DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eine aus Satellitenaufnahmen zusammengefügte, nach Süden ausgerichtete Weltkarte. Bild: Wikipedia
Kartographie

Verkehrte Welt

Nicht nur Orientierungsläufer wissen es: Der Norden ist auf den Karten immer oben. Das war nicht immer so.
19.02.2014, 07:0425.06.2014, 15:19
Daniel Huber
Die Erde ist eine Kugel. Welcher Pol sich oben befindet, ist Konvention. Diese berühmte Aufnahme unseres Heimatplaneten (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Blue_Marble" target="_blank">«Blue Marble»</a>) aus der Sicht von Apollo 17 zeigt im Original den Südpol oben. Das Foto wurde aber umgedreht, um unseren Sehgewohnheiten zu genügen.&nbsp;
Die Erde ist eine Kugel. Welcher Pol sich oben befindet, ist Konvention. Diese berühmte Aufnahme unseres Heimatplaneten («Blue Marble») aus der Sicht von Apollo 17 zeigt im Original den Südpol oben. Das Foto wurde aber umgedreht, um unseren Sehgewohnheiten zu genügen. Bild: NASA
Der Australier Stuart McArthur soll sich schon als Schüler an der benachteiligten kartographischen Position seiner Heimat gestört haben. 1979 gab er eine&nbsp;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/McArthur%E2%80%99s_Universal_Corrective_Map_of_the_World" target="_blank">«berichtigte» Weltkarte</a>&nbsp;heraus, die gesüdet ist. Australien liegt damit oben. Zugleich zentrierte McArthur die Karte auf den Südkontinent, sodass der Atlantik an den Kartenrändern liegt. &nbsp;
Der Australier Stuart McArthur soll sich schon als Schüler an der benachteiligten kartographischen Position seiner Heimat gestört haben. 1979 gab er eine «berichtigte» Weltkarte heraus, die gesüdet ist. Australien liegt damit oben. Zugleich zentrierte McArthur die Karte auf den Südkontinent, sodass der Atlantik an den Kartenrändern liegt.  topoi.org
McArthur war nicht der erste, der eine nach Süden ausgerichtete Weltkarte zeichnete. Viele Karten aus dem islamischen Kulturkreis, der im frühen und hohen Mittelalter auch in der Kartographie führend war, sind gesüdet. Das ist auch bei dieser Weltkarte der Fall, die der marokkanische Kartograph&nbsp;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Idrisi" target="_blank">Muhammad al-Idrisi</a>&nbsp;im 12. Jahrhundert zeichnete.&nbsp;
McArthur war nicht der erste, der eine nach Süden ausgerichtete Weltkarte zeichnete. Viele Karten aus dem islamischen Kulturkreis, der im frühen und hohen Mittelalter auch in der Kartographie führend war, sind gesüdet. Das ist auch bei dieser Weltkarte der Fall, die der marokkanische Kartograph Muhammad al-Idrisi im 12. Jahrhundert zeichnete. Bild: Wikipedia
Al-Idrisi, der in Sizilien am Hof des Normannenkönigs Roger II. lebte, fertigte 1154 für seinen König die berühmte&nbsp;<em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tabula_Rogeriana" target="_blank">Tabula Rogeriana</a></em>&nbsp;an, die ebenfalls nach Süden ausgerichtet ist,&nbsp;möglicherweise aufgrund chinesischer Vorbilder.&nbsp;Sie ist im Vergleich zu zeitgenössischen christlichen Karten erstaunlich genau.&nbsp;
Al-Idrisi, der in Sizilien am Hof des Normannenkönigs Roger II. lebte, fertigte 1154 für seinen König die berühmte Tabula Rogeriana an, die ebenfalls nach Süden ausgerichtet ist, möglicherweise aufgrund chinesischer Vorbilder. Sie ist im Vergleich zu zeitgenössischen christlichen Karten erstaunlich genau. Bild: Wikipedia
Auch frühe europäische Karten waren manchmal gesüdet, da die Nadeln von Kompassen des 15. Jahrhunderts noch nach Süden zeigten. Diese Karte des venezianischen Mönchs Fra Mauro wurde etwa 1450 erstellt. &nbsp;
Auch frühe europäische Karten waren manchmal gesüdet, da die Nadeln von Kompassen des 15. Jahrhunderts noch nach Süden zeigten. Diese Karte des venezianischen Mönchs Fra Mauro wurde etwa 1450 erstellt.  Bild: The British Library Board
