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MoneyTalks: Was du von Barbie über deine Finanzen lernen kannst

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Was du von Barbie über deine Finanzen lernen kannst

Pink überall. Innert Kürze ist der Barbie-Film zum weltweit diskutierten Megaerfolg avanciert. Auch die Touren von Taylor Swift und Beyoncé generieren Rekordumsätze. Was du über die «Sheconomy» für deine Finanzen wissen solltest.
18.08.2023, 15:1418.08.2023, 16:08
Olga Miler
Olga Miler
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Warst du ihn schon schauen? In weniger als drei Wochen seit dem Kinostart ist der Barbie-Film zur «Barbillion» avanciert und hat die eine-Milliarde-Dollar-Umsatzgrenze geknackt. Damit bricht Regisseurin Greta Gerwig, die auch das Drehbuch für den Film geschrieben hat, den Umsatzrekord für weibliche Regisseure.

Natürlich gibt das ganz viel Diskussionsstoff, zum einen über die Sinnhaftigkeit der Barbiepuppe selbst, zum anderen aber auch den Film: Kritiker bezeichnen ihn als schonungslose Kapitalisierung feministischer Ideologien oder geschickte Marketing-Maschine für den Grosskonzern Mattel. Andere wiederum sehen im Film eine feministische Revolution, einige Konservative interpretieren ihn sogar als männerhassende Propaganda.

Wenn du keine Lust auf grosse Diskussionen und Analysen hast, dann lehnst du dich ganz einfach zurück und lässt dich von einer grossen Portion Humor, mit der so ziemlich jeder Gender-Stereotyp aufgegriffen wird, und jeder Menge Pink unterhalten.

Der Hype um den Barbie-Film, aber auch die Rekordumsätze der Touren von Taylor Swift und Beyoncé bringen mehr und mehr Aufmerksamkeit auf die sogenannte Sheconomy. Hier ein paar Hintergrundinformationen dazu und Ideen, wie du das für deine Anlagen nutzen kannst.

Was ist die Sheconomy?

Berichten zufolge gibt es den Begriff seit 2007. Eine eigentliche offizielle Definition gibt es nicht. «Sheconomy» beschreibt im weitesten Sinn den Trend, dass Frauen mit zunehmender Bildung und Fortschritt zu Gleichstellungsthemen immer mehr an wirtschaftlichem und sozialem Einfluss gewinnen und somit als Konsumentinnen, Verdienerinnen, Unternehmerinnen und Führungspersönlichkeiten verschiedene Branchen und Wirtschaftssektoren wie z.B. Tourismus, Gesundheitswesen, Bildung, Kultur, Medien und Unterhaltung massgebend beeinflussen.

Da Frauen durch die zunehmende Beteiligung am Arbeitsmarkt mehr Geld zur Verfügung haben, stellen sie eine immer wichtiger werdende treibende Kraft für das Wirtschaftswachstum und eine wachsende potente Käuferinnenzielgruppe dar. Einhergehend mit dem steigenden wirtschaftlichen Einfluss setzen sich Frauen auch für notwendige Änderungen zu Gleichstellungsthemen wie z. B. Lohngleichheit ein.

Wachsendes Potenzial

Statistiken zufolge beeinflussen Frauen bereits heute 70–80 % der Kaufentscheidungen für z. B. Gebrauchsgüter, Gesundheits- und Schönheitsartikel, Lebensmittel, Autos und Immobilien. Frauen halten geschätzt 30–40 % des globalen Privatvermögens. Die Beratungsfirma McKinsey schätzt, dass das Vermögen von Frauen in Europa bis 2030 um etwa 8,1 Prozent pro Jahr (CAGR) wachsen wird.

Befeuert wird die Sheconomy durch eine Reihe von Trends und Faktoren wie z. B. steigende Bildung, Unternehmertum, zunehmende Teilnahme an Politik, mehr Frauen in Führungspositionen in Unternehmen, zunehmender Anteil an Frauen am Arbeitsmarkt.

Wenn du mehr über die Sheconomy wissen möchtest, hier ein Buchtipp: «Sheconomy: Warum die Zukunft der Arbeitswelt weiblich ist» von Christiane Funken

Wie du den Sheconomy-Trend für deine Anlagen nutzen kannst

Die Sheconomy-Entwicklung stellt neben wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen auch Möglichkeiten für Anleger:innen dar. Einige der Hauptsektoren, welche zukünftige Möglichkeiten bieten, da erwartet wird, dass sie vom veränderten Konsumverhalten und der wachsenden Kaufkraft der Frauen profitieren werden, sind z. B. Lebensmittel, Gesundheit und Schönheit, Bekleidung, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, langlebige Konsumgüter, Telekommunikationsdienste, Automobile und Immobilien.

