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Säule 3a: Die häufigsten Fragen und Antworten zur privaten Vorsorge

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Die häufigsten Fragen und Antworten zur Säule 3a

Hast du schon eine oder denkst noch darüber nach? Auf dem Sparkonto oder in Wertschriften? Die Säule 3a ist ein essenzieller Baustein unserer privaten Vorsorge. Hier einige der meistgestellten Fragen und Antworten.
20.06.2024, 14:05
Olga Miler
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Die private Vorsorge mit der Säule 3a wird immer beliebter. Gemäss Statistik des Verbandes Vorsorge Schweiz haben ca. 2,5 Mio. Menschen in der Schweiz eine Säule 3a (+4,4% Zuwachs). Insgesamt liegen ca. 83,1 Milliarden Franken in entsprechenden Säule 3a-Lösungen. Sparen ist mit 62% immer noch deutlich beliebter; nur ungefähr die Hälfte (47%) gab an, Wertschriften zu haben (moneyland.ch).

Mit zunehmender Beliebtheit steigt auch die Anzahl der Anbieter, die eine Säule 3a-Lösung zur Verfügung stellen. Gegenwärtig zählen wir in der Schweiz gemäss Moneyland.ch 16 Vorsorge-App-Online-Anbieter (Stand April 2024). Kostenlose Vergleichsliste hier.

Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, deine Säule 3a auszugestalten. Ich habe für dich hier eine Sammlung der 9 häufigsten praktischen Fragen und Antworten aus meinen Workshops und Webinaren als Säule 3a-Bucket List zusammengetragen – viel Spass!

Was sind die wichtigsten Vor- und Nachteile der Säule 3a?

Einige der wichtigsten Gründe, warum du Dir eine Säule 3a zulegen solltest, sind:

  • Wir leben immer länger, also wirst du im Alter auch Geld für ein längeres Leben brauchen. Hier schafft die Säule 3a eine interessante Möglichkeit, gezielt privat vorzusorgen.
  • Du kannst die Einzahlungen von Deinen Steuern abziehen.
  • Du hast flexible, mittlerweile sehr günstige Möglichkeiten, dein Geld für Dich arbeiten zu lassen (z.B. Säule 3a bei True Wealth für 0% Verwaltungsgebühr).
  • Dein Geld ist nicht vollständig blockiert. Du kannst die Säule 3a für verschiedene Dinge wie Wohneigentumsförderung früher beziehen.

Es gibt auch einige Nachteile:

  • Dein Geld ist grösstenteils gebunden; du kannst es nicht für jeden beliebigen Zweck beziehen.
  • Bei einer Anlage in Wertschriften ist dein Geld entsprechenden Risiken ausgesetzt.
  • Steuervorteile entstehen, nur in Jahren, wenn du einzahlst. Zudem kann der Steuervorteil gerade bei tieferen Einkommen eher gering ausfallen.
  • Beim Bezug im Alter beziehst du das Geld immer als Kapital; du hast nicht wie bei der Pensionskasse später z.B. einer Rente wählen.

Kann ich eine Säule 3a haben, auch wenn ich nicht arbeite?

In die Säule 3a kann nur einzahlen, wer im Sinne der AHV erwerbsfähig ist. Bleibst Du z.B. für die Familienbetreuung zu Hause und hast somit keinen AHV-pflichtigen Lohn, dann kannst Du auch nicht in die Säule 3a einzahlen.

Dies soll sich mit der vom Ständerat Erich Ettlin im Jahr 2019 eingebrachten Motion zur Nachzahlung in die Säule 3a ändern. Diese nähert sich der Realisierung. Kern der Motion ist die Möglichkeit für Personen, die aufgrund von Erwerbsunterbrüchen in der Vergangenheit nicht in der Lage waren, Beiträge in die Säule 3a zu leisten, Nachzahlungen vorzunehmen. Im Detail bedeutet dies, dass Beiträge, die nicht in früheren Jahren geleistet werden konnten, nachgezahlt und vom steuerbaren Einkommen im Jahr des Einkaufs vollständig abgezogen werden können. Ab 2025 sollte es dann hoffentlich soweit sein.

