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Coronavirus: Seife oder Desinfektionsmittel – was schützt besser?

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Seife zerstört Viren sehr effizient. Bild: EPA

Seife oder Desinfektionsmittel – was schützt dich besser vor dem Virus?

17.03.2020, 18:1218.03.2020, 09:17
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Das neue Coronavirus breitet sich rasant aus. Um eine Ansteckung möglichst zu vermeiden, ist eine gute Hand-Hygiene unerlässlich. Viele greifen jetzt zu Desinfektionsmitteln, weil sie davon ausgehen, dass diese die Viren effizienter beseitigen als gewöhnliche Seife. Der Run auf diese Mittel ist so gross, dass sie mittlerweile kaum mehr erhältlich sind.

Wer kein Desinfektionsmittel mehr erwischt hat, muss sich deswegen aber nicht grämen. Denn Seife erledigt den Job ohnehin besser – manche Desinfektionsmittel töten dagegen nicht alle Viren ab. Noroviren zum Beispiel haben keine Hülle, die durch Alkohole zerstört wird. Die neuen Coronaviren sind jedoch behüllt; Desinfektionsmittel mit einem Ethanol-Gehalt von mindestens 62 Prozent töten sie zuverlässig ab – vorausgesetzt, man benetzt die gesamte Oberfläche der Hände gut und lässt sie dann an der Luft trocknen. Eine Übersicht geeigneter Desinfektionsmittel gibt es hier.

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Desinfektionsmittel für die Hände sind für Normalbürger nur dann sinnvoll, wenn keine Seife zur Verfügung steht. Bild: EPA

Aber Seife ist – wenn die Hände gründlich gewaschen werden – effizienter und zerstört die Coronaviren nahezu komplett. Desinfektionsmittel sind für Normalbürger eigentlich nur dann sinnvoll, wenn keine Möglichkeit besteht, sich die Hände mit Seife zu waschen. Sie sind für das Personal in medizinischen Einrichtungen gedacht und sollten in aller Regel diesem vorbehalten sein.

Warum aber ist Seife die bessere Wahl?

Der Chemiker Palli Thordarson von der Universität New South Wales erklärt es in einem Twitter-Thread eingehend:

Das neue Coronavirus besitzt wie die meisten Viren – etwa die Erreger von Influenza, Ebola, Mumps oder Masern – eine Lipidmembran und besteht aus Fetten (Lipide), Eiweissen (Proteine) und dem genetischen Material (RNA). Letzteres, das die Informationen für den Aufbau des Virus trägt, befindet sich innerhalb der Hülle aus Lipiden. Diese Fettmembran schützt nicht nur die RNA, die Lipide spielen auch eine Rolle dabei, wie das Virus an eine Körperzelle andockt. Auch die Proteine sind an diesem Vorgang beteiligt; daneben ermöglichen sie es dem Virus, sich in einer Zelle zu vermehren.

Struktur des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2
https://www.scientificanimations.com/wiki-images/CC BY-SA 4.0
Struktur des neuen Coronavirus. Bild: Scientificanimations.com/wikimedia

SARS-CoV-2, wie das neuartige Coronavirus in der Fachsprache genannt wird, ist sehr klein: Sein Durchmesser beträgt gerade mal 60 bis 140 Nanometer. Es haftet auf verschiedenen Oberflächen unterschiedlich gut, je nachdem, wie diese beschaffen ist. Je glatter eine Oberfläche ist, desto weniger haftet das Virus darauf. Viren, die sich beispielsweise auf einer Türklinke befinden, bleiben auf der Haut haften, wenn man die Klinke berührt.

Von der Hand ist es nicht weit bis zum Gesicht. Dummerweise berühren wir unser Gesicht unwillkürlich – und zwar einmal in etwa zwei bis fünf Minuten. Dort, auf den Schleimhäuten von Mund, Nase und Augen, dringt das Virus in den Körper ein.

Deshalb ist es sehr wichtig, die Hände oft und gründlich zu waschen. Denn die Seife ist ein Tensid, das zum einen die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzt und diesem so erlaubt, besser mit der Haut in Kontakt zu kommen und auch an zuvor unzugängliche Stellen zu gelangen. Zum andern besteht Seife vereinfacht gesagt aus zwei Bestandteilen: einem wasseranziehenden (hydrophilen) und einem wasserabweisenden, fettliebenden (lipophilen) Teil. Im Wasser richten sich die hydrophilen Teile des Moleküls zum Wasser hin aus, während die lipophilen sich gegen innen richten und dort gelösten Schmutz aufsammeln.

Einige fettähnliche Substanzen der Seife ähneln strukturell den Lipiden in der Fettmembran des Virus. Diese sogenannten Amphiphile reagieren mit den Virus-Lipiden und lösen so die Schutzschicht des Erregers auf. Das Virus zerfällt und wird inaktiviert. Seine Bausteine werden von den lipophilen Teilen des Seifemoleküls aufgesammelt und dann durch das Wasser weggespült.

Damit dies mit möglichst allen Viren auf der Hautoberfläche geschieht, ist es wichtig, die Hände mindestens 25 Sekunden lang intensiv zu waschen und die Seife über die gesamte Oberfläche zu verteilen. Erst dann ist gewährleistet, dass die Seife auch in die winzigsten Falten dringt und dort genug Zeit hat, um die Lipidmembranen der Viren aufzulösen. Die Temperatur des Wassers ist dabei unerheblich.

So wäscht du dir die Hände richtig

Video: other_external/bag

Auch Desinfektionsmittel zerstören die Fettmembran des Virus – doch sie sind teurer als Wasser und Seife. Seife hat zudem den Vorteil, dass sie die Erreger nicht nur zerstört, sondern auch bindet und zusammen mit Wasser und Papierhandtüchern von der Haut entfernt. Eine durchaus valable Alternative zu Seife sind übrigens Spülmittel und normale Putzmittel. Auch sie zerstören die Lipidhülle des Virus zuverlässig.

Allerdings greift häufiges und intensives Händewaschen die Haut an. Rissige, spröde Haut ist anfälliger für Erreger, da sie sich dort leichter festsetzen können. Deshalb ist es ratsam, die Hände regelmässig einzucremen.

(dhr)

Studie über das Händewaschen

Video: srf/Roberto Krone
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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ökonometriker
17.03.2020 18:45registriert Januar 2017
Wichtiger Nachteil von Desinfektionsmitteln: sie trocknen die Hände aus und schwächen damit die Haut als erste Barriere des Immunsystems.

Am besten verwendet man Alkohol nur, um den Natelbildschirm zu reinigen. Oder um das Leben zu geniessen.
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Don Quijote
17.03.2020 18:29registriert April 2015
Deshalb #seifibosch 😉😁
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Absintenzler
17.03.2020 21:13registriert Mai 2018
Danke Watson! Genau das, was ich jetzt lesen wollte.


"Seife – das Eichmass der Zivilisation"
Tyler Durden
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Stonehenge ist wohl der berühmteste Steinkreis der Welt. Das megalithische Bauwerk in der Nähe von Amesbury in der englischen Grafschaft Wiltshire ist ein rätselhaftes Monument, dessen Ursprung und Zweck sich in den Nebeln einer fernen Vergangenheit verlieren. Seine tonnenschweren Trag- und Decksteine werfen unweigerlich die Frage auf, wie es die Menschen in der Jungsteinzeit vor etwa 5000 Jahren wohl geschafft haben, eine solch enorme Struktur zu errichten. Und die Frage, welche Funktion Stonehenge wohl hatte, fasziniert nicht nur Esoteriker, sondern auch Wissenschaftler.

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