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Die Briten werden ihrer Königin den Hitlergruss nachsehen – auch weil er so schön zum eigenen Nazi-Fetisch passt



Zum zweiten Mal innert zehn Jahren hat das Revolverblatt «The Sun» ein Nazi-Skandälchen im britischen Königshaus aufgedeckt: Die heutige Monarchin Queen Elizabeth II. reckte als 7-Jährige die Hand zum Hitlergruss. Ihr Enkel Prinz Harry tauchte 2005 an einer Kostümparty in einer Nazi-Uniform inklusive Hakenkreuz-Armbinde auf.

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bild via thesun.co.uk

Eine gewisse Brisanz erhält das Kindheitsvideo der späteren Königin, weil darin auch ihr Onkel Edward auftaucht, der 1936 für ein paar Monate auf dem Thron sass und Nazi-Sympathien hegte

(FILES) Picture dated 23 October 1937 of the Duke of Windsor (C), the great great uncle of Prince Harry, and his wife Wallis Simpson meeting the German Chancellor Adolf Hitler. Prince Harry has apologised after being pictured in a Nazi uniform at a fancy dress party. The Sun's front page showed the Prince, with a cigarette and drink in hand, wearing a swastika armband. EPA/STR UK AND IRELAND OUT +++(c) dpa - Bildfunk+++

Prinz Edward (Mitte) besucht 1937 Hitler auf dem Obersalzberg. Bild: PA

Die britische Bevölkerung reagiert auf solche Geschichten mit einer Mischung aus Aufregung und Gelassenheit: Es ist einfach ein weiteres Kapitel in der nationalen Besessenheit namens Drittes Reich. Diese Epoche der deutschen Geschichte ist auf der Insel allgegenwärtig. Hier prangen etwa riesige Hakenkreuze aus den Schaufenstern von Buchhandlungen, worüber Kontinentaleuropäer gehörig erschrecken. 

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bild via amazon.co.uk

Täglich strahlt das Fernsehen irgendeine Dokumentation aus, die auch die entferntesten Nebenkriegsschauplätze des Nazi-Terrors beleuchten. Wussten Sie schon, dass Hitler plante, prähistorische Wildtiere genetisch zu rekonstruieren, um und sie anschliessend in gigantischen Naturparks («Jurassic Park») anzusiedeln?

«Hitler's Hunting Experiment»

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YouTube/Sherlock Docs

Wenig verwunderlich schlachtet auch die heimische Populärkultur den Nazi-Fetisch erbarmungslos aus. Jeder Brite kennt die Szene aus der TV-Serie «Fawlty Towers», wo Hotelier Basil Fawlty (gespielt von John Cleese) nicht anders kann, als deutschen Gästen gegenüber immer wieder Anspielungen auf den Zweiten Weltkrieg zu machen.

«Fawlty Towers»

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YouTube/BBC Comedy Greats

Ebenfalls Kultstatus geniesst die Sitcom «Allo, Allo» über ein französisches Dorf während der deutschen Besatzung des Zweiten Weltkriegs. Neben den Deutschen werden hier allerdings auch die Franzosen und die Briten selbst verballhornt.

«Allo, Allo»

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YouTube/Allo Allo Full

Und dann sind da noch die britischen Boulevardmedien, die sich in ihrer Deutschland-Berichterstattung gerne aus dem Nazi-Vokabular bedienen. Vor allem, wenn es um Fussball geht: Die erste Hälfte des legendären Halbfinals Deutschland-Brasilien an der WM 2014 bezeichnete der Mirror als «Blitzkrieg».

Daily Mirror Front Page 240696 

Dbase

Bild via wikimedia

Woher kommt diese anhaltende Faszination, die bisweilen fetischhafte Züge annimmt? 

Fakt ist: Der Zweite Weltkrieg war eine der folgenschwersten Zäsuren in der Geschichte Grossbritanniens, das als einziges Land Westeuropas der Nazi-Invasion widerstand. «Our finest hour» nannte dies Kriegspremier Winston Churchill, und Recht hatte er. Die Siegermacht zahlte allerdings einen hohen Preis. Am Ende des Krieges war Grossbritannien bankrott. Zu den vielen Dingen, die es sich nicht mehr leisten konnte, gehörte das Empire, das nach und nach verschwand. 

Der britische Historiker Richard Evans geht noch einen Schritt weiter. Er glaubt, die fast morbide Faszination rührt vom Umstand, dass die Nazis in einem so kultivierten Land an die Macht kamen. Einem, das Grossbritannien nicht unähnlich ist. «Das macht es leicht, uns selbst in ihre Lage zu versetzen und uns zu fragen, was wir wohl im Dritten Reich getan hätten.»

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Literaturverfilmung von Shakespeare's Drama Richard III. Die Handlung spielt in einem faschistischen England in den 1930er Jahren. YouTube/Film&Clips

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