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Du willst mit ETF anlegen? 5 praktische Tipps für deine Investition

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Du willst mit ETF anlegen? 5 praktische Tipps für deine Investition

Selber anlegen liegt im Trend. Nur gestaltet sich die Suche und Wahl im ETF-Dschungel oft mühselig und zeitintensiv. Hier sind 5 praktische Tipps und Tools für deine Anlage mit ETFs.
04.08.2022, 14:0105.08.2022, 07:49
Olga Miler
Olga Miler
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Für viele von uns ist die Zeit vorbei, wo wir noch bei der Bank im Büro sassen und uns beraten liessen, welche Strategie, Fonds oder welches Produkt wohl am besten geeignet wäre. Einerseits bieten viele Banken vertiefte Beratung nur noch ab gewissen Vermögen an, andererseits liegt, seit die Online-Tools immer mehr zunehmen, selber Anlegen immer mehr im Trend. So hat z. B. Swissquote laut eigenem Geschäftsbericht im 2021 bei den Benutzern um 19 % zugelegt, bei den Nettogeldzuflüssen waren es sogar +82 %.

Wer selber anlegen möchte, hat ganz unterschiedliche Möglichkeiten, von Einzelaktien oder Fonds selber aussuchen bis hin zu Robo-Advisors, welche gemäss Präferenzen und Risikoprofil ein Portfolio zusammenstellen und dies dann auch automatisch verwalten. Wofür du dich entscheidest, hängt oft von den persönlichen Vorlieben, Interesse und der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Ein allgemeines Rezept, was am besten ist, gibt es nicht.

Studien von Moneyland haben z. B. gezeigt, dass die Online-Anbieter bei ETFs um ein Vielfaches günstiger sind als traditionelle Banken. Im Vergleich mit 20'000 Franken war der günstigste Anbieter bei ETFs um das Zwanzigfache günstiger als der Teuerste. Wer gerne die Anlagen mit z. B. Einzelaktien abbilden will, braucht entsprechend Zeit für die Auswahl, aber auch für die Verwaltung des Portfolios.

Viele der Online-Anbieter nutzen Exchange Traded Funds (ETFs) und auch immer mehr Indexfonds, um die Portfolios zusammenzustellen. Aber nicht nur bei den Tools ist der ETF sehr beliebt: Gemäss dem ETF Market Report der SIX wuchs das Angebot der an der SIX kotierten ETFs im 2. Quartal um 40 Einheiten auf total 1628 per 30.06.2022.

Um ETFs zu kaufen brauchst du mittlerweile auch keine grosse Beratung mehr, mit einem Depot (das Konto, welches deine Wertschriften hält und aufbewahrt) und einer entsprechenden Trading-Plattform oder -Anbieter können wir alle selber aussuchen und direkt loslegen.

Nur entsteht dann oft die Schwierigkeit: welchen ETF? Wie wähle ich aus? Woher weiss ich, ob meine Wahl «gut» ist? Ich habe hier ein paar Punkte und Tipps zusammengetragen, die dir bei der Suche und beim Kauf von ETFs helfen können.

Vor- und Nachteile von ETFs

Anlegen mit ETFs hat verschiedene Vor- und Nachteile, hier die wichtigsten:

Vorteile:

  • Anlage ist bereits mit kleinen Beträgen möglich.
  • Diversifiziert: Du kannst in ganze Märkte, Regionen oder Branchen anlegen, aber auch gezielte Anlagen tätigen in Themen oder z. B. Rohstoffe.
  • Kostengünstig: Wenn du selbst anlegst – aber Achtung, es kommen noch Kosten für das Depot, Courtagen für den Kauf/Verkauf und allenfalls je nach Anbieter noch weitere Kosten hinzu. Was die Anlage in ETF kosten, wird am besten mit einem Rechner berechnen.
  • Flexibel: ETFs können jederzeit einfach gekauft und wieder verkauft werden.
  • Transparent: Was drin ist und wie dein Geld angelegt wird, ist relativ einfach nachvollziehbar. Zudem gelten ETFs als Sondervermögen und bieten entsprechenden Schutz bei Insolvenz der Kapitalanlagegesellschaft.

Nachteile:

  • Performance: Der ETF kann in der Regel nicht besser rentieren als der Index, den er abbildet.
  • Risiken: Neben des Wertschwankungsrisikos haben ETFs allenfalls Währungsrisiken und Tracking-Error-Risiken. Zudem Gegenparteirisiken aus der Wertpapierleihe und aus Derivaten bei synthetischen ETFs – beide sind jedoch im Umfang durch die Aufsichtsbehörden begrenzt.
  • Dein vollständiges Risikoprofil oder andere Präferenzen können vielleicht nicht vollständig abgebildet werden, z. B. wenn Nachhaltigkeit ein Thema ist, dann kannst du nicht einfach einzelne Firmen aus dem ETF «ausschliessen».
  • Im Vergleich zu Einzelaktien hast du weniger Mitspracherecht, z. B. stimmst du nicht an der Generalversammlung ab, dieses Recht wird durch die Fondsgesellschaft wahrgenommen.
  • Ballung an Kapital: Verschiedentlich wurde publiziert, dass es wegen des grossen Erfolgs der ETF zu einer Art Ballung an Kapital und einer «ETF-Blase» kommen könnte, die bald platzt. Das kann man mit verschiedenen Zahlen relativieren, unter anderem die Marktkapitalisierung, wonach gemäss Statista 2021 global ca. 10 Billionen Franken in ETFs angelegt waren. Als Vergleich dazu: Die globale Aktienmarktkapitalisierung betrug 2021 ca. 124 Billionen Franken.

