Wirtschaft
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epa05752446 Russian President Vladimir Putin (L) and  Russian billionaire, Shareholder and Chairman of the Board of Directors of Renova Group and Head of Skolkovo Innovation Center, Viktor Vekselberg (R) pose for a picture during a ceremony to present state decorations at the St. Catherine Hall in the Kremlin in Moscow, Russia, 26 January 2017. Vladimir Putin presented a decoration for Beneficence to Viktor Vekselberg.  EPA/ALEXEI DRUZHININ / SPUTNIK / KREMLIN / POOL MANDATORY CREDIT

Viktor Vekselberg mit Wladimir Putin: Der Oligarch erhielt substanzielle Unterstützung vom russischen Staat. Bild: EPA/SPUTNIK POOL

Gesperrte Konten – jetzt will Oligarch Viktor Vekselberg Schweizer Banken verklagen

Zwei Milliarden Franken Privatvermögen des russischen Milliardärs sind in der Schweiz blockiert. Jetzt will er rechtliche Schritte einleiten.

niklaus vontobel / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Viktor Vekselberg hat an allen Ecken und Enden mit den US-Sanktionen zu kämpfen. Wie es aus gut unterrichteten Kreisen heisst, sind rund zwei Milliarden Franken von seinem Privatvermögen auf Schweizer Bankkonten gesperrt. Die Schweizer Banken blockieren das Geld, aus Angst ins Visier der Amerikaner zu geraten.

Doch sind die Konten nach schweizerischem Recht eröffnet und die Gelder in Schweizer Franken angelegt, nicht in Dollar. Der russische Milliardär sieht darum keine rechtliche Grundlage für die Sperrung. Vekselberg hat juristische Schritte gegen die Banken eingeleitet. Die Anwälte arbeiten bereits an zivilrechtlichen Klagen gegen die Banken selber. Gegen die Verantwortlichen in den Banken werden zudem strafrechtliche Klagen erhoben.

«Die Schweizer Banken sind im Clinch», so eine Person aus dem Umfeld von Renova, Vekselbergs Investmentgesellschaft. Einerseits hätten sie in der Schwarzgeld-Affäre unter dem Durchgreifen der Amerikaner gelitten, und würden nun verständlicherweise jegliche Risiken im Zusammenhang mit den Sanktionen meiden. Andererseits sei die Sperrung der Konten nach Schweizer Recht nicht zu rechtfertigen. «Vekselberg hat Verständnis, wenn ein Dollar-Konto einer sanktionierten Person nicht freigegeben wird. Aber ein Schweizer Konto, in Schweizer Franken – das versteht niemand und zeigt, wie mit Kunden in solchen Fällen umgesprungen wird.»

Nicht nur Vekselbergs Privatvermögen ist von Schweizer Banken blockiert. Einige Tage lang verwehrte eine Gruppe von Banken, darunter UBS und Credit Suisse, dem russischen Milliardär auch den Zugriff auf grosse Aktienpakete. Derzeit sind Vekselbergs Beteiligungen an den Schweizer Industriefirmen Sulzer, OC Oerlikon und Schmolz+Bickenbach noch von der Credit Suisse gesperrt. «Renova wagt keine Prognose, wann sie frei gegeben werden. Nach Schweizer Recht müssen sie es längst sein. Aber nach Schweizer Recht müssen die Banken auch die privaten Konten von Vekselberg in Schweizer Franken und Euro längst freigegeben ha ben», so eine Person aus seinem Umfeld.

Die Aktienpakete wurden verpfändet als Sicherheiten für zwei Kredite, die Vekselberg von einer Gruppe westlicher Banken erhalten hatte, darunter die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse. Am 6. April veröffentlichte das US-Finanzministerium jedoch Sanktionen gegen sieben russische Oligarchen: Den amerikanischen Banken war damit jedweder geschäftliche Umgang mit Vekselberg untersagt, die beiden Kredite müssen bis zum 5. Juni aufgelöst sein. Vekselberg musste innert Wochen rund eine Milliarde Franken zurückzahlen.

