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Eine sehr helle Sternschnuppe leuchtet am Nachthimmel ueber der Sternwarte in Arosa, in der Nacht auf Sonntag, 12. August 2012. Links scheint der Mond. Hinten die Berge Medergerflue, Tiejerflue, Furkahoerner und Schiesshorn, von links. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Die Perseiden sind der ergiebigste Sternschnuppen-Schwarm des Jahres. Eine Sternschnuppe im August 2012 über der Sternwarte Arosa. Bild: KEYSTONE

Die Perseiden kommen! Alles, was du zum wunderschönen Sternschnuppen-Schauer wissen musst



Sternschnuppenfreunde und Hobbyastronomen werden jetzt sagen: «Die Perseiden kommen nicht, sie sind schon da!» Und sie haben natürlich recht: Zwar erreicht der Schwarm der Sternschnuppen erst in der Nacht vom 12. auf den 13. August seinen Höhepunkt, aber die Erde quert den Meteorstrom der Perseiden schon seit dem 17. Juli.

Damit sind wir auch schon bei der ersten Frage zu diesem alljährlichen Sternschnuppen-Spektakel:

Wann sind die Perseiden zu sehen?

Die ersten Sternschnuppen erscheinen jeweils ab dem 17. Juli; die letzten sind am 24. August zu sehen. Dies wiederholt sich alljährlich, wobei sich der Zeitpunkt des Maximums im Lauf der Zeit leicht verschoben hat – im 19. Jahrhundert dürfte es 1 bis 2 Tage früher stattgefunden haben. Dieses Jahr erreicht der Sternschnuppen-Schwarm sein Maximum in den frühen Stunden des 13. August. Dann sind – freilich nur unter idealen Bedingungen – bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu sehen. Auch in den Tagen davor und danach kann man nach Mitternacht bei guten Verhältnissen meist 10 bis 30 Perseiden pro Stunde sehen. Ab Mitte August nimmt der Strom dann wieder deutlich ab.

Die beste Beobachtungszeit ist jeweils in der zweiten Nachthälfte, etwa zwischen 2 und 4 Uhr. Dann steht das Sternbild Kassiopeia fast im Zenit und Perseus etwas tiefer im Osten. Weil der Radiant der Sternschnuppen – ihr scheinbarer Ursprung am Sternenhimmel – dann in Bewegungsrichtung der Erde liegt, sind in dieser Zeitspanne jeweils am meisten Perseiden zu sehen.

epaselect epa04881779 Meteors from the Perseid meteor swarm burn up in the atmosphere as our own galaxy, the Milky Way, is seen in the clear night sky over the German island of Fehmarn, Germany, early 13 August 2015. The Perseid meteor shower occurs every year in summer when the Earth passes through debris and dust of the 109P/Swift-Tuttle comet. The Perseids, one of the brightest meteorite swarms, consist of a multitude of stellar particles which due to their high speed glow up and burn by entering Earth's atmosphere.  EPA/DANIEL REINHARDT

Perseiden und Milchstrasse 2015 am Nachthimmel über der deutschen Insel Fehmarn. Bild: EPA/DPA

Wie gut sind sie zu sehen?

Für Himmelsgucker gibt es dieses Jahr nicht gerade gute Nachrichten: Zum einen rechnen die Meteorologen vielerorts mit Wolken am Nachthimmel, zum andern wird der dann fast volle Mond die Beobachtung der schnell übers nächtliche Firmament flitzenden Lichtpunkte empfindlich stören. Dazu kommt noch, dass die Perseiden ihr Maximum erst am Dienstag in den Tagesstunden erreichen – und tagsüber natürlich nicht zu sehen sind.

Wer aber in der Nacht auf Dienstag nach Monduntergang (um 2.18 Uhr) eine wolkenfreie Stelle am Nachthimmel sieht, hat gute Chancen, den einen oder anderen Blick auf eine Sternschnuppe zu erhaschen. Und in den Tagen vor dem Maximum sind die Sternschnuppen ja auch schon zu sehen: «Wann immer man klaren Himmel hat, lohnt sich ein Blick auf die Perseiden», sagt die Astrophysikerin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg.