Wie unterscheiden sich ETFs von Indexfonds?

Die Machart ist bei beiden sehr ähnlich: In der Regel bilden sie einen Index nach. Der Hauptunterschied besteht in der Handelbarkeit: ETFs (Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Fonds und lassen sich zu Handelszeiten kaufen und verkaufen. Indexfonds werden in der Regel nicht an einer Börse gehandelt. Der Kauf und Verkauf sind nur einmal täglich über den Fondsanbieter möglich.

Gibt es in der Schweiz ETF-Sparpläne wie in anderen Ländern?

Für viele von uns wäre es superpraktisch, jeden Monat einen bestimmten Betrag anzulegen. Leider gibt es in der Schweiz immer noch fast keine ETF-Sparpläne, wie z. B. in Deutschland. Verschiedenste Banken bieten zwar Fondssparpläne an, diese verwenden verschiedene, auch aktiv verwaltete Fonds und können daher auch hohe Gebühren bis zu 3 % pro Jahr aufweisen.

Alternativen dazu sind:

  • Einen der wenigen Anbieter nutzen, die ETF und ETF-ähnliche Sparpläne anbieten wie Avadis, Clevercircles oder Vermögenszentrum Depotbank. Eine Übersicht über Sparpläne findest du auf Moneyland.
  • Einen Robo-Advisor nutzen: Viele Robo-Advisors wie Selma, True-Wealth, Vermögenszentrum, Findependent etc. bieten die Möglichkeit, regelmässig, z. B. monatlich, anzulegen. Allerdings kann man sich da die ETFs oft selbst nicht auswählen, sondern legt in ein vorbestimmtes Portfolio an und muss einen monatlichen Dauerauftrag erfassen und so den «Sparplan» abbilden. Eine Variante davon ist Kaspar&, wo man entweder mit Karte rundungsinvestieren (zahlen – aufrunden – aufgerundeter Betrag wird angelegt) oder monatlich anlegen und gewisse Themen/Fonds wählen kann.
  • Eine Trading-Plattform mit sehr tiefen Kaufgebühren nutzen. Oft sind diese zwar in der Schweiz reguliert, aber ausländisch, wie z. B. Degiro. Wer auf Schweizer Plattformen setzen möchte: Swissquote, Yuh von Swissquote und Postfinance, Flowbank, Cash von Bank Zwei Plus sind nur einige Beispiele. Ein Preisvergleich lohnt sich in jedem Fall, da die Gebühren je nach Verhalten (z. B. Anzahl Käufe und Verkäufe, Anlagebetrag etc.) ganz anders ausfallen können. Preisvergleich bei Moneyland.
  • Anstatt monatlich z.B. vierteljährlich kaufen über einen Broker mit tiefen Gebühren, dann fallen diese pro Anlagebetrag weniger ins Gewicht.

5 Tipps für die Suche deines ETF

Wie findest du im ETF-Dschungel den für dich passenden ETF? Hier sind 5 Tipps dazu:

  1. Festlegen, worin du investieren willst, z. B. Welt-ETF oder eher ein bestimmtes Thema wie erneuerbare Energie?
  2. Definieren, ob du über einen Robo oder direkt selber kaufen willst. Davon hängt dann ab, welche Tools du suchst. Wenn du mit einem Robo anlegst, dann einen passenden Robo suchen, sonst einen günstigen Online-Broker, über den du handeln kannst.
  3. Um den passenden ETF zu finden entweder die Suchtools des Brokers nutzen oder Vergleichsplattformen wie Swissfundata.ch, Justetf.com. Wer gerne ETFs nach Nachhaltigkeit suchen möchte: trackinsight.com hat eine Suchfunktion nach den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN.
  4. ETF bewerten/aussuchen: Preis, Rendite, Factsheet danach anschauen, was die grössten Positionen/Geografien sind, Grösse (wieviel Volumen ist schon drin), Indexkomposition, Replikation des Index (z.B. voll- oder teilreplizierend), Ausschüttungen (für Vermögensaufbau ist thesaurierend – wenn die Gewinne weiter investiert werden – besser), allenfalls – falls möglich – einen ETF mit Wechselkursschutz (currency hedged) nehmen.
  5. Um deine Entscheidung weiter abzustützen: Bestenlisten anschauen und Reviews lesen z. B. auf Yahoo Finance, Bloomberg, Morningstar u. ä.

💰 Welche ETF habt ihr und was für Tools könnt ihr empfehlen?

Entwürfe für die ersten Franken-Münzen:

1 / 10
Entwürfe für die ersten Franken-Münzen
Für die ersten Münzen wurden diverse Entwürfe eingereicht. (bild: schweizerisches bundesarchiv)
quelle: schweizerisches bundesarchiv
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Warum dich die Inflation betrifft & was der Leitzins damit zu tun hat – kurz erklärt

Video: watson/Helene Obrist, Emily Engkent
olga miler, frauen und geld, blog, watson
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Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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