Am Gängelband der Banken

Die Rückzahlung beider Kredite war am letzten Wochenende abgeschlossen, zwei Wochen vor der Deadline am 5. Juni. Danach hätte die Gruppe westlicher Banken die verpfändeten Aktien rasch freigeben müssen, das wäre zumindest das übliche Vorgehen. Doch sie weigern sich bislang, Renova hat nur auf einen Teil wieder Zugriff. Die Credit Suisse blockiert die Aktien bislang komplett. Die rechtlichen Folgen sind unklar. Kann Vekselberg beispielsweise seine Stimmrechte auf die Aktien noch ausüben? «Das sind knifflige Fragen. Klar ist, dass Renova derzeit am Gängelband der Credit Suisse hängt», sagt eine Person aus dem Renova-Umfeld. Glücklicherweise für die betroffenen Industriefirmen Sulzer, OC Oerlikon und Schmolz+Bickenbach haben alle drei ihre Generalversammlungen von 2018 bereits hinter sich, die Verwaltungsräte sind gewählt und die Unternehmen demnach funktionsfähig.

Alternativ hatte Vekselberg angeboten, die zwei Kredite aus seinem Privatvermögen von zwei Milliarden zurückzuzahlen, die sich auf Schweizer Bankkonten befinden. «Ihr könnt das Geld aus meinem Privatkonto nehmen», schlug der Milliardär den Schweizer Banken vor. Doch ihm sei von den Schweizer Banken beschieden worden: «Das geht nicht, das Geld ist blockiert.» Gemäss Angaben von Renova wurden die Schulden dann teils aus eigenen Mitteln getilgt und teils aus Krediten russischer Banken.

Hilfe vom russischen Staat habe Renova bei der Ablösung der Kredite nicht erhalten, betont Sprecher Andrey Shtorkh. «Wir hatten nie die Absicht, vom russischen Staat finanzielle Hilfe zu beantragen. Dementsprechend haben wir auch keine solche Hilfe erhalten.» Auch die Kredite von russischen Banken seien zu «marktüblichen Konditionen» erteilt worden, so Shtorkh. Renova legt offensichtlich Wert darauf, auch nur den Anschein zu vermeiden, man sei bevorzugt behandelt worden.

Putin würde nur laut lachen

Russische Medien hatten berichtet von Aussagen des russischen Finanzministers Anton Siluanov. Russlands Regierung habe substanzielle finanzielle Unterstützung für Vekselberg beschlossen. «Er wurde schon vor einer Woche unterstützt. Über Grössenordnungen will ich nicht sprechen», wurde Siluanov zitiert. Auch von einer Liste möglicher Hilfsmassnahmen wurde öffentlich, die Vekselberg dem russischen Staat geschickt habe. Die Medienberichte legten nahe, dass der russische Staat auch bei der Ablösung westlicher Kredite mitgeholfen hatte.

Im Umfeld von Renova dagegen heisst es, der russische Präsident Vladimir Putin hätte wahrscheinlich nur laut gelacht, wenn Vekselberg ihn für seine Schweizer Investitionen um Hilfe gebeten hätte. Vekselbergs ausländische Investitionen waren toleriert worden, aber nie auf Gegenliebe gestossen. Putin habe im Gegenteil einige Male angemahnt, die Oligarchen sollten eigentlich ihr Geld in Russland investieren.

Vekselberg habe daher mit seinen ausländischen Investitionen immer einen Seiltanz aufführen müssen: erst etwas Gutes für Russland tun, später dann wieder im Ausland investieren. Der russische Präsident hat schon manchen Oligarchen öffentlich abgekanzelt, gegen ihn Untersuchungen eingeleitet, unter Hausarrest stellen oder teilweise zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilen lassen.

