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Bruits de couloir: Technologie lässt Leben im antiken Pompeji aufleben

Dank moderner Technologie werden in Pompeji neue Details aus dem Alltagsleben sichtbar

19.01.2026, 14:1819.01.2026, 14:18

Liebesbotschaften, Alltagsnotizen und auch Beleidigungen: Mithilfe moderner Technologie werden im antiken Pompeji neue Details aus dem Alltagsleben der römischen Stadt sichtbar. Im Fokus steht ein Mauerabschnitt in einem Korridor, der einst den Theaterbezirk mit der antiken Strasse Via Stabiana verband.

Der Bereich war bereits vor mehr als 230 Jahren ausgegraben worden, wird nun jedoch neu ausgewertet. Das Projekt mit dem Titel «Bruits de couloir» («Stimmen aus dem Korridor») wurde von Wissenschaftlern der Sorbonne-Universität und der Universität Québec in Montréal in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Park von Pompeji entwickelt. Ziel ist eine umfassende Neubewertung der zahlreichen Graffiti, die sich in diesem stark frequentierten Durchgang erhalten haben.

Lebendiges Bild des Alltags

Die Untersuchungen fanden in den Jahren 2022 und 2025 statt. Durch einen interdisziplinären Ansatz, der Epigraphik, Archäologie, Philologie und digitale Methoden kombiniert, konnten die Forschenden die Inschriften neu lesen und interpretieren. Die Ergebnisse zeichnen ein lebendiges Bild vom Alltag, den Gefühlen und der Sprache der Menschen im antiken Pompeji.

«Technologie ist der Schlüssel, der uns neue Räume der antiken Welt öffnet – und diese Räume müssen wir auch dem Publikum vermitteln», sagte der Direktor des Archäologischen Parks von Pompeji, Gabriel Zuchtriegel. Derzeit arbeite man an einem Projekt zum Schutz und zur Aufwertung der mehr als 10'000 Inschriften in Pompeji. Dabei handle es sich um ein aussergewöhnlich umfangreiches Kulturerbe. Nur der Einsatz moderner Technologien könne sicherstellen, dass diese Zeugnisse des alltäglichen Lebens in Pompeji auch künftig erhalten bleiben.

Virtueller Raster

Die angewandte Methodik basiert auf einem virtuellen Raster, das räumliche und thematische Zusammenhänge zwischen den Inschriften dokumentiert. Zudem werden die Wände des Korridors mithilfe der sogenannten Reflectance Transformation Imaging (RTI) analysiert, einer computergestützten Fototechnik, bei der ein Objekt unter unterschiedlichen Lichtwinkeln aufgenommen wird.

Die antike Stadt Pompeji lag am Fuss des Vesuv. Bei Ausbrüchen im Jahr 79 nach Christus hatten Asche, Schlamm und Lava die Siedlungen unter sich begraben und die Stadt teilweise konserviert. Im 18. Jahrhundert wurde Pompeji wiederentdeckt. Die Ausgrabungsstätte, die immer wieder sensationelle Funde zutage bringt, gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Italien. (sda/apa)

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3 Kommentare
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FACTS
19.01.2026 17:00registriert April 2020
Und ihr bringt es jetzt nicht fertig, ein einziges konkretes Beispiel zu bringen, was dort so hingekrizelt wurde? Ist ja spannend, wie man das macht, aber was das Ergebnis davon ist, würde mich jetzt mindestens so sehr interessieren...
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