UV-Licht über den Wolken: Warum Sonnencreme im Flugzeug so wichtig ist
Ob beruflich oder privat, ob Lang- oder Kurzstrecke – viele Gedanken darüber, dass man sich beim Fliegen 10'000 Meter über dem Boden und damit 10'000 Meter näher an der Sonne befindet, machen sich wohl die Wenigsten. Zu verlockend ist das Angebot aus Bordunterhaltung, Snacks und Nackenkissen, das die Zeit in der Luft buchstäblich wie im Flug vergehen lässt.
Dabei birgt die Nähe zur Sonne tatsächlich einige altbekannte Gefahren, die es im Flugzeug besonders zu beachten gilt.
Strahlenbelastung im Flugzeug ist deutlich höher
Die Strahlung der Sonne in den 10'000 Metern Höhe, in der sich Flugzeuge normalerweise bewegen, ist deutlich höher als auf dem Boden. Eine Studie der American Medical Association (AMA) von 2015 stellte fest, dass es dadurch ein Gesundheitsrisiko für Pilotinnen und Vielflieger gibt.
Entscheidend ist dabei die Beschaffenheit der Fenster. Denn Plastikfenster, beispielsweise aus Polycarbonat, filtern in Flugzeugen die meiste Strahlung. Glasfenster hingegen lassen langwellige und damit besonders tief in die Haut eindringende UV-A-Strahlung durch. Eine Studie von 2022 belegt, dass diese Strahlen die DNA schädigen und Hautkrebs auslösen können.
Schädliche Strahlen gelangen durch Fenster ins Innere des Flugzeugs
Die Forschenden der AMA-Studie konnten nachweisen, dass Flugzeugfenster aus Glas oder Plastik die kurzwellige und weniger schädliche UV-B-Strahlung abschirmen können. UV-A-Strahlen haben dagegen eine Chance, zu bis zu 53 Prozent durch die Fenster ins Flugzeug zu geraten, wobei Plastikfenster die Strahlung in der Tat mehr abschwächen als jene aus Glas.
Ein Test ergab, dass die Strahlungsbelastung, der Piloten und Passagierinnen am Fenster auf einer Höhe von 9000 Metern eine Stunde lang ausgesetzt sind, etwa 20 Minuten auf der Sonnenbank entspricht. Die Strahlung kann sich auf Flügen durch eine Schneelandschaft oder weisse Wolken verstärken, da sie an hellen Oberflächen reflektiert und damit verstärkt wird.
Hautarzt warnt vor Sonnenstrahlung im Flugzeug
Auch der Münchener Dermatologe Dr. Timm Golüke bestätigte gegenüber Travelbook, dass Pilotinnen und Piloten, die der Strahlung häufig ausgesetzt sind, ein erhöhtes Hautkrebsrisiko haben: «Sie laufen Gefahr, vor allem Basaliome zu bekommen, sogenannten weissen Hautkrebs, der sich trotz des Namens genauso wie der schwarze Hautkrebs mit dunkler Pigmentierung auf der Haut zeigt.» Der Arzt rät sowohl Flugzeugpersonal als auch Fluggästen deshalb zu Sonnenschutz.
Natürlich ist nicht jeder Flug sofort gefährlich für die Haut. Pilotinnen und Piloten sind deutlich häufiger der Strahlung ausgesetzt als der oder die durchschnittliche Reisende. Trotzdem sollten Flugreisende unbedingt Sonnencreme auftragen, besonders wenn sie viel fliegen und gerne am Fenster sitzen. Denn der Schaden für die Haut hängt sowohl von der Dauer ab, die sie der Strahlung ausgesetzt ist, als auch davon, wie tief die Strahlen in die Haut eindringen.