Was ist besser, Sparen oder Wertschriften? Oder kann ich beides haben?

Das Sparkonto bietet dir Sicherheit und für die Säule 3a oftmals auch einen etwas besseren Zins als auf herkömmlichen Sparkonti. Allerdings hat dein Geld keine Chance zu wachsen und der Zins gleicht die Inflation möglicherweise gar nicht aus.

Eine Anlage in Wertschriften gibt deinem Geld die Chance zu wachsen, allerdings hast Du dann auch ein entsprechendes Risiko, z.B. wenn sich die Anlage nicht so entwickelt wie erhofft. Da unsere Säule 3a Gelder oft eine sehr lange Zeitdauer haben, ist eine Anlage in Wertschriften vorteilhafter, da bei langen Zeiträumen das Risiko bei Wertschriften entsprechend gemindert werden kann.

Wichtig ist, dass Du eine breit diversifizierte, kostengünstige Anlagemöglichkeit wählst. Du kannst natürlich auch beides haben, z.B. ein Säule 3a-Konto mit sehr geringem Risiko (z.B. nur 5% in Wertschriften) und eines, bei dem du mehr Risiko eingehst.

Kann ich auch mehr oder weniger als den Maximalbetrag pro Jahr einzahlen?

Du kannst jedes Jahr einen beliebigen Betrag bis zum Maximalbetrag in deine Säule 3a einzahlen. Für 2024 ist der Maximalbetrag 7'056 Franken.

Zahlst du mehr als den Maximalbetrag ein, dann wirst du entweder von deinem Anbieter oder der Steuerbehörde aufgefordert, den überschüssigen Betrag zurückzunehmen. Auch wenn du mehrere Säule 3a Konti hast, kannst du nicht mehr als den Maximalbetrag einzahlen, z.B. auf drei Konti 3x 7'000 Franken in einem Jahr.

Zahlst du in einem Jahr nichts oder weniger als den Maximalbetrag ein, dann kannst du im Folgejahr nicht ausgleichen und mehr einzahlen.

Warum sollte ich mehrere Säule 3a Konti / Depots haben und bis zu welchem Betrag?

Mehrere Säule 3a Konti/Depots hat folgende Vorteile:

  • Gestaffelter Bezug, z.B. jedes Jahr ein Konto mindert die Steuerlast beim Bezug da bei der Auszahlung deine Säule 3a zwar mit einem geminderten Steuersatz aber doch progressiv besteuert wird.
  • Du kannst unterschiedliche Strategien für deine Anlage haben, z.B. verschiedene Risiken aber auch verschiedene Themen die du bespielen kannst.
  • Aufteilung auf verschiedene Anbieter möglich.

Viele Menschen haben bis zu 5 Säule 3a Konti/Depots, da du die Säule 3a ordentlich bis zu 5 Jahre vor dem ordentlichen Pensionsalter (60 Jahre) und, falls weiterhin ein Erwerbseinkommen im Sinne der AHV besteht bis 5 Jahre nach dem ordentlichen Erwerbsalter (70 Jahre) beziehen kannst.

Wie gross der Betrag eines Säule 3a Konto sein sollte um «optimal» zu sein hängt etwas von der Steuerprogression ab. Im Internet findet man oft die Empfehlung von 50'000 Franken, allerdings gibt es signifikante kantonale Unterschiede. Um deinen Idealbetrag zu ermitteln lohnt sich ein kurzer Blick auf die Versteuerung deines Kantons, z.B. mit dem Steuerrechner des Bundes.

Ist es einfach, den Anbieter zu wechseln?

Mittlerweile ist es vor allem bei den Online-Anbietern enorm einfach, den Säule 3a Anbieter zu wechseln. In vielen Fällen geht dies digital oder mit einem einfachen handschriftlichen Dokument und sehr schnell.

