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Bedingungsloses Grundeinkommen: Frauen könnten davon profitieren

Femen-Aktivistin in Kiew.
Femen-Aktivistin in Kiew.
Bild: SERGEY DOLZHENKO/EPA/KEYSTONE

Wie das bedingungslose Grundeinkommen die Frauen befreit

Gerade Frauen werden von einem bedingungslosen Grundeinkommen profitieren. Zu diesem Schluss kommt ein kürzlich veröffentlichtes – und viel beachtetes – Essay in der «New York Times».
13.01.2016, 11:0408.04.2016, 10:14

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) erhält zurzeit mächtig Aufschwung. Verantwortlich dafür ist primär die sich abzeichnende Digitalisierung der Arbeitswelt. Wenn bald Roboter und intelligente Software unsere Jobs erledigen, so die Argumentation, dann bleibt gar kein anderer Ausweg als das BGE, um den Konsum und damit die Wirtschaft in Schwung zu halten.

Trotzdem bleibt das BGE umstritten. Nicht alle Frauen können sich etwa mit dem BGE anfreunden. Im Buch «Würde, bedingungslos» beispielsweise listet die «Arbeitsgruppe Grundeinkommen» unter der Schlagzeile «Kritische Einwände aus feministisch-ökonomischer Sicht» eine Reihe von Gegenargumenten auf.

«Wir bezweifeln, dass ein BGE Frauen auch von ihren nach wie vor de facto existierenden Aufgaben und Pflichten als Mütter, Betreuerinnen, und Pflegerinnen entlasten und ihnen Zugang zu anderen Tätigkeiten öffnen und damit ihre Positionen auf den Erwerbsarbeitsmärkten verbessern kann.»
Debattierclub Wide

Anstatt eines BGE fordern die Kritikerinnen eine Entlöhnung für die Gratisarbeit, die Frauen heute noch bei der Erziehung der Kinder und der Pflege von Eltern und Verwandten leisten. «Letztlich läuft der feministische Ansatz in unserer sehr mobilen und arbeitsteiligen Gesellschaft darauf hinaus, dass die zum Überleben notwendigen Arbeiten angemessen, d.h. deutlich höher als bisher bezahlt werden müssen.»

Die Amerikanerinnen freunden sich mit dem BGE an

Das BGE gewinnt auch in den USA immer mehr Anhängerinnen und Anhänger und wird breit diskutiert. In der New York Times hat kürzlich Judith Shulevitz aus feministischer Sicht das BGE analysiert und ist dabei zu anderen Resultaten gekommen als ihre Kolleginnen in der Schweiz.

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Auch Shulevitz betont, dass Frauen sehr viel mehr Gratisarbeit in der so genannten Care-Ökonomie leisten, und fordert deshalb eine Kompensation:

«Es ist an der Zeit, so etwas wie Reparationsleistungen zu zahlen.»
Judith Shulevitz, New York Times

Gerade das BGE sei eine ideale Form dieser Reparationsleistungen, so Shulevitz, denn verschiedene Studien hätten aufgezeigt, dass ein BGE nicht dazu führen würde, dass man aus dem Arbeitsprozess ausscheide, sondern im Gegenteil die Erwerbstätigkeit zunehmen würde. Die Vorstellung, dass Frauen wegen eines BGE vermehrt an Haus und Herd gebunden würden, sei falsch – «und zudem scheint mir diese Argumentation als, nun, paternalistisch», schreibt Shulevitz.

Unter dem Titel «Zukunftsfähige Finanz- und Wirtschaftssysteme findet am 3. Februar ein Podiumsgespräch mit Prof. Giacomo Corneo, Prof. Thorstens Hens und Reto Ringger statt. Der Anlass wird von Olivia Bosshart moderiert und findet im Zunfthaus zum Neumarkt in Zürich statt. Beginn: 18.30 Uhr. Der Eintritt beträgt 40 Franken.  

Ein Schritt hin zu einer gerechteren Gesellschaft

Gerade die ärmsten Frauen würden massiv von einem BGE profitieren, das hätten Experimente in Indien und in den USA ergeben. Das Fazit von Shulevitz ist deshalb glasklar: «Ein BGE würde uns ein bisschen mehr hin zu einer gleichberechtigten Gesellschaft führen. Der Zustupf würde es den Vätern erleichtern, ihren Sorgepflichten nachzukommen, wenn sie denn wollten. Mütter würden für ihre Pflegetätigkeit entschädigt und könnten trotzdem einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Eltern, die zuhause arbeiten, hätten ein bisschen Geld auf der Bank, mehr Einfluss in der Familie und mehr Respekt. Und wir alle hätten das Prinzip etabliert, wonach die Früchte der Liebe nicht ohne Preis sind, sondern dass es sich lohnt, dafür etwas zu bezahlen.»

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