Wirtschaft
Schweiz

Dropshipping: Schweizer Anbieter erzählt vom Geschäft mit Billigimporten

Gemäss einer Studie werden 28 Prozent aller Pakete aus dem Onlinehandel zurückgesendet.

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Nebst etablierten Herstellern und Onlineshops bieten immer mehr kleinere, private Anbieter Waren in eigenen Onlineshops zum Verkauf an. Bild: chris iseli

Der Traum vom schnellen Reichtum mit Billigimporten – ein Dropshipper erzählt

19.06.2026, 17:2008.07.2026, 15:39

Dropshipping, ein Konzept, das jedem und jeder innert kürzester Zeit verspricht, aus dem Hamsterrad des Nine to Five auszusteigen und sein eigener Chef oder seine eigene Chefin zu werden. Alles, was DIY-Entrepreneure von heute brauchen, ist ein Computer, ein paar YouTube-Tutorials und wenig Skrupel.

Denn das Geschäftsmodell beruht auf dem einfachen Prinzip, Billigware im Ausland einzukaufen und diese daraufhin teurer weiterzuverkaufen. Während sich dieses Konzept im Grunde kaum von der Geschäftspraxis grosser Detailhändler unterscheidet, entfällt dabei im Vergleich zu diesen die Qualitätskontrolle der Ware oft komplett. Denn die Produkte gelangen direkt vom Produzenten zum Endverbraucher. Wer also einen solchen Online-Shop betreibt, muss sich nicht um die Lagerung oder den Versand kümmern.

Was für die Unternehmerinnen und Unternehmer von morgen ein hervorragender Business Case ist, sorgt an den jeweils anderen Enden der Lieferketten oft für Ärger bei den Käuferinnen und Käufern sowie für ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in den Fabriken der Billigproduzenten.

Social Media als Einstieg ins Geschäft

Interviews mit Personen, die eine Dropshipping-Seite betreiben und Einblicke in ihr Geschäft sowie ihren persönlichen Ansporn geben, sind daher auch eher rar. Dem «Beobachter» ist es nun gelungen, mit einem jungen Dropshipping-Anbieter zu sprechen. Dies, nachdem das Verbraucherschutzmagazin ihm mitgeteilt hatte, dass sein Online-Shop aufgrund diverser Beschwerden auf die «Beobachter»-Warnliste kommt.

Der Anbieter, der aus Angst vor beruflichen Konsequenzen anonym bleiben möchte, erzählt im Interview, dass er über einen deutschen Influencer auf das Geschäftsmodell gestossen sei. Auf dessen Videos ist das zu sehen, was der Schweizer Dropshipping-Anbieter das «Traumleben eines jeden Mannes zwischen 18 und 40 Jahren» nennt, ein Leben im Luxus mit der Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten.

Aussichten, die ihn beflügelten. Die Algorithmen der sozialen Medien sorgten daraufhin für den Rest: «Wenn man einmal auf Insta oder TikTok so ein Video anschaut, wie der am Strand Geld verdient, ist plötzlich die ganze Startseite voll mit solchen Inhalten. Das hat etwas mit mir gemacht.»

«Qualitätskontrolle» nach drei Verkäufen

Mittlerweile betreibt er seit eineinhalb Jahren einen Onlineshop, vertreibt Kleidung, Uhren, Sonnenbrillen und Lampen. Auf der Website Trustpilot wird die Seite mit 2,4 Sternen bewertet, diverse Kundinnen und Kunden beklagen sich über die mangelnde Qualität der Ware, lange Lieferzeiten sowie Probleme bei Rücksendungen und Rückerstattungen.

Auf die Kritik angesprochen, entgegnet der Schweizer Anbieter, dass er sich nicht dafür schämen würde, Dropshipping zu betreiben, schliesslich sei dies legal in der Schweiz. Er habe jedoch festgestellt, dass die grösste Kunst sei, gute und verlässliche Lieferanten zu finden: «Viele unserer Produkte kommen aus China, das legen wir offen. Meine Strategie ist es, die Lieferanten aus dem Sortiment zu nehmen, die schlechte Produkte liefern und langsam sind.»

Angesprochen auf die fehlenden Qualitätskontrollen erklärt er, dass wenn ein Produkt mehr als dreimal verkauft wurde, er sich ein Video des Herstellers schicken lasse, auf dem das Produkt gezeigt werde. Dass dabei drei Personen Gefahr laufen, ein mangelhaftes Produkt zu erhalten, und dementsprechend seinen Shop schlecht bewerten würden, das nehme er in Kauf. Auch dessen, dass die Produktvideos Fake sein könnten, ist er sich bewusst, umso wichtiger seien eben gute Lieferantenbeziehungen.

«Ich will nicht auf Kosten anderer mein Glück machen»

Ob beim Thema Rückerstattung, Versand oder Herkunft der Ware, er würde seiner Kundschaft nichts vormachen, schliesslich seien die Konditionen alle transparent in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen nachzulesen. Diese habe er mithilfe von KI erstellt und anschliessend von einem deutschen Juristen prüfen lassen, was deutlich günstiger sei, als wenn ein Schweizer Jurist sich dies angeschaut hätte.

Die negativen Bewertungen würden nicht einfach an ihm abprallen, so der Anbieter gegenüber dem «Beobachter»: «Es ist ein Antrieb, um schnell besser zu werden. Ich will nicht auf Kosten anderer mein Glück machen. Ich will aus Fehlern lernen.» Dabei investiere er mehrere Stunden Arbeit pro Tag in sein Geschäft, dies neben seinem Vollzeit-Job.

Ein ambitioniertes Pensum, das ihm pro Monat aktuell 2500–3000 Franken zusätzlich einbringe. Ansporn genug, um auf Freizeit und Urlaub zu verzichten, ihm gehe es jedoch vor allem um die Erfahrungen, die er mache: «Ich lerne, wie man eine Brand aufbaut, wie man Kunden betreut, wie man Kontakte zu Lieferanten pflegt und – jetzt gerade – Medienarbeit macht.» (jul)

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