Wirtschaft
Schweiz

Bericht der PUK zur Credit Suisse hat ergeben: Alle haben weggeschaut

Kommentar

Die drei Äffchen und das CS-Trauerspiel

Nun liegt der langerwartete Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) vor. Es wäre gut, läsen ihn alle. Denn bei der nächsten Bankenkrise gibt es vielleicht kein Happy End mehr.
20.12.2024, 19:5120.12.2024, 19:51
Florence Vuichard / ch media
Der Bericht der PUK liegt auf dem Tisch, kurz vor Beginn einer Medienkonferenz ueber die Ergebnisse der Parlamentarischen Untersuchungskommission PUK zum Fall der Credit Suisse, am Freitag, 20. Dezemb ...
Am Freitag wurde die Pressekonferenz der PUK abgehalten.Bild: keystone

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Die Credit-Suisse-Manager haben sich wie die berühmten drei japanischen Affen ziemlich unbeschadet durch die Krise gemogelt – und das nicht nur in den dramatischen letzten Monaten, sondern vorher schon.

«Beim nächsten kollektiven Wegschauen könnte die Sache nicht so glimpflich ausgehen.»

In ihrem Selbstverständnis haben sie alles richtig gemacht, davon zeugen auch ihre Aussagen bei der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK): Man hätte ihnen einfach noch mehr Ausnahmen gewähren sollen, dann wäre alles gut gekommen. Weder die Milliarden-Bussen, die sie über die vergangenen Jahren zahlen mussten, noch der Umstand, dass zwischendurch auch mal einer aus ihren Reihen seinen Stuhl räumen musste, schienen die CS-Manager zu beunruhigen. Ebenso wenig wie die Verwaltungsräte der untergegangenen Bank oder die Aktionäre, die diese Jahr für Jahr wiedergewählt hatten.

Weggeschaut hat auch die Überwachungsbehörde, die Finanzmarktaufsicht. So forderte sie zwar besseres Personal für den CS-Verwaltungsrat, liess sich dann aber mit abschlägigen Antworten abspeisen. Genau hinschauen mochte auch die Nationalbank nicht, schliesslich wollte sie nicht in den Schlamassel hineingezogen werden.

Wenig Interesse an dem sich abzeichnenden CS-Debakel zeigte der Gesamtbundesrat. Zwar hat der frühere Finanzminister Ueli Maurer seine Kollegen sehr selten und nur mündlich und «summarisch» informiert. Doch die anderen hätten auch mal nachfragen können. Spätestens im dramatischen Oktober 2022 wurde jedem Zeitungsleser klar, dass es schlecht stand um die Schweizer Traditionsbank. Als Maurer die für den 4. November versprochene CS-Bundesratssitzung wieder absagte, war das dem Restgremium offensichtlich auch recht. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Dennoch: Die CS konnte letztlich geregelt, innerhalb der UBS abgewickelt und eine Finanzkrise abgewendet werden. Deshalb stellt die PUK der Regierung und den Behörden ein grundsätzlich gutes Zeugnis aus. Die Kritikpunkte sollten die verschiedenen Stellen jedoch ernst nehmen. Beim nächsten kollektiven Wegschauen könnte die Sache nicht so glimpflich ausgehen. (aargauerzeitung.ch/lyn)

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bort?
20.12.2024 20:44registriert Dezember 2018
Trifft den Nagel auf den Kopf. Und wenn man bedenkt dass die involvierten Personen als "Elite" galten...

Amscheinend hat die CS in +/- 10 Jahren 33mrd Verlust geschrieben und dabei 39mrd Boni ausgeschüttet...finde den Fehler. Selbstbedienungsladen!

Ich vermisse die Patrons früherer Tage.
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Frank N. N. Stein
20.12.2024 21:28registriert August 2022
Ein Zeichen der Zeit: kombiniertes Regierungs- und primär Managementversagen. Wofür wird all diesen Leuten das ganze Geld mit der Schneeschaufel hinterhergeworfen? Ach ja, das schanzen sie sich ja gegenseitig zu.
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001243.3e08972a@apple
20.12.2024 21:27registriert Juli 2024
Was ist mit der ‚Führungsetage‘ der CS?
Während ihr Schiff auf Grund lief haben sie selbstverliebt Boni ausbezahlt (und dazu das GANZE Tafelsilber verscherbelt) und den Arbeitskollegen nachspioniert.
Weisseweste Ursli war am Apero mit Schatzi.
Tidji mit Anwalt wegen Nachbarstreit.
Der VR mit Sewerin Schwan war untätig.
Der Aktionär hat zugeschaut wie er ausgehöhlt wird.
Dann kommt irgendwann Ueli, der Velofahrer.
Sein Verhalten war dumm, hat aber nur geschätzte 1% zur Dummheit zugetragen.
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