Sternschnuppe, Perseiden

Lohnender Blick: Ein besonders imposantes Exemplar der Perseiden. Bild: Shutterstock

Wo sieht man sie am besten?

Wie bei allen Beobachtungen des Nachthimmels sind die Ergebnisse am besten, wenn der Weg durch die Atmosphäre kurz, die Luft trocken und die Lichtverschmutzung gering ist. Die besten Beobachtungsmöglichkeiten bietet deshalb ein dunkler Platz fernab der von Kunstlicht durchfluteten Städte, am besten im Gebirge.

Bei guten Verhältnissen dürften beim Perseiden-Maximum etwa 60 Meteoriden pro Stunde sichtbar sein – also rund eine Sternschnuppe pro Minute. In Stadtnähe reduziert sich diese Fallrate aufgrund der Lichtverschmutzung auf 20 bis 40 pro Stunde, während sie unter Gebirgshimmel auf 80 bis 120 steigen kann.

Die Meteoriden sind mit blossem Auge sichtbar, aber man kann natürlich mit einem Fernglas oder einer Kamera mit Teleskoplinse nachhelfen – allerdings können diese Hilfsmittel die Sicht sogar erschweren, wenn man gar nicht genau weiss, wohin man schauen soll. Am besten richtet man den Blick in den nordöstlichen Nachthimmel, in Richtung der Perseus-Konstellation.

Sternbild Perseus, künstlerische Darstellung
Von fatso - Stellarium 0.8.2 (http://www.stellarium.org), CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=2799240

Darstellung des Sternbilds Perseus. Der griechische Sagenheld trägt das Haupt der Medusa in der Hand. Bild: Wikimedia/fatso

Was sind die Perseiden überhaupt?

Die Perseiden sind der ergiebigste Sternschnuppen-Schwarm des Jahres. Anders als es der Begriff Sternschnuppe suggeriert, handelt es sich bei den Perseiden aber nicht um vom Himmel fallende Sterne. Es sind vielmehr Staubteilchen, die sich vom Kern des Kometen 109P/Swift-Tuttle gelöst und dann allmählich in einer Wolke entlang der Bahn dieses Himmelskörpers verteilt haben. 109P/Swift-Tuttle kehrt ungefähr alle 133 Jahre wieder, doch die Erde durchquert seine Staubspur jedes Jahr um die gleiche Zeit.

Die Materieteilchen des Kometen – die meisten sind nicht grösser als ein Sandkorn – dringen dann als sogenannte Meteoriden mit der enormen Geschwindigkeit von knapp 60 Kilometern pro Sekunde (das sind unglaubliche 216'000 km/h) in die Erdatmosphäre ein und bringen in einer Höhe von 80 bis 100 Kilometern die Luft zum Leuchten. Dies geschieht dadurch, dass sie ein Plasma hinter sich erzeugen – sie trennen im Gas der Erdatmosphäre Elektronen von den Atomen. Wenn sie dann tiefer in die Atmosphäre eindringen, verglühen sie – dieser Vorgang ist jedoch von blossem Auge kaum wahrnehmbar.

Sternschnuppe der Perseiden

Staubteilchen bringen die Luft zum Leuchten: Sternschnuppe während des Perseidenschwarms. Bild: Shutterstock

Grössere Brocken sind selten; sie kommen häufiger im Inneren der Staubwolke (also beim Maximum) vor. Sie leuchten beim Eintritt in die Atmosphäre so stark wie helle Sterne und Planeten. Noch heller – und seltener – sind die sogenannten Feuerkugeln, die oft einen farbig nachglühenden Schweif hinter sich herziehen.

Wie fotografiert man sie am besten?

Die Perseiden lassen sich fotografieren, aber mit einem Smartphone oder einem Tablet wird man kaum annehmbare Resultate erzielen. Am besten eignet sich ein Weitwinkelobjektiv bei offener Blende und mit Langzeitbelichtung, selbstredend bei ausgeschaltetem Blitz. Der Fokus sollte auf «unendlich» gestellt sein. Die Kamera sollte dann natürlich auf ein Stativ montiert sein, zur Not kann man sie auch auf den Boden legen (am besten auf eine Unterlage, um das Display nicht zu zerkratzen).

Warum heissen sie Perseiden?

