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Sozial geächtet, medizinisch von Vorteil: Nasenbohren ist gesund

Kinder tun es oft noch ganz selbstverständlich: Nasenbohren. 
Kinder tun es oft noch ganz selbstverständlich: Nasenbohren. Bild: Shutterstock
Gut fürs Immunsystem

Sozial geächtet, medizinisch von Vorteil: Nasenbohren ist gesund

Nasenbohren gilt als unfein. Sich das Erbohrte dann eine Etage tiefer wieder einzuverleiben, ist wohl weltweit ein klarer Tabubruch. Doch was sozial geächtet ist, könnte medizinisch von Vorteil sein.
17.11.2014, 18:3318.11.2014, 12:44

Wir lernen es schon als kleine Kinder: Nasenbohren ist pfui. Wer sich in der Öffentlichkeit dabei erwischen lässt, wird zur Zielscheibe des Spotts – wie etwa der Trainer der deutschen Fussballnationalmannschaft, Joachim Löw, der vor vier Jahren beim Popeln gefilmt wurde. 

Als besonders ekelerregend gilt das Popeln, wenn die zu Tage geförderte Fracht flugs im Mund verschwindet. Das Verspeisen des «Nasenbrots», wissenschaftlich als «Mukophagie» bekannt, ist nahezu überall mit einem Tabu belegt. Dabei wäre genau dies sogar gesund – zumindest sagt das der kanadische Wissenschaftler Scott Napper. 

«Ich habe zwei hübsche Töchter, die erstaunlich viel Zeit mit den Fingern in ihren Nasen verbringen. Und unweigerlich wandert es danach in den Mund. Tun sie nicht einfach, was sie wirklich tun sollten?»
Scott Napper, Biochemiker

Natürliche Impfung

Im April 2013 machte der Biochemiker, der an der Universität von Saskatchewan lehrt, international Schlagzeilen mit seiner Behauptung, der Verzehr der eigenen Popel stärke das Immunsystem. Seine Hypothese lautet, dass es sich um eine Art natürlicher Impfung handle: Indem wir die im Nasensekret enthaltenen Pathogene zu uns nehmen, bringen wir unserem Immunsystem gewissermassen bei, Antikörper gegen diese Bedrohungen zu bilden. 

«Ich habe zwei hübsche Töchter, die erstaunlich viel Zeit mit den Fingern in ihren Nasen verbringen. Und unweigerlich wandert es danach in den Mund. Tun sie nicht einfach, was sie wirklich tun sollten?», fragt Napper. Für Kinder sei es ganz natürlich, Popel zu verspeisen, und dies zeige, so Napper, dass ein ganz natürlicher Drang in uns stecke, solches zu tun. 

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Zu sterile Umgebung

Evolutionär gesehen, hätten wir uns schliesslich in sehr schmutzigen Umständen entwickelt. Es könnte sich nachteilig auswirken, dass wir unsere Umgebung möglichst keimfrei halten. Der Biochemiker stellt seine These in eine Reihe mit anderen Studien, die einen Zusammenhang zwischen unserer hygienischen und möglichst sterilen Umgebung und der Zunahme von Allergien und Autoimmunkrankheiten postulieren. 

Sollte Nappers These zutreffen, wäre klar, warum Nasenbohren trotz seiner gesellschaftlichen Ächtung so beliebt ist. Nahezu alle Menschen tun es: Einer Studie zufolge sind es 91 Prozent, die bisweilen ihre Finger in die Nase stecken. Ein nicht unbescheidener Teil von ihnen dürfte die Popel auch verspeisen. Auch jene, die das nicht tun, verschlucken trotzdem regelmässig Nasensekret: Ein Grossteil davon gelangt über den Nasen-Rachen-Gang in den Rachen und wird dann unwillkürlich heruntergeschluckt.

Für Aussenstehende ist Nasenbohren ziemlich eklig, dem Popler aber schadet es nicht – es sei denn, die Fingernägel verletzen die Nasenschleimhaut. Dann können Nasenbluten oder Entzündungen die Folge sein. In seltenen Fällen kann das Nasenbohren zur zwanghaften Manie («Rhinotillexomanie») werden. Wird über lange Zeit hinweg exzessiv in der Nase gebohrt, droht selbst die Perforation der Nasenscheidewand. (dhr)

Popel im Dialekt
Obschon doch die Tätigkeit so ungern gesehen wird, gibt es in der deutschen Sprache doch eine Reihe von schon fast liebevollen Dialektausdrücken für das verdickte Nasensekret: «Böögg» (Schweizerdeutsch), «Butzameckerle» (Schwäbisch), «Wauge» (Kärntnerisch), «Mömmes» (Kölsch), «Kodder» (Norddeutsch), «Rammel» (Bairisch), «Rawuza» (Österreichisch), «Bettler» oder «Nasenmann» (Süddeutsch). Auch in der Medizin gibt es übrigens einen Fachbegriff für «Popel»: «Borke». 
Quelle: popel.info
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