Ein Beispiel für eine mittelalterliche christliche Weltkarte: Die&nbsp;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Londoner_Psalterkarte" target="_blank">Londoner Psalterkarte</a>, die etwa um 1260 entstanden ist, ist geostet, das heisst, der Osten befindet sich oben. Dort ist auch das Paradies eingetragen, denn die Karte soll neben dem geografischen und historischen Wissen auch heilsgeschichtliche Zusammenhänge verdeutlichen. Deshalb liegt auch Jerusalem im Zentrum der Karte. Die längliche, rotgefärbte Form oben rechts ist das Rote Meer mit der Stelle, wo es von Moses geteilt wurde.&nbsp;
Ein Beispiel für eine mittelalterliche christliche Weltkarte: Die Londoner Psalterkarte, die etwa um 1260 entstanden ist, ist geostet, das heisst, der Osten befindet sich oben. Dort ist auch das Paradies eingetragen, denn die Karte soll neben dem geografischen und historischen Wissen auch heilsgeschichtliche Zusammenhänge verdeutlichen. Deshalb liegt auch Jerusalem im Zentrum der Karte. Die längliche, rotgefärbte Form oben rechts ist das Rote Meer mit der Stelle, wo es von Moses geteilt wurde. Bild: The British Library Board
Detail aus der Londoner Psalterkarte: Die Arche Noah ist auf einem Berg eingezeichnet.&nbsp;
Detail aus der Londoner Psalterkarte: Die Arche Noah ist auf einem Berg eingezeichnet. Bild: The British Library Board
Mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts setzten sich die genordeten Karten endgültig durch. Einflussreiche europäische Kartographen wie&nbsp;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Mercator" target="_blank">Gerardus Mercator</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Waldseem%C3%BCller" target="_blank">Martin Waldseemüller</a> bezogen sich auf den antiken griechischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claudius_Ptolem%C3%A4us" target="_blank">Geografen Ptolemäus</a>, der seine Karten ebenfalls nach Norden ausgerichtet hatte. Zahlreiche Karten, die auf seinen Arbeiten beruhten, waren damals im Umlauf, wie diese von Johannes Schnitzer aus dem Jahr 1482.
Mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts setzten sich die genordeten Karten endgültig durch. Einflussreiche europäische Kartographen wie Gerardus Mercator oder Martin Waldseemüller bezogen sich auf den antiken griechischen Geografen Ptolemäus, der seine Karten ebenfalls nach Norden ausgerichtet hatte. Zahlreiche Karten, die auf seinen Arbeiten beruhten, waren damals im Umlauf, wie diese von Johannes Schnitzer aus dem Jahr 1482.Bild: Wikipedia
Obwohl genordete Karten auf purer Konvention beruhen, sind unsere Sehgewohnheiten stark auf solche Darstellungen konditioniert. Eine auf den Kopf gestellte Europakarte wie diese irritiert uns deshalb. Die Frage, ob genordete Karten per se eurozentristisch sind, soll hier übrigens nicht erörtert werden. Sicher ist, dass Karten immer auch unsere Sicht auf die Welt zugleich illustrieren und prägen.&nbsp;
Obwohl genordete Karten auf purer Konvention beruhen, sind unsere Sehgewohnheiten stark auf solche Darstellungen konditioniert. Eine auf den Kopf gestellte Europakarte wie diese irritiert uns deshalb. Die Frage, ob genordete Karten per se eurozentristisch sind, soll hier übrigens nicht erörtert werden. Sicher ist, dass Karten immer auch unsere Sicht auf die Welt zugleich illustrieren und prägen. Bild: Wikipedia
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Schon Säuglinge gewöhnen sich an scharfes Essen

Piperin, das für die Schärfe von Pfeffer verantwortlich ist, gelangt gemäss einer Studie in die Muttermilch. Die Konzentration ist zwar zu gering, um von Säuglingen wahrgenommen zu werden, kann aber die spätere Toleranzgrenze für scharfes Essen nach oben schieben.

Zur Story