Alle diejenigen, welche bereits ältere Säule 3a Produkte haben, vor dem Wechsel prüfen, ob bei deinem Fonds allenfalls Verkaufskosten anfallen. Ist dies der Fall, ist dies ärgerlich, jedoch kann die Einsparung an Gebühren bei einem günstigeren Anbieter diese Kosten relativ schnell wettmachen und sich so trotzdem lohnen.

Was passiert, wenn ich bei einem Online-Anbieter bin und dieser Hops geht?

Die Online-Anbieter sind entweder selbst eine durch die FINMA regulierte Bank oder nutzen eine zugrundeliegende Bank, sogenannte Custody Bank. Sollte der Online-Anbieter Pleite gehen, dann übernimmt die zugrundeliegende Bank und du wirst aufgefordert, dein Geld entsprechend umzuziehen oder eine Lösung der Bank zu nutzen.

Wenn du deine Säule 3a in Wertschriften angelegt hast, dann gehören diese Wertschriften dir und du ziehst damit z.B. zu einem anderen Anbieter um.

Wenn du ein Säule-3a-Konto als Sparkonto hast, dann fällt dies nicht unter die CHF 100'000 Einlagensicherung. Es ist jedoch bis maximal CHF 100'000 pro Kund:in und Vorsorge-Stiftung konkursrechtlich privilegiert (zweite Konkursklasse). Bei vielen Kantonalbanken profitieren Säule 3a und Freizügigkeitskonten zusätzlich von einer Staatsgarantie durch den Kanton. Weitere Details findest du bei Moneyland.

Wofür und wann kann ich die Säule 3a wieder beziehen?

Die Säule 3a kannst du vor dem ordentlichen Bezug für deine Vorsorge unter Einhaltung bestimmter Auflagen für folgende Dinge beziehen:

  • Wechsel in die Selbstständigkeit oder Änderung der selbstständigen Erwerbstätigkeit.
  • Finanzierung von selbstgenutztem Wohneigentum.
  • Rückzahlung einer Hypothek.
  • Umzug ins Ausland.
  • Bezug einer vollen IV-Rente (sofern Deine Säule 3a keine Invaliditätsleistungen vorsieht).

Spare ich mit der Säule 3a Steuern?

Du sparst beim Zeitpunkt der Einzahlung Einkommenssteuern, da Du den eingezahlten Betrag entsprechend abziehen kannst. Die Zins- und Kapitalerträge, die sich in der Laufzeit ansammeln, sind während der Laufzeit steuerfrei. Wenn Du die Säule 3a beziehst, dann versteuerst du den angesammelten Betrag mit einem tieferen Steuersatz. Ob und was sich für dich lohnt, kannst du mit einem Steuerrechner berechnen.

Wie Ihr seht, gibt es einige Vorteile an der Säule 3a. Allerdings gibt es auch Stimmen, die sagen, dass ähnliche Resultate auch mit einer ganz normalen breit gefächerten privaten Anlage in Wertschriften erzielt werden könnten, ohne sich so binden zu müssen. Wie habt Ihr das? Habt Ihr eine Säule 3a, Sparen oder Wertschriften und welche Tools nutzt Ihr?💰

Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Danach gründete sie den unabhängigen Finanzbilder SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen anbietet. Seit fünf Jahren schreibt Miler den Blog «MoneyTalks», jüngst erschien ihr erstes Buch «Rich, Richer...Me!», ein humoristischer Finanzratgeber, im Beobachter Verlag.
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39 Kommentare
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Nordkantonler
20.06.2024 16:04registriert September 2020
Was ich hier vermisse, ist eine klare Warnung vor der Verquickung von 3a-Vorsorge und Versicherungen.

Die Verkäufer schwärmen gerne von den wahnsinnigen Renditenchancen und der Absicherung einer damit gekoppelten Versicherung, wer sich jedoch die Rücknahmewerte eines solchen Investments anschaut (weil man z.B. den Anbieter wechseln möchte), wird schnell feststellen, dass er einen Grossteil der Einzahlungen aus dem Fenster wirft.

Eine einfache Regel: 3A NICHT MIT EINER VERSICHERUNG KOPPELN.
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