Die Sommersternschnuppen haben ihren Namen vom Sternbild Perseus. Das liegt daran, dass sich die Leuchtspuren der Meteoriden dorthin zurückverlängern lassen, sie also ihren scheinbaren Ausgangspunkt dort haben. Dies ist der sogenannte Radiant. In Wahrheit spielt uns dabei nur die Perspektive einen Streich: Die Materieteilchen bilden eine Staubspur, die von der Erde auf ihrer Bahn durchquert wird. Dabei stellt sich ein ähnlicher Effekt ein wie beim Autofahren während eines Schneetreibens – alle Schneeflocken scheinen von einem gemeinsamen Ausgangspunkt zu kommen.

Glasmalerei: Heiliger Laurentius von Rom

Der Heilige Laurentius mit seinen Insignien: Rost und Märtyrerpalme. Bild: Shutterstock

Im Volksmund nennt man die Augustmeteore übrigens auch «Laurentiustränen» oder «Tränen des Laurentius». Dieser Name erinnert an den Heiligen Laurentius, der am 10. August 258 unter der Herrschaft des römischen Kaisers Valerian den Märtyrertod auf einem glühenden Rost starb. Seither soll es an diesem Tag stets feurige Tränen geregnet haben.

(Mit Material der Nachrichtenagentur sda)

Die Perseiden 2018 aus Pilotensicht:

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«Perseids Meteor Shower 2018 4K Pilots View Time Lapse (Flight Deck).» Video: YouTube/Everyday Airline Pilot

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • bbelser 11.08.2019 13:35
    Highlight Highlight Danke für den Anstoss zum Blick in den nächtlichen Himmel. Kometen, Asteroide, Meteore und ihre Staubspuren sind die einzigen "Aliens", die uns bisher regelmässig, zuverlässig und gerne auch mit wunderschönen Leuchtspuren besuchen und dabei immer auch an unsere Ursprünge erinnern.
  • Militia 11.08.2019 04:11
    Highlight Highlight Super interessanter Artikel! Eine ernsthafte Frage mit der Hoffnung auf eine klärende Antwort: Können oder werden sich die Perseiden irgendwann erschöpfen, resp. treten sie über die Dauer der Zeit weniger zahlreich auf? Wenn ja, nur gegen Ende des 133-jährigen Umrundungszyklus oder ganz allgemein?
  • Der müde Joe 11.08.2019 03:32
    Highlight Highlight Wir hatten letzte Woche beim Icefield Center, in Kanada, eine Nachtwanderung auf den Gletscher gemacht. Mondfreier Himmel, Sterne pur und die Milchstrasse in voller Pracht!🤩 Die zwei Perseiden waren dann noch der Bonus.
    Was für ein tolles Erlebnis!
    Kann es nur jedem empfehlen, mal eine Wanderung bei sternenklarem Himmel zu machen.

    Natürlich weg von Stadt und Dörfer.😉
  • Randalf 10.08.2019 22:59
    Highlight Highlight
    Zuverlässig wie die Rechnungen Ende des Monats.

    Ich freue mich wieder einmal mehr das zu sehen.
    • SJ_California 10.08.2019 23:17
      Highlight Highlight Die Rechnungen? 😉
    • chrinli 11.08.2019 13:30
      Highlight Highlight Ja, SJ_California - "... die Rechnungen": Das ist eine Metapher!
    • Randalf 11.08.2019 16:50
      Highlight Highlight
      California
      Hast mich voll erwischt.🤣🤣🤣
  • Rabbi Jussuf 10.08.2019 22:15
    Highlight Highlight Hab erst vor etwa 14 Tagen eine Sternschnuppe gesehen, ganz hell, bis sie explodiert ist, fast wie eine Feuerwerksrakete.
    War das so ein Feuerball? So ein Schauspiel habe ich noch nie vorher gesehen.
  • Ribosom 10.08.2019 21:48
    Highlight Highlight Danke für den spannenden Artikel!
    Ich lese ihn morgen ausgenüchtert noch einmal👍

    Als Kind verbrachten wir mit den Eltern viele Stunden im der Nacht im Garten und haben Sternschnuppen gezählt (nein, es ist bisher noch kein Wunsch in Erfüllung gegangen). Seit Jahren aber habe ich leider keine mehr gesehen.😞

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