einpacken

Nachdem Musk bereits das Topmanagement vor die Tür gesetzt hat, wird am 31. Oktober bekannt, dass auch der Verwaltungsrat dran glauben musste. Alle neun Mitglieder des Verwaltungsrates hätten ihre Posten aufgegeben, verkündet Twitter. Zum bislang einzigen neuen Mitglied ernennt Musk sich selbst.

1. November: Twitter-Verifikation soll künftig kosten

Am 1. November verkündet Musk eine höchst unpopuläre Änderung: Die begehrten weissen Häkchen auf einem blauen Verifikationsabzeichen sollen künftig in den USA acht Dollar im Monat kosten.

Bislang hatte Twitter die Symbole mit dem Häkchen, die die Echtheit des Twitter-Profils garantieren, kostenlos vergeben. Vor allem die Konten von Prominenten, Unternehmen sowie Nutzern mit vielen Followern, etwa Politiker oder Journalisten, wurden damit gekennzeichnet.

In der Vergangenheit hatte es aber immer wieder kontroverse Diskussionen um die Verifizierung gegeben, da die Vergabekriterien für viele User nicht transparent genug waren. Auch Musk ist kein Fan dieses Systems, wie er auf Twitter unverhohlen verkündet:

«Twitters derzeitiges Herrschaftssystem darüber, wer ein blaues Häkchen hat und wer nicht, ist Schwachsinn.»

Musk will den Verifizierungshaken und andere Vorteile in das bestehende Abo «Twitter Blue» integrieren, das bislang Lesezeichen, einen besonderen Lesemodus sowie die Möglichkeit zur Korrektur eines bereits gesendeten Tweets umfasst. Es ist bislang aber nur in Kanada und den USA verfügbar und kostet knapp fünf Dollar. Für das erweiterte Abo waren zwischenzeitlich Preise von bis zu 20 Dollar pro Monat im Gespräch.

2. November: Musk bleibt hart

Für die bald kostenpflichtigen Häkchen hagelt es Kritik. Musk lässt sich davon aber nicht beeindrucken:

«An alle Nörgler, beschwert euch bitte weiter, aber es wird acht Dollar kosten.»

Kritiker hatten sich aber nicht nur an dem Preis für die Verifizierung gestört. So befürchten sie unter anderem, dass der eigentliche Zweck des Verifizierungshäkchens gefährdet werden könnte. Dieses war nämlich bislang dazu da, die Echtheit eines Kontos zu garantieren.

3. November: Die Hälfte aller Mitarbeitenden soll gehen

Mit der Entlassung der Chefetage und des Verwaltungsrates war die Sache scheinbar noch nicht gegessen. Musk soll nun die Streichung von etwa 3700 Arbeitsplätzen ins Auge fassen, wie Bloomberg berichtet. Damit wolle er versuchen, die Kosten der Übernahme tief zu halten. Denn obwohl Elon Musk einer der reichsten Menschen der Welt ist, konnte er den 44 Milliarden US-Dollar teuren Twitter-Kauf nicht selber stemmen. Neben seinem eigenen Vermögen musste er für den Kauf Bankkredite aufnehmen und andere Investoren an Bord holen.

Die Entlassung von 3700 Mitarbeitenden kommt der Hälfte aller Arbeitskräfte bei Twitter gleich. Die betroffenen Mitarbeitenden sollen am Freitag darüber informiert werden.

Musk fühlt derweil den Twitter-Usern mit einer kleinen Abstimmung auf den Zahn. Er möchte wissen, was Werbungtreibende unterstützen sollten: Redefreiheit oder politische Korrektheit.

Ob er aber wirklich auf die Meinung der User hören wird, bleibt fraglich.

(mit Material der Nachrichtenagenturen sda, dpa und awp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

99 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
alfredos
03.11.2022 14:13registriert August 2018
Ich glaube nicht, dass Twitter ohne mich erfolgreich war. - alfredos
817
Melden
Zum Kommentar
avatar
Typu
03.11.2022 14:16registriert Oktober 2015
Sowas kommt halt dabei raus bei fehlender Empathie für Menschen. Nichts Überraschendes dabei.
7120
Melden
Zum Kommentar
avatar
AlleNicksVergeben
03.11.2022 13:39registriert Mai 2021
Wenn man reich ist, kann man es sich leisten, Unternehmen an die Wand zu fahren. Trifft ja nur Mitarbeiter und Kunden.
6119
Melden
Zum Kommentar
99
SBB-App versagt bei Billettkontrolle – EasyRide-Funktion in der Kritik
Laut SBB sind es Einzelfälle, für die Betroffenen ist das scheinbar zufällige Versagen der SBB-App allerdings sehr ärgerlich und kostspielig. Was steckt hinter dem Software-Fehler, der im dümmsten Moment auftritt?

Bislang sind wenige Fälle dank Rückmeldungen von Betroffenen bekannt, doch die übereinstimmenden Schilderungen werfen Fragen auf: Warum fällt die in die SBB-App integrierte EasyRide-Funktion unerwartet aus? Und dies ausgerechnet im dümmsten Moment ...

Zur Story