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Preisschock an der Tankstelle – wie sich der Benzinpreis nun entwickelt

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Wer einen Verbrenner fährt, muss steigende Kosten hinnehmen.Bild: KEYSTONE

Preisschock an der Tankstelle – wie sich der Benzinpreis nun entwickelt

Autofahrerinnen und Autofahrer müssen sich auf weiter steigende Preise einstellen. Das hat mit weltweiten Konflikten zu tun – aber auch mit dem Wasserstand auf dem Rhein.
06.04.2024, 19:37
Stefan Ehrbar / ch media
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Für einen Liter Benzin der Sorte Bleifrei 95 bezahlen Autofahrerinnen und Autofahrer in der Schweiz derzeit im Durchschnitt 1.90 Franken. Das zeigt der aktuelle Benzinpreis-Index des Touring-Club der Schweiz (TCS). In den vergangenen Wochen ist dieser Wert stetig gestiegen und erreicht nun wieder so hohe Werte wie zuletzt im vergangenen Herbst.

An einzelnen Tankstellen werden noch höhere Preise verlangt. Das zeigt die Tankstellen-Karte des TCS. Auf der A1-Raststätte im aargauischen Würenlos werden demnach 1.96 Franken pro Liter Bleifrei 95 fällig. Denselben Preis verlangt eine Tankstelle auf der A1 beim Grauholz in Bern. Mit 2.29 und 2.37 Franken pro Liter knacken zwei Tankstellen entlang der Gotthard-Autobahn in Airolo und Piotta im Kanton Tessin gar die Zwei-Franken-Marke – und sie sind keine Einzelfälle.

Und die gute Nachricht?

Auf der anderen Seite der Preis-Skala verlangt die derzeit günstigste Tankstelle in Moutier BE 1.65 Franken.

Die gute Nachricht für Autofahrer ist also: Vergleichen lohnt sich. Die schlechte ist, dass die Preise im Durchschnitt weiter steigen dürften. Am Freitag knackte die wichtige Ölsorte Brent erstmals seit dem 27. Oktober wieder die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel (entspricht 159 Litern).

Eine Rolle spielen dürfte die Furcht vor einer weiteren Eskalation des Nahost-Konflikts. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Donnerstagabend für den Fall eines Angriffs des Irans auf sein Land mit Konsequenzen gedroht. Zuvor hatte der Iran Vergeltung für einen mutmasslich israelischen Luftangriff auf ein Gebäude seiner Botschaft in Damaskus angedroht.

Warum steigt der Preis?

Der Franken schwächt sich ab

Dass sich die Weltpolitik auch an der Zapfsäule bemerkbar macht, ist kein neues Phänomen. Sie ist aber nicht der einzige der Faktoren. Diese seien vielfältig, heisst es in einer aktuellen Analyse der Schweizer Firma Moveri, welche hierzulande die Tankstellen von BP, Ruedi Rüssel und Miniprix betreibt. Im Text vom Donnerstag heisst es, die Erwartung bleibe «bullish»: Es dürfte weiter nach oben gehen mit dem Ölpreis.

Neben dem Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas in Gaza spiele auch die weltweite Drosselung von Ölexporten eine Rolle, genauso wie die Zinsstrategie der US-Notenbank Fed. Diese hielt zuletzt an ihrem hohen Zinsniveau fest und beschloss am 20. März zum fünften Mal in Folge, den Leitzins in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent zu belassen. Sie deutete aber Zinssenkungen an.

Der Benzinpreis in der Schweiz wird zudem von den Wechselkursen beeinflusst. In den letzten Wochen hat sich der Franken im Vergleich zum US-Dollar wieder abgeschwächt. War ein Franken im Dezember 2023 noch 1.19 US-Dollar wert - ein historischer Tiefstand - sind es derzeit etwa 1.11 US-Dollar.

Rheinfracht dürfte teuer werden

Ein weiterer Grund für künftig steigende Benzinpreise ist der Transport der Treibstoffe in die Schweiz. Dieser erfolgt grösstenteils über den Rhein. Wie Moveri schreibt, würden die Preise für die Rheinfracht «unweigerlich steigen» und ihren Höhepunkt wohl im Sommer erreichen. Aktuell bezahle man noch 16 Franken pro Tonne, im letzten Jahr seien die Preise beim Tiefstand des Rheins auf bis zu 80 Franken pro Tonne gestiegen.

Rein rechnerisch macht schon diese Differenz laut Moveri 5 Rappen pro Liter aus. In der Vergangenheit seien die Preise für die Rheinfracht aber auch schon auf 200 Franken pro Tonne geklettert. Je weniger Wasser der Rhein führt, desto weniger können die Schiffe beladen werden, was den Transport verteuert.

Was hat das mit Russlands Krieg zu tun?

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» führt zudem den andauernden Krieg Russlands gegen die Ukraine als Faktor für steigende Benzinpreise ins Feld. Dass der Dieselpreis zuletzt etwas weniger stieg, sei nicht verwunderlich: Weil mit dem Ende der Heizperiode die Nachfrage nach Heizöl sinke, das Diesel sehr ähnlich sei, sei im Frühling oft zu beobachten, dass die Dieselpreise im Verhältnis zum Benzinpreis sinken würden.

Der Abstand sei aber immer noch deutlich niedriger als der langjährige Durchschnitt. Der Liter Diesel kostet laut dem TCS derzeit im Durchschnitt 1.99 Franken.

(aargauerzeitung.ch)

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188 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rüssgeischt
06.04.2024 20:36registriert Februar 2021
Der Rhein führt eigentlich genug Wasser zurzeit.....
somit fällt dieser Punkt schon mal flach als Erklärungsversuch
Ich vermute da eher die erhöhte Reisetätigkeit durch Auffahrt und Pfingsten, sowie die näherrückenden Sommerferien.... Man erhöht einfach jetzt die Preise, damit keiner auf die Idee kommt, man wolle sich da irgendwie bereichern....
Auch der Krieg im nahen Osten dauert jetzt bereits Monate und kann wohl kaum für die Preissteigerung herhalten.....
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RaWi - Wir sind mehr
06.04.2024 20:15registriert Februar 2014
...und die SVP beim CO2-Gesetz: "Autofahren nur noch für Reiche?"
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Randen
06.04.2024 21:06registriert März 2014
Habe heute 300km nachgeladen mit Solarenergie. Jetzt ist voll 🤪
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