Wirtschaft
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epa04531198 People walk near a foreign currency exchange office in St. Petersburg, Russia, 16 December 2014. Russian currency dropped to 100 rubles to one euro, more then 25 per cent per a day. Russia's Central bank raised refinancing rate up to 17 per cent per a year (plus 650 basic points).  EPA/ANATOLY MALTSEV

Bild: ANATOLY MALTSEV/EPA/KEYSTONE

Erklärbär

So gefährlich ist die Rubel-Krise für den Weltfrieden

Die Krise in der Ukraine ist teuer, Russland politisch isoliert, Erdöl ist billig geworden und der Wert des Rubels hat sich halbiert: Russland befindet sich in einem perfekten Sturm. Was sind die Folgen für die Geopolitik, die Weltwirtschaft und die Schweiz? Zwölf Antworten auf zwölf wichtige Fragen. 

Womit lässt sich der Absturz des Rubels vergleichen?

Rubel, CHF, Dezember 2013 bis Dezember 2014

Rubel-Kurs in Schweizer Franken seit Dezember 2013. bild: exchangerates.org.uk

Die Ereignisse erinnern an den «Schwarzen Mittwoch» im Oktober 1992. Damals versuchte die Bank of England einen Angriff von Spekulanten auf das Pfund abzuwehren, indem sie die Leitzinsen über Nacht auf 15 Prozent anhob. Ohne Erfolg. Das Pfund wurde abgewertet und musste die europäischen Währungsschlange – den Vorläufer des Euro – verlassen. 

Warum wird ausgerechnet die russische Währung so massiv vom billigen Ölpreis getroffen?

Öl- und Gas sind für rund drei Viertel der russischen Exporte und mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen verantwortlich. Weil es nicht gelungen ist, die Wirtschaft auf den neuesten Stand zu bringen, muss Russland ausser Rohstoffen fast alles importieren, was das Land zum Leben braucht. Beides zusammen macht den Rubel äusserst abhängig vom Ölpreis – und der fällt und fällt. 

Wie kann sich Russland gegen die Rubel-Schwäche wehren? 

Die russische Nationalbank greift zum klassischen Mittel: Sie hat die Leitzinsen über Nacht auf 17 Prozent erhöht. Sie hofft damit, die Flucht in den Dollar und den Euro zu stoppen. Dieses Mittel hat jedoch starke Nebenwirkungen: Hohe Zinsen würgen die Wirtschaft ab, und die russische Wirtschaft befindet sich ohnehin schon am Rande einer Rezession. Zudem hat die russische Notenbank noch Devisenreserven in der Höhe von mehr als 400 Milliarden Dollar.

Wie reagiert die russische Bevölkerung? 

epa04513316 Customers walk on a mall in the shopping center GUM in Moscow, Russia, 03 December 2014. According to Russian Economic Development Ministry forecasts, the Russian economy is expected to enter into recession in the first quarter of 2015 due to Western sanctions and decline in crude oil prices.  EPA/MAXIM SHIPENKOV

Das Warenhaus GUM in Moskau.  Bild: MAXIM SHIPENKOV/EPA/KEYSTONE

Wer Rubel hat, der gibt sie aus. Moskaus Warenhäuser werden mit Panikkäufen geleert. Die grosse Mehrheit der Russen ist jedoch nach wie vor arm und daher von der Rubelschwäche höchstens am Rande betroffen. 

Wer leidet am meisten unter dem schwachen Rubel? 

Die russischen Banken. Sie haben rund 600 Milliarden Dollar Schulden, Dollar wohlverstanden. Weil sich der Wert des Rubels gegenüber dem Greenback halbiert hat, haben sich diese Schulden verdoppelt. 

Wie gefährlich ist die Rubelschwäche für die Weltwirtschaft?

