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Adolf Hitler und der italienische Ministerpraesident und Duce Benito Mussolini besichtigen die Schaeden im Fuehrerhauptquartier

Hitler und Mussolini besichtigen die Schäden im Führerhauptquartier «Wolfsschanze» nach dem versuchten Attentat. Bild: AP

«Operation Walküre»

Vor siebzig Jahren scheiterte das letzte Attentat auf Hitler



Die Erinnerung an den Widerstand gegen die Nazis zählt siebzig Jahre nach dem Umsturzversuch gegen Adolf Hitler am 20. Juli 1944 zu den Grundpfeilern der Bundesrepublik Deutschland. Das war nicht immer so.  

Im Nachkriegsdeutschland galten Widerständler als suspekt, sagt Johannes Tuchel, der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin. Heldenmythos oder Diffamierung – für einige waren die Menschen im Widerstand Vorkämpfer für die Demokratie, für andere «Vaterlandsverräter». 

Schon Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg war sich dieses Dilemmas bewusst. «Es ist Zeit, dass etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird», schrieb der führende Kopf des Aufstandes gegen Hitler. 

Undatiertes Portrait zeigt Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Am 20. Juli 1944 versuchte der 36j hrige, den Nazi-Diktator Adolf Hitler mit einer Bombe zu t ten. Im Nachkriegsdeutschland gilt der gescheiterte Putsch als Beispiel politischer Moral. Stauffenberg, sein F rderer General Friedrich Olbricht und andere wurden noch in derselben Nacht erschossen. Der Blutjustiz der Nazis fielen in den Monaten nach dem Putsch etwa 200 Verschw rer zum Opfer.  (KEYSTONE/EPA/DPA/Str)

Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg.  Bild: EPA DPA

«Operation Walküre» 

Tatsächlich hielt die Mehrheit der Deutschen bis zuletzt dem Regime die Treue. Auch für Stauffenberg war der Weg in die Opposition nicht selbstverständlich. 

Der Sohn eines Hofmarschalls von König Wilhelm II. von Württemberg sah die Nazis zunächst als Träger «nationaler Erneuerung». Er war begeistert, als der «Narr» Hitler Russland überfiel. Als er die Ausrottungspolitik aus nächster Nähe erlebte, wurde er zum Gegner des NS-Regimes. 

Die Hoffnung, dass sich Deutschland aus eigener Kraft von Hitler befreien würde, lebte kurz – genau genommen weniger als 24 Stunden. Sie gründete auf falschen Annahmen und lastete auf einer nur kleinen Gruppe mutiger Menschen. 

Noch am Abend des 20. Juli war die «Operation Walküre» gescheitert. Hitler überlebte, Stauffenberg und einige Helfer wurden sofort hingerichtet, Hunderte Verhaftungen folgten. Tragik und Grösse des Widerstands – sie liegen in jenen dramatischen Stunden eng zusammen. 

Zögerlicher Widerstand

Kam die Erhebung der Offiziere zu spät? Sozialdemokraten, Kommunisten und engagierte Christen hatten sofort nach Hitlers Machtantritt den Kampf aufgenommen. Als sich einige aus der Elite dann zum Handeln entschlossen, hatte Deutschland den Kontinent mit Krieg überzogen, der Holocaust war voll im Gang. 

Die fünf Hauptverschwörer:

Militärs hatten immer wieder über einen Umsturz nachgedacht. Die Kriegserfolge zwischen Herbst 1939 und Frühjahr 1941 liessen aber viele Unzufriedene zögern – ein Verhängnis, wie der britische Historiker und Hitler-Biograf Ian Kershaw schreibt. Führende Persönlichkeiten des Widerstands hätten auf einen «richtigen Augenblick» gewartet, der niemals gekommen sei. 

Von Nationalkonservativen bis zu Kommunisten reichte das lose Bündnis. Dazu gehörten etwa der einstige Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler und der Kreisauer Kreis. Sie alle strebten ein sofortiges Kriegsende an. Die Alliierten beäugten diese Bestrebungen mit Misstrauen. Ein erfolgreicher Umsturz hätte das Bündnis mit der Sowjetunion gefährden können. 

Der Widerstand litt auch an einer dramatischen Personalnot. Das wird in Stauffenbergs Doppelrolle als Attentäter und führender Kopf deutlich. Der Offizier war körperlich eingeschränkt. In Nordafrika war er verwundet worden, hatte ein Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken Hand verloren. Doch nur Stauffenberg hatte unter den Verschwörern die Chance, in Hitlers Nähe zu gelangen. 

«Volksgerichtshof» verurteilt 200 Widerstandskämpfer

Am 20. Juli wurde der Oberst in die «Wolfsschanze» zitiert. Kurz vor der Besprechung mit Hitler aktivierte er die Bombe. Die Aktentasche mit dem Sprengstoff stellte er neben den Kartentisch. 

Henning v. Tresckow 20. Juli 1944 Widerstand Attentat Hitler

Generalmajor Henning von Treschkow. Bild: Wikipedia/Bundesarchiv Bild 146-1976-130-53

Kurz vor der Detonation verliess Stauffenberg das Hauptquartier und bestieg eine Maschine nach Berlin. Dort warteten die Generäle im Oberkommando des Heeres in der Bendlerstrasse auf grünes Licht für die «Operation Walküre». Stauffenberg ging noch vom Tod Hitlers aus – ein bitterer Trugschluss. So gründete der geplante Ablauf auf falschen Annahmen. 

Der Stabsoffizier Henning von Tresckow hatte in Geheimarbeit die Alarmpläne der Wehrmacht umgearbeitet. Nach Hitlers Tod sollte das Militär den NS-Machtapparat ausschalten, ohne dass die Kommandanten die Absicht der Verschwörer erkannten. 

Die Entschlossenheit wurde von zaghaften Generälen untergraben. Sie wollten «Sicherheiten», dass der Diktator tot war. Als Hitler im Radio sprach, war das Scheitern besiegelt. Rund 200 Mitglieder des Widerstandes wurden vom «Volksgerichtshof» abgeurteilt, hingerichtet oder in Konzentrationslagern ermordet. 

In den folgenden neun Monaten starben weitere Millionen Menschen. Seinem Leben setzte Hitler 1945 selbst ein Ende. (dhr/sda/dpa)

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Attentat auf Hitler. Video: Youtube/Bundeswehr

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