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 27.05.2018 05:13
    Highlight Highlight Putin würde über die meisten Kommentare zu diesem Artikel laut lachen. Da stellen sich die Linken tatsächlich fast ausnahmslos hinter einen skrupellosen, milliardenschweren russischen Oligarchen und verteidigen ihn mit Klauen und Zähnen, obwohl sie im Vergleich zu ihm nur kleine, armselige Mäuschen sind, die um ihre Jobs und um ihre AHV bangen müssen. 🙈👎🏾😆👻
  • redsnapper 26.05.2018 17:12
    Highlight Highlight bei uns in der schule wurde uns gesagt, die schweiz sei ein souveräner staat...
  • Jättelattejaterö 26.05.2018 14:25
    Highlight Highlight Das waren noch Zeiten als die Bänkler noch Eier hatten. Heute zittern sie vor den USA und liefern alles was sie wollen. Traurig.
  • N. Y. P. D. 26.05.2018 12:21
    Highlight Highlight Ist dieser Vekselberg eigentlich
    Schweizer ?

    Man müsste sich ja schämen, falls es so wäre.
    • Jättelattejaterö 26.05.2018 14:46
      Highlight Highlight Warum?
    • N. Y. P. D. 26.05.2018 16:10
      Highlight Highlight Noch 1991 besass er 0 Vermögen. Durch Einfluss, An- und Verkäufe von Firmen Geklüngel mit diversen Politikern (u.a. Putin) brachte er es zu 15 Milliarden Dollar Vermögen.

      Er stellte bisher nichts Produktives her. Baute keine Firmen auf. Nur über Beteiligungen bekommt er Einfluss.

      Nein, es gibt nichts, worauf er stolz sein könnte.

      Er hockt aus Steuergründen in der Schweiz und hofft, dass wir ihm helfen, weil er im Visier der Amerikaner ist.

      Nein, von mir aus darf er wieder gehen.

      Danke.
    • Oberon 26.05.2018 18:04
      Highlight Highlight @N. Y. P.
      Seine Leistung wird es sein das er noch am leben ist.
      Aber du hast schon recht, wahrscheinlich grösstenteils Geld von den russischen Bürgern.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Angelo C. 26.05.2018 11:54
    Highlight Highlight Wo er recht hat, hat er recht, zumal die Erträge grossteils auch aus Einnahmen bei Schweizer Firmen resultieren.

    Bleibt zu hoffen, dass sich auch die EU im Zuge der US-Iran-Sanktionen gegen diese unsäglichen Erpressungsmethoden dieses römischen Reiches des 20./21. Jh. entschlossen zur Wehr setzen, wenn dies auch vorerst viel Geld und Einbussen bedeuten könnte!

    Es ist eine Schande, wie sich diese US-Raubritter gegenüber ihren Vasallen verhalten - aber solange diese sich oekonomisch und politisch bis zum geht nicht mehr erpressen und vorführen lassen, haben sie auch nix anderes verdient 🤔!

    • Angelo C. 26.05.2018 18:51
      Highlight Highlight Man kann immer was unternehmen, wenn man vorübergehende oekonomische Einbussen um der Freiheit und Souveränität Willen nicht scheut, den Mut zum Widerstand besitzt.

      Die EU und die Schweiz sollten sich im Falle von US-Sanktionen gegen ihre Wirtschaft vermehrt China zuwenden und ihre kontraproduktiven Sanktionen gegen Russland endlich sukzessive wieder aufheben (die wegen Skripal jedenfalls allemal) und das Land als wichtigen Teil Europas begreifen, statt sich in der Totale den USA auszuliefern.

      Bleibt zu hoffen, dass sich diese realpolitischen Überlegungen allmählich durchzusetzen beginnen

    • bebby 27.05.2018 03:56
      Highlight Highlight John Carter mag recht haben, was die Wichtigkeit der Volkswirtschaft angeht, aber die USA verspielt damit sehr viel Goodwill und wird es inskünftig sehr schwer haben, irgendwelche Staatsverträge abzuschliessen, weil das Vertrauen fehlt. Splendid Isolation.
      Mit dieser Haltung ist der wirtschaftliche Abstieg vorprogrammiert.
      Das einizig Positive daran ist, dass den USA irgendwann das Geld für ihre übergrosse Armee und deren Abenteuer ausgehen wird. Aber vermutlich erst dann, wenn der Sozialstaat auf Null abgebaut wurde.
  • Wenzel der Faule 26.05.2018 10:56
    Highlight Highlight Hoffentlich gewinnt er den Rechtsstreit, nur weil die USA wiedermal irgendwelche Sanktionen beschliesst muss nicht gleich die ganze Welt blindlings hinterherlaufen.
    So verdirbt sich die Schweiz als Finanzplatz seine Kunden aus aller Welt.
    Auf die Amis könnte man wohl eher verzichten als Russland, Indien, China usw. Nur schon was die Amis für einen Mehraufwand für die Banken generieren ist absurd.
    Seit wann sind wir eine amerikanischer Kolonialstaat?
  • Gubbe 26.05.2018 10:46
    Highlight Highlight Gern hat man Herrn Vekselberg mit seinem Geld genommen. Nun da Trump mit seiner leicht irrationalen Politik dazwischen funkt, beugen sich alle, voran die Banken, wieder. Gut , mag den Typen Trump nun mal nicht, vielleicht hat auch er Gutes, aber wo? Eigentlich geht es mir wie dem Kommentar Lusch, Amerika glaubt sich als Führernation und knechtet andere.
  • tomdance 26.05.2018 10:04
    Highlight Highlight Die Banken werden reagieren, sobald sie aus dem Allerwertesten der US-Regierung herausgekrochen sind. Ich bin beileibe kein Freund von Vekselberg oder von Putin. Aber ich bin ein Freund der Rechtsstaatlichkeit. Und diese scheint hier von unsere, teilweise mit Volksvermögen geretteten, Banken miserabel behandelt zu werden.
  • CASSIO 26.05.2018 10:03
    Highlight Highlight recht hat er. die schweizer banken luschen weiter rum. verabschiedet euch doch endlich vom us markt und setzt vollständig auf asien.
  • FrancoL 26.05.2018 09:26
    Highlight Highlight Der Artikel ist wohl eher etwas einseitig geschrieben. Fakten gibt es kaum ausser Aussagen der Ronova Seite.
    Leider muss ich sagen, denn es wäre dienlich genau zu wissen, ob die Banken kuschen oder auch rechtlich die Karten iO haben.

    so werden nur Spekulationen alimentiert und Verallgemeinerungen gestützt.
  • bebby 26.05.2018 09:25
    Highlight Highlight Es ist wohl allen klar, dass dieses Verhalten der Schweizer Banken den „safe haven“ Charakter der Schweiz negiert. Und ich dachte immer, die Schweiz sei ein neutrales Land.
    Vermutlich wird sich ein manches UHNW-Individuum gut überlegen, ob sein Geld in der Schweiz oder bei einer Schweizer Bank noch sicher ist. Es gibt immer Alternativen.
    Damit möchte ich keinen Oligarchen in Schutz nehmen, aber in diesem Fall ist das Ganze rein politisch motiviert. Vekselberg wurde ja nicht von einem Gericht verurteilt oder so.
    Da wir in einem Rechtsstaat leben, werden diese Gelder wieder freigegeben werden.
  • Lusch 26.05.2018 09:15
    Highlight Highlight Er soll sie nur verklagen, denn er hat recht. Diese dauernde Kuscherei vor den Amis geht mir nicht erst seit dem verrückten Donald Trump auf den Zeiger.
    • Miranmao 26.05.2018 11:17
      Highlight Highlight Kuschen vor den Amis, kuschen vor der EU... Ich kann's auch schon lange nicht mehr hören. Was ist bloss aus unserem einst so selbstsicheren, stolzen Land geworden?
    • bebby 27.05.2018 04:00
      Highlight Highlight An der Spitze der Banken sitzen keine Unternehmer mehr, sondern Manager. Wieso sollen die ein persönliches Risiko eingehen? Da ist doch das Problem. Ein Unternehmer hätte allerdings von vorneherein seine Bedenken gehabt, nicht erst danach. Aber dafür braucht man eine langfristige Sicht.

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