DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Am 1. Januar 2020 ist es noch nicht so weit – wir müssen uns noch ein Jahr länger gedulden ...
Am 1. Januar 2020 ist es noch nicht so weit – wir müssen uns noch ein Jahr länger gedulden ...Bild: Shutterstock

Psssst! Darum beginnt am 1.1.2020 kein neues Jahrzehnt 😉

01.01.2020, 01:1702.01.2020, 10:14

Wir sind Sklaven des Dezimalsystems. Runde Geburtstage oder Jahrestage erscheinen uns bedeutungsvoller als andere, weil wir den unablässigen Strom der Jahre in Jahrzehnte und Jahrhunderte teilen. Kein Wunder also, dass manche dem anstehenden Jahreswechsel mehr Gewicht zumessen als anderen, denn er markiert den Beginn einer neuen Dekade.

Aber stimmt das überhaupt?

Auf den ersten Blick scheint der Fall klar zu sein: Auf das Jahr 2019 folgt 2020, und die Zahl 1 auf der Zehnerposition wird durch eine 2 ersetzt. Doch der erste Blick trügt hier: Das nächste Jahrzehnt beginnt erst am 1. Januar 2021. Warum ist das so?

Das Problem hat mit dem sogenannten Zaunpfahlfehler zu tun – ein Begriff, der trotz seiner rustikalen Bildhaftigkeit aus der Informatik stammt. Er tritt nicht nur bei Kalenderfragen auf, sondern in vielen verschiedenen Bereichen. Es geht im Grundsatz um das Problem, das beim Zählen von Zwischenräumen auftritt – wie bei einem Zaun:

Die Grafik illustriert das Zaunpfahlproblem: Die Anzahl der Zwischenräume (10) ist um 1 kleiner als die Anzahl der Objekte (Zaunpfähle), die die Zwischenräume begrenzen.
Die Grafik illustriert das Zaunpfahlproblem: Die Anzahl der Zwischenräume (10) ist um 1 kleiner als die Anzahl der Objekte (Zaunpfähle), die die Zwischenräume begrenzen. Bild: Wikimedia/Neitram
Inklusivzählung
In der Antike und im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein zählte man Distanzen und Zeiträume inklusiv, das heisst, man zählte sowohl das Anfangs- als auch das Endelement einer Folge mit. Der Grund dafür liegt darin, dass das Konzept der Zahl 0 in Europa bis zum 13. Jahrhundert unbekannt war – erst dann lernte man hier die arabisch-indischen Zahlen kennen.
Bei der Inklusivzählung sind die Werte für Distanzen und Zeiträume immer um 1 grösser als nach heutiger mathematischer Konvention. Ein Beispiel für Inklusivzählung ist die mancherorts noch zu hörende Redewendung «in acht Tagen», die synonym für «in einer Woche» verwendet wird. Der aktuelle Wochentag wird dabei mitgezählt.
Quelle: Wikipedia

Der Zaunpfahlfehler entsteht meistens dann, wenn Distanzen und Anzahlen (Zwischenräume und Pfähle) verwechselt werden; wenn also jemand zum Beispiel Zwischenräume zählen will, stattdessen aber die Objekte zählt, die diese Zwischenräume abgrenzen. Bei der Frage, wann ein neues Jahrzehnt (oder auch ein neues Jahrhundert oder Jahrtausend) beginnt, spielt jedoch ein anderer Aspekt des Zaunpfahlfehlers eine wichtige Rolle – nämlich die Frage, ob die Zählung bei 0 beginnt oder bei 1.

In der christlichen Zeitrechnung gibt es kein Jahr 0; sie beginnt mit dem Jahr 1. Daher beginnt auch das 1. Jahrzehnt unserer Zeitrechnung mit dem Jahr 1, und das gilt auch für alle darauf folgenden: Jedes Jahrzehnt beginnt mit einem Jahr, dessen Jahreszahl an der Einerstelle eine 1 aufweist. Die aktuelle Dekade begann daher am 1. Januar 2011 und das nächste Jahrzehnt – es ist das 203. – fängt erst am 1. Januar 2021 an.

Rund um die Welt fanden die Feiern zum letzten Jahrtausendwechsel in der Silvesternacht 1999 statt – ein Jahr zu früh.
Rund um die Welt fanden die Feiern zum letzten Jahrtausendwechsel in der Silvesternacht 1999 statt – ein Jahr zu früh. Bild: EPA

Die Umgangssprache schert sich freilich nicht gross um solche Feinheiten. Wenn wir beispielsweise von den «Sechzigerjahren» oder den «Sechzigern» des letzten Jahrhunderts sprechen, meinen wir in aller Regel den Zeitraum von 1960 bis 1969 – also alle Jahre dieses Jahrhunderts, bei denen eine 6 auf der Zehnerstelle steht.

Was für das Jahrzehnt gilt, ist – wie erwähnt – auch für das Jahrhundert und das Jahrtausend richtig. Dennoch fanden die grossen Millenniumsfeiern beim letzten Jahrtausendwechsel nicht in der Silvesternacht des Jahres 2001 statt, wie es korrekt gewesen wäre, sondern ein Jahr früher. Die Sogwirkung der Zahl 2, die am 1. Januar 2000 erstmals auf der Tausenderstelle einer Jahreszahl erschien, erwies sich als zu stark. Wir können wohl davon ausgehen, dass es sich in kleinerem Massstab auch in der nächsten Silvesternacht so abspielen wird.

(dhr)

HAPPY NEW YEA... Was? Schon wieder Silvester?

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

History Porn Teil LIV: Die Weihnachtsausgabe

1 / 26
History Porn Teil LIV: Die Weihnachtsausgabe
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

In Japan wird das Jahr mit einer Lachorgie abgeschlossen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

88 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
der Denker
01.01.2020 02:14registriert März 2016
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das neue Jahrzent mit einer neuen zehnerzahl begonnen. Auch Mathematisch ist dies sinnvoll und auch korrekt. Die genannte Rechenart wird nur von der Geschichtschreibung verwendet und ist daher für alle normalen Personen nicht wirklich von bedeutung. Diesmal bestätigt die ausnahme nicht die regel.
36999
Melden
Zum Kommentar
avatar
Thomas Bollinger (1)
01.01.2020 02:16registriert Juli 2015
Für einmal sind mir „Alternative Fakten“ lieber.
16040
Melden
Zum Kommentar
avatar
Dani B.
01.01.2020 01:42registriert August 2018
Chabis.
"Problem"?
13156
Melden
Zum Kommentar
88
Neu entdecktes Enzym zersetzt Plastik in Rekordzeit

Forschende der Universität Leipzig haben ein Enzym entdeckt, das PET-Kunststoff doppelt so schnell zersetzt wie andere Enzyme. Ausgerechnet in einem Komposthaufen auf dem Friedhof haben die Chemikerinnen und Chemiker das Eiweissmolekül gefunden.

Zur Story