Auch geografisch bietet die Sheconomy Opportunitäten, z. B. stellen Länder wie Südafrika, China und Indien einige der grössten Wachstumschancen dar. Illustratives Beispiel: China, dort sind die Konsumausgaben von Frauen innert fünf Jahren um 81 % gestiegen.

Konkret kannst du diesen Trend z. B. wie folgt für deine Anlagen nutzen:

Investitionen in Firmen, die das Thema Gleichstellung ernst nehmen

Erwartet wird, dass diese Firmen bessere Geschäftsresultate erzielen werden als solche, die eben keine entsprechenden Standards haben oder sich nicht um die Zielgruppe Frauen bemühen und damit allenfalls Gefahr laufen, in der Zukunft einen wichtigen Markt zu verpassen.

Anlegen in solche «gender-smarte» Firmen kannst du entweder über Einzelaktien, Fonds, Zertifikate oder ETFs wie z. B. der UBS Global Gender Equality 100 Leaders ETF oder den neu diesen Januar gestarteten Hypatia Women CEO ETF (aktiver ETF, der 80 % in US-Firmen mit einer weiblichen CEO investiert – mehr Info). Weitere Beispiele findest du z. B. auf justeft.com.

Anlegen kannst du auch direkt mit Aktien von Equality und Diversity Leaders, diese findest du in verschiedenen Datenbanken wie Equileap oder Bloomberg Gender Diversity Index.

Anlagen in auf die Bedürfnisse von Frauen spezialisierten Unternehmen

Spezialisierte Firmen, welche den Bedürfnissen von Frauen entsprechend Rechnung tragen und in Sektoren oder Geografien tätig sind, von welchen erwartet wird, dass sie besonders von der wachsenden Kaufkraft der Sheconomy profitieren werden. Offensichtlich und stereotypisch wären hier z. B. Mode- oder Kosmetikunternehmen. Viel spannender und interessanter wird es in Sektoren wie Gesundheit oder Pflege:

  • Auf weibliche Biologie spezialisierte Gesundheitslösungen wie verbesserte spezialisierte Diagnostik, Anti-Aging, FemTech-Lösungen für Fruchtbarkeit, Schwangerschafts- und Wochenbettpflegediensten, Apps für den Monatszyklus etc. Beispiele sind AVA AG (Gesundheitstechnologie, Fruchtbarkeit), Myovant Sciences Ltd (Lösungen für z. B. endokrine Krankheiten), The Cooper Companies Inc. (Gesundheitsfürsorge für Frauen), Innovative Healthcare Devices AB (innovative Lösungen für weibliche Gesundheitsprobleme)
  • Für auf Pflege, Kinderbetreuung und Haushaltsmanagement spezialisierte Lösungen wird als Teil der Sheconomy grosses Potenzial vorausgesagt. Illustrative Beispiele sind Firmen wie z.B. care.com (verbindet Familien mit Betreuungspersonen), Orpea SA (Lösungen für Altenpflege), Handycare Group AB (Anbieter von Mobilitäts- und Barrierefreiheitslösungen)

Investition in von Frauen (mit)gegründete StartUps

Viele von Frauen gegründete Unternehmen richten sich oft gezielt auf die Bedürfnisse von Frauen aus. Gemäss Pitchbook gehen aber gerade mal 1,6 % der europäischen Venture Capital Investments an von Frauen gegründete StartUps und 16,8 % an gemischte Teams. Da die Chancen, so Kapital zu finden, sehr gering sind, greifen immer mehr weibliche Gründerinnen auf andere Finanzierungsmethoden wie z. B. Crowdfunding oder Angel Investments zurück. Gerade beim Crowdfunding hast du die Möglichkeit, dich mit kleineren Beträgen an entsprechenden StartUps zu beteiligen. Eine Liste der von Frauen gegründeten Unternehmen findest du z. B. beim Verband Frauenunternehmen oder auf der Female Founders Map Switzerland.

Zugegeben, das Potenzial der Sheconomy wurde schon lange vor dem Barbie-Film diskutiert und eignet sich gut als z. B. zusätzlicher Fokus für deine Anlagen. Dank Barbie, Taylor und Beyoncé bekommt das Thema aber jetzt wieder vermehrt auch in sozialen Medien Aufmerksamkeit.

Wie seht ihr das, alles nur pinker Hype oder hat die Sheconomy wirklich Potenzial? 👛

olga miler, frauen und geld, blog, watson
bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

Barbie bezieht Stellung gegen Rassismus.

Video: watson

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Von Kondom-Ken bis Steuererklärungs-Barbie: Wenn die Puppen schon realistisch sein sollen, brauchen wir folgende Sets
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Bild: watson
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