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Nach schnellem Wachstum «totales Chaos»: Planted baut Stellen ab

Unverkennbar violett – die Fleischersatz-Produkte von Planted.
Unverkennbar violett – die Fleischersatz-Produkte von Planted.Bild: IMAGO

Nach schnellem Wachstum «totales Chaos»: Planted baut Stellen ab

21.04.2026, 16:1822.04.2026, 12:40

Der Fleischersatzhersteller Planted hat seine Belegschaft in den letzten Monaten reduziert. Besonders auf Führungsebene häuften sich die Abgänge. Das Unternehmen spricht von einer Massnahme zur Steigerung der Effizienz.

«Selten so was erlebt», schreibt eine Person auf der Bewertungsplattform Kununu. Sie war bis 2025 beim ETH-Spin-off Planted beschäftigt. Mitarbeitende würden im Quartalsupdate von gekündigten Arbeitskolleginnen und -kollegen erfahren, heisst es.

Auch andere ehemalige Mitarbeitende berichten von «regelmässigen Entlassungswellen». Sie fordern, dass die Strategie überdacht wird, «damit nicht ständig Leute entlassen werden müssen, die erst kürzlich eingestellt wurden». Es herrsche mittlerweile «eine Angstkultur». Weitere sprechen von «totalem Chaos», «schlechter Stimmung», einer «schlechten finanziellen Situation».

Erfahrene Mitarbeitende ersetzt

Mehrere Führungskräfte haben das Unternehmen in den vergangenen neun Monaten verlassen. Zu ihnen zählen die ehemalige Kommunikationschefin, die Nachhaltigkeitsverantwortliche, die Qualitätsleiterin, die Marketing-Schweiz-Chefin sowie der Schweizer Produktionschef, wie aus LinkedIn-Profilen hervorgeht.

Blick in die Produktion von planted. Produkten der Planted Foods AG, fotografiert am 26. August 2021 in Kemptthal, Kanton Zuerich. Die Planted Foods AG produziert im Kemptthal aus pflanzlichen Rohstof ...
Auch in der Produktion wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen.Bild: KEYSTONE

Laut ehemaligen Beschäftigten ist das kein Zufall: «Aus Kostendruck wurden viele erfahrene Mitarbeitende durch junge Unerfahrene ausgetauscht oder gar nicht ersetzt», sagt eine Person, die anonym bleiben will, der Nachrichtenagentur AWP. Grund dafür seien unter anderem die hohen Kosten für eine neue Fabrik in Deutschland, die im vergangenen Jahr eröffnet wurde.

Die Situation der Mitarbeitenden hat jüngst auch die Gewerkschaftszeitung «Work» kritisiert. Demnach hat Planted ein Angebot der Unia für eine Sozialpartnerschaft abgelehnt. Die Führung habe «kein Interesse an einem Dialog» gehabt.

Planted beschäftigt laut der Zeitung derzeit rund 219 Vollzeitstellen. Ende März 2025 waren es laut eigenen Angaben noch 250 Vollzeitstellen. Es wurden also 31 Vollzeitstellen oder zwölf Prozent gestrichen. Eine Massenentlassung (ab 10 Prozent der Belegschaft) meldete das Unternehmen nie.

Strukturen überprüft

«Nach mehreren Jahren sehr schnellen Wachstums haben wir unsere Organisation im letzten Jahr gezielt weiterentwickelt und an die nächste Phase angepasst», sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Dabei seien Strukturen überprüft und Prioritäten geschärft worden.

«Das beinhaltete auch personelle Entscheidungen, die uns nicht immer leicht gefallen sind», betonte die Sprecherin. Das Unternehmen sei nun «effizienter aufgestellt» und für nachhaltiges Wachstum gut positioniert. Die Nachfrage nach den veganen Produkten sei zudem weiterhin stark.

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Die Gründung von Planted war eine Erfolgsgeschichte: Das Unternehmen startete 2019 mit dem Fokus auf vegane Fleischalternativen – und sprang damit auf einen Hype auf. Das Start-up sammelte insgesamt rund 115 Millionen Franken ein. Zu den Geldgebern zählen der Unternehmer Stephan Schmidheiny, der Schweizer Nati-Goalie Yann Sommer und der US-Investor L Catterton.

Zuletzt flachte der Vegi-Hype aber wieder ab. Laut Branchenbeobachtern geht die Nachfrage in Restaurants tendenziell zurück, während das Geschäft im Detailhandel von Margendruck und Verdrängungskampf geprägt ist. Die Planted-Vertreiber Coop und Migros haben etwa auch eigene, günstigere Fleischersatzprodukte im Sortiment. Der Markt ist gemäss Experten in einer Konsolidierungsphase.

Politischer Gegenwind

Dazu kommt politischer Gegenwind: Das Bundesgericht entschied im vergangenen Mai, dass rein pflanzliche Ersatzprodukte nicht mit Tierbezeichnungen wie «Poulet» beworben werden dürfen – Planted musste daraufhin seine Verpackungen anpassen.

Fleischersatz aus pflanzlichen Rohstoffen der planted. Linie braten in einer Bratpfanne, fotografiert am 26. August 2021 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
In der Pfanne sieht es aus wie Fleisch.Bild: KEYSTONE

Planted produziert seit 2021 im Zürcher Kemptthal. Im Juni 2025 wurde eine zweite Fabrik im bayerischen Memmingen eröffnet. Diese sollte die Produktionskapazität verdoppeln und über 50 neue Arbeitsplätze schaffen. Laut der Sprecherin befindet sich der Grossteil der Mitarbeitenden weiterhin in der Schweiz.

Seinen Umsatz erzielt das Unternehmen zur Hälfte im Detailhandel und zur anderen Hälfte in Restaurants. Die Produkte sind in der Schweiz, Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Frankreich und Grossbritannien erhältlich. (nil/sda/awp)

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