DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Indische Christen besuchen einen Autogottesdienst. Die indische Flotte soll ab 2030 rein elektrisch rollen, so ein Regierungsvertreter.
Indische Christen besuchen einen Autogottesdienst. Die indische Flotte soll ab 2030 rein elektrisch rollen, so ein Regierungsvertreter.Bild: keystone

Verbot von Benzin- und Dieselfahrzeugen: Diese Länder machen Ernst

04.07.2020, 18:22

Diverse Länder – bei weitem aber noch nicht alle – diskutieren ein endgültiges Verbot von Benzin- und Dieselautos. In der Regel bezieht sich die Einschränkung auf den An- und Verkauf und die Registrierung von Neuwagen. Ein verbindliches Gesetz dazu hat bisher aber nur Taiwan verabschiedet.

An dieser Diskussion bisher nicht beteiligt sind die Schweiz, Österreich und Deutschland. Beim grossen Nachbarn besitzt die Autoindustrie als enormer Wirtschaftsfaktor eine Sonderstellung. Trotzdem wurde die Umstellung auf Elektrofahrzeuge nur zögerlich in Angriff genommen. Der Abstand zum Klassenprimus Tesla in Sachen Verkaufs- und Produktionszahlen nimmt bereits bedrohliche Ausmasse an. Nicht wenige trauen es der deutschen Automobilwirtschaft aber zu, die Umstellung zu schaffen.

Auch bei den anderen grossen Autobauern in Europa, Frankreich und Italien, ist man zurückhaltend mit möglichen Verboten. In Grossbritannien hingegen hat der konservative Premierminister Boris Johnson damit überrascht, dass er, als eine seiner ersten Amtshandlungen, das anvisierte Jahr von 2040 auf 2035 reduzierte. Sogar ein Verbot im Jahr 2032 steht zur Debatte. Johnson hat mit der «Road to Zero» ein ambitioniertes Klimaschutzprogramm ins Leben gerufen. Er will damit England zum weltweiten Spitzenreiter in Sachen grüner Technologie werden lassen.

Spätestes anvisiertes Verbot von Neuzulassungen von Benzin- und Dieselfahrzeugen.

Karte: watson.ch

In Europa und auch weltweit am progressivsten zeigt sich Norwegen, das bereits ab 2025 keine Neuzulassungen von Benzin- und Dieselautos genehmigen will. Norwegen verfügt dank der Wasserkraft über eine grosse Menge erneuerbarer Energie. Strom kostet dort etwa halb so viel wie in Deutschland und Elektroautos werden so subventioniert, dass Neuwagen bereits beim Einkaufspreis konkurrenzfähig sind (nachher sind sie es sowieso). 2018 war der Nissan Leaf national das meistgekaufte Personenfahrzeug. Die Skandinavier weisen seit Jahren pro Kopf die meisten Elektroautos aus. 2019 waren über 50% aller Neuregistrierungen Elektroautos oder Plugin-Hybride – in einem Verhältnis von zwei zu eins. Das Ziel von durchschnittlichen 85 Gramm CO2 pro Fahrkilometer und Personenwagen wurde so drei Jahre früher als geplant erreicht. In der Schweiz nimmt dieser Wert seit ein paar Jahren wieder zu. Er steht momentan bei 137,2 Gramm.

Notorische Bremsen im Euroland sind Polen und Ungarn. Sie wehren sich gegen ein Verbot von Verbrennern. Eine Sonderstellung im Osten nimmt Slowenien ein. Dort sollen ab 2030 keine Autos mehr registriert werden dürfen, die mehr als 50 Gramm CO2 pro Fahrkilometer produzieren. Das kommt einem faktischen Verbot für reine Verbrenner gleich – deshalb erscheint auch Slowenien auf der Karte.

Etwas progressiver als das Festland verhalten sich die Balearen. Sie wollen bereits ab 2035 den Verkauf von Verbrennern verbieten, obwohl das Spanien erst ab 2040 plant.