Solange sich die Krise auf Russland beschränkt, besteht wenig Gefahr. Ökonomisch gesehen ist die russische Wirtschaft unbedeutend, das Bruttoinlandprodukt ist gerade mal rund vier Mal grösser als das schweizerische. Die Gefahr lauert an einer anderen Stelle. Die letzte Russlandkrise 1998 hatte zu Folge, dass das amerikanische Hedge Fund Long Term Capital Management ins Schleudern geriet. Das wiederum löste einen Dominoeffekt aus, der beinahe das internationale Finanzsystem zum Einstürzen brachte.



Droht die Gefahr eines Bankenkollaps?

Schwer zu sagen. Man weiss einzig, dass einzelne Banken grosse russische Kredite in den Büchern führen. Dazu gehören die Société Général, die italienische UniCredit und die österreichische Raiffeisenbank. 

Wie steht es um die Schweizer Banken?

Genaues weiss man nicht, doch sie dürften gewarnt sein. Die CS hat bei der letzten Rubelkrise sehr viel Geld verloren. 

Wie ist die Schweizer Wirtschaft betroffen?

Ausser bei Engadiner Hoteliers und Luzerner Uhrenhändlern dürfte sich der Schaden in Grenzen halten. Die Schweizer Exporte betragen rund drei Milliarden Franken (2012), Russland belegt damit in der Exportstatistik bloss Rang 15. 

Wie ist die Weltwirtschaft betroffen? 

Auch hier gilt: Der direkte Schaden ist überschaubar. Gefährlich sind allenfalls ungewollte und nicht kontrollierbare Nebeneffekte. Die Weltwirtschaft hat sich noch lange nicht von der Krise erholt. Der Kollaps einer grossen Bank beispielsweise könnte einen Schock mit unkalkulierbaren Folgen auslösen. 

Was für Folgen hat die Rubelkrise für Präsident Wladimir Putin?

TO GO WITH AFP STORY BY KARIM TALBI AND OLGA ROTENBERG 
(FILES) A file picture taken on May 28, 2014 shows Russia's President Vladimir Putin as he chairs a meeting in the Kremlin in Moscow. For years he played the part of the frosty pragmatist, doggedly set on restoring pride and power to a once-great superpower. Putin's approval ratings soared to 90 percent as he oversaw an outpouring of nationalistic pride long buried under the humiliation of the Cold War's conclusion. Then, on February 27 2014, President Vladimir went rogue. AFP PHOTO/ RIA-NOVOSTI/ POOL /MIKHAIL KLIMENTYEV

Gibt sich unversöhnlich: Präsident Putin.  Bild: RIA-NOVOSTI

Die Annektion der Krim hat Putin zu einem Popularitätshoch verholfen. In Umfragen erhält er eine Zustimmung für seine Politik von über 80 Prozent. Vorläufig muss er sich keine Sorgen machen. 

Wie gefährlich ist die Rubelkrise für den Weltfrieden? 

Russland ist eine Atommacht und wird von einem diktatorischen, unberechenbaren Präsidenten regiert. Zudem verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation täglich. Die Inflation beträgt bereits rund zehn Prozent, eine Rezession droht, die Banken haben faule Kredite in beträchtlicher Höhe in den Büchern. Putin hat als Erneuerer der Wirtschaft versagt. Anstatt sie zu reformieren, hat er sie in die Hände ihm ergebener Oligarchen gelegt. Jetzt braucht er Sündenböcke und beginnt, wie einst Stalin, die Bevölkerung mit einer Propaganda-Walze zu überrollen. So gesehen ist die Gefahr für den Weltfrieden beträchtlich. 

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • jeanclaudevanschwarzennorris 16.12.2014 23:40
    Highlight Highlight Der Putin-Stalin-Vergleich ist ein totaler No-Brainer. Ein weiterer Tiefpunkt der selbsternannten "Russlandexperten", die in den Schweizer Medien ihr Unwesen treiben.
    19 17 Melden
    • Hansjürg Jaggi 17.12.2014 08:13
      Highlight Highlight Hmm, du weisst aber schon, was ein No-Brainer ist?
      13 0 Melden

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