Studie zeigt: Totes Darmbakterium verhindert Jo-Jo-Effekt nach Diät
Wer schon einmal eine Diät gemacht hat, kennt ihn: den Jo-Jo-Effekt. Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte der Personen innerhalb von zwei Jahren das verlorene Gewicht wieder draufhat, nach fünf Jahren sind es über 80 Prozent.
Dieses Problem betrifft auch Menschen, die mit den sogenannten Abnehmspritzen Kilos verloren haben und die Therapie absetzen. Forschende aus den Niederlanden berichten nun im Fachblatt Nature Medicine von einem möglichen Gegenmittel: die Gabe eines bestimmten Darmbakteriums.
Das Team um Ellen Blaak, Professorin für Humanbiologie an der Universität Maastricht, liess 84 Erwachsene zunächst acht Wochen lang eine stark kalorienreduzierte Diät einhalten. Die Teilnehmenden verloren dabei mindestens acht Prozent ihres Ausgangsgewichts. Anschliessend erhielt die eine Hälfte der Gruppe während 24 Wochen täglich ein Bakterienpräparat, die andere Hälfte ein Wirkstoff-freies Placebo.
Bei dem eingesetzten Wirkstoff handelt es sich um Akkermansia muciniphila. Das ist ein Bakterium, das natürlicherweise in der menschlichen Darmschleimhaut vorkommt. Verabreicht wurde es allerdings nicht lebend, sondern in pasteurisierter und damit inaktiver Form.
Solche toten Mikroorganismen und deren Stoffwechselprodukte werden als Postbiotika bezeichnet. Sie wirken nicht wie lebendige Prä- oder Probiotika durch Vermehrung im Darm, sondern über Bestandteile ihrer Hülle oder abgegebene Stoffe.
Das Ergebnis: Teilnehmende mit dem Bakterienpräparat nahmen deutlich weniger wieder zu. Sie gewannen im Schnitt rund 14 Prozent des zuvor verlorenen Gewichts zurück, während es in der Placebogruppe rund 33 Prozent waren. Insgesamt blieb der Gewichtsverlust in der Bakteriengruppe um gut drei Kilogramm höher. Darüber hinaus zeigten sich weitere Effekte: Die Verarbeitung von Zucker im Körper blieb stabiler, was auf eine bessere Insulinwirkung hindeutet.
Im Fettgewebe fanden sich Hinweise auf geringere Entzündungsreaktionen und eine aktivere Energieverwertung. Zudem gibt es Anzeichen, dass ein Teil der aufgenommenen Energie vermehrt ausgeschieden wurde, statt im Körper zu verbleiben. Das zeigte sich bei der Analyse des Stuhls der Teilnehmenden. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.
Unreife Bananen und abgekühlte Kartoffeln
Akkermansia muciniphila ist in der Forschung kein Unbekannter. Frühere Studien zeigten, dass Menschen mit hoher Konzentration dieses Keims im Durchschnitt schlanker sind und bessere Blutzuckerwerte haben.
Auch bei sehr alten Menschen, also über Hundertjährigen, kommt das Bakterium häufiger vor – ein Hinweis auf seinen positiven Effekt auf Stoffwechsel und Immunsystem.
Beeinflussen lässt sich die Menge im Darm nicht nur über einen postbiotischen Nahrungsmittelzusatz, sondern auch über die Ernährung. Besonders Ballaststoffe aus pflanzlicher Kost – etwa aus Gemüse, Obst und Vollkorn – fördern sein Wachstum.
Dazu zählen Stoffe wie Inulin, bestimmte Pflanzenfasern und resistente Stärke, die etwa in abgekühlten Kartoffeln oder unreifen Bananen vorkommt. Auch pflanzliche Inhaltsstoffe wie Polyphenole sowie Omega-3-Fettsäuren werden mit höheren Mengen des Bakteriums in Verbindung gebracht.
Eine fettreiche Ernährung sowie Alkohol könnten dagegen negative Effekte haben.