Karte: watson.ch

Auf der Weltbühne überrascht vor allem die Aussage des indischen Kohleministers Piyush Goyal, Indien wolle bis 2030 eine komplett elektrische Autoflotte besitzen. Ein Verbot von Verbrennern könne man sich aber nicht leisten, präzisierte später Ölminister Dharmendra Pradhan. Die grüne Botschaft hat einen Haken: Indiens Strom wird zu fast 80 Prozent aus fossilen Energieträgern gewonnen. Das Land plant derzeit weitere 99 Kohlekraftwerke.

Ähnliche Pläne und Probleme hat China. Bereits 2030 wird ein konkretes Verbot auf der südlichen Insel Hainan erwartet. Für die anderen Provinzen existiert bisher kein Datum, dafür aber ein strammer Quotenplan für Elektrofahrzeuge. Auch Chinas Energiemix raucht schwarz. Die Abhängigkeit vom Kohlestrom ist mit fast 70 Prozent noch extremer als in Indien.

In Südostasien sind die Vorreiter Sri Lanka, die Provinz Hainan, Taiwan und Singapur.
In Südostasien sind die Vorreiter Sri Lanka, die Provinz Hainan, Taiwan und Singapur.Karte: watson.ch

Taiwan hingegen will bereits 2035 Verbrenner verbieten. Dies mit einem Energiemix, bei dem Kohle- und Gaskraftwerke über 70 Prozent ausmachen. Sri Lanka, Singapur und Australien äusserten ebenfalls bereits die Absicht, benzin- und dieselbetriebene Fahrzeuge zu verbieten.

Auf der anderen Seite des Globus tun sich die USA und Kanada mit konkreten Verbotsdaten schwer. Die traditionell progressiven Westküstenstaaten haben aber die Initiative ergriffen. Sowohl British Columbia wie auch Kalifornien wollen Verbrenner bis 2040 verbieten. Kalifornien ist der grösste Automarkt in Nordamerika und hat kürzlich die Lastwagenhersteller dazu verknurrt, ab 2024 auch elektrische Lastwagen produzieren zu müssen. Bis 2030 sollen 100'000 davon über die kalifornischen Strassen rauschen, fünf Jahre später sollen es bereits 300'000 sein.

Wie in Nordamerika nehmen auch in anderen Ländern Regionen und urbane Zentren das Szepter selbst in die Hand. In zahlreichen Städten in Deutschland dürfen alte Dieselgefährte nicht mehr kutschieren. Brüssel und diverse andere Städte (Paris, Barcelona, London usw.) ziehen mit. Ein extremes Beispiel ist Rom. Bereits in vier Jahren muss man seinen Diesel, auch wenn er brandneu ist, ausserhalb der Stadtgrenze parkieren.

«F***ing demokratische Schweine!» – Diese US-Einkäufer wollen keine Maske tragen

Video: watson/een
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Liebesbrief an ... Winterthur

1 / 19
Liebesbrief an ... Winterthur
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So freuen sich die Klima-Aktivisten über die Rückkehr der Nachtzüge

Video: sda

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

110 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
kuery vo züri
04.07.2020 19:04registriert Juni 2020
Elektro-Autos die Energie aus Kohlekraft laden müssten auch CO2 Abgaben bezahlen.
41262
Melden
Zum Kommentar
avatar
Locutus70
04.07.2020 20:37registriert September 2018
Ich bin ein absoluter Fan von Elektro-Autos. Es ist aber sehr blauäugig was aktuell zu dem Thema schwadroniert wird.
Es kommt darauf an woher der Strom für die Herstellung des Akkus und dem Betrieb eines Elektro-Auto kommt und nicht das es ein Elektro-Auto ist. Da scheinen sich viele immer noch was vor zu machen.
Aktuell sind allenfalls Autos mit kleinem Akku in der CO2-Bilanz auf 5 Jahre gerechnet besser als ein Verbrenner.
Es gibt noch viel zu tun beim Ausbau der erneuerbaren UND der Verbesserung von Akkus.
23153
Melden
Zum Kommentar
avatar
Cpt. Jeppesen