Wirtschaft
Schweiz

Schweizer Arbeitsmarkt: Mehr Kündigungen in der Pharma und bei Managern

Jahre des Wachstums im Schweizer Arbeitsmarkt vorbei

Die Jahre des Wachstums am Schweizer Arbeitsmarkt sind laut dem Personalunternehmen Rundstedt vorbei. Im Jahr 2023 wurden wieder wesentlich mehr Restrukturierungen, Abbauprojekte und Kündigungen vorgenommen.
23.01.2024, 06:3723.01.2024, 08:49
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«Nachdem die Jahre 2021 und 2022 ganz im Zeichen des Wirtschaftswachstums nach Corona standen, hat sich der Arbeitsmarkt im 2023 wieder etwas normalisiert», hiess es in dem am Dienstag publizierten Arbeitsmarkt-Barometer von Rundstedt.

Unternehmen hätten wieder vermehrt kleinere und grössere Abbau- oder Umbauprojekte durchgeführt, erklärte der Outplacement-Spezialist.

Entlassungen in der Pharmabranche – überraschend wenige in Finanzbranche

Dabei haben die Firmen auch Überkapazitäten abgebaut. Besonders Arbeitnehmende in der Pharmabranche waren laut Rundstedt wieder vermehrt von Kündigungen betroffen. Mit 30 Prozent aller Entlassungen stand der Pharmasektor im Branchenvergleich an der Spitze.

«Die Pharmabranche spürt den zunehmenden Druck vom Ausland und baut entsprechend Kapazitäten in der Schweiz ab», hiess es dazu in der Mitteilung. Im Jahr 2022 entfielen erst 26 Prozent der Kündigungen auf diesen Sektor, 2021 waren es nur 17 Prozent.

«Überraschend klein» sei hingegen die Entlassungsquote im Finanzsektor. Mit nur 15 Prozent habe die Branche 2023 weniger Kündigungen ausgesprochen als erwartet.

Da die Redimensionierung im Nachgang der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS aber erst 2024 wichtig sichtbar werden dürfte, könne sich dies in den nächsten Monaten noch ändern.

Management am stärksten betroffen

Vor allem auf Managementebene seien mehr Kündigungen ausgesprochen worden. Zwar entfielen mit 37 Prozent immer noch über ein Drittel aller Entlassungen auf nicht operative Funktionen.

Bei den höheren Führungskräften stieg der Wert aber auf 17 Prozent, nach 12 Prozent im Vorjahr. Im Management stieg der Wert sogar auf 34 Prozent, nach 23 Prozent im Vorjahr.

Derweil habe sich der branchenübergreifende und vor allem auf konjunkturelle Faktoren zurückzuführende Fachkräftemangel wieder etwas beruhigt. Der strukturelle Fachkräftemangel in gewissen Branchen und Berufsfeldern bleibe aber nach wie vor «kritisch».

Der Arbeitsmarkt-Barometer 2024 von Rundstedt basiert auf Angaben von insgesamt 2182 von einer Kündigung betroffenen Mitarbeitenden. Dazu kommen Daten von 223 Unternehmen, die 2023 Kündigungen aussprachen. (sda/awp)

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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Walter-Brock Miami-FM
23.01.2024 07:02registriert August 2023
Warum wird der Begriff "Normalisiert" verwendet im Zusammenhang, dass arbeitenden Personen gekündigt wird? Viele davon haben Familien und bei jeder dieser Kündigungen sind direkt Kinder mitbetroffen. In der Summe soll der Bericht sagen, dass der Wahnsinn weiter geht und uns dies als Normal verkauft wird. Der Stress aus Corina Zeiten wurde nie mehr abgebaut, die Schraube wird weiter angezogen. In den meisten Betrieben machen heute 5 Leute die Arbeit, für sie es vor 10 Jahren 8 gebraucht hat. Kein Wunder steigen die Gesundheitskosten.
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c_meier
23.01.2024 07:44registriert März 2015
Und ich dachte es gibt Fachkräftemangel?
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Rethinking
23.01.2024 07:51registriert Oktober 2018
Leider trifft es meist die falschen Manager…

So sind Teamleiter (sofern msn die als Manager betrachtet) oft sehr unter Druck und im Sandwich zwischen Politik und Machtgehabe oben und den Mitarbeitenden ein gutes Umfeld zu bieten…

Oft müssen Teamleiter den ganzen Mist kompensieren und die Mitarbeitenden davon abschirmen, der weiter oben aus purem Egoismus produziert wird…

Daher: Würde man alles über den TL abschaffen, liefe es wohl viel geschmeidiger und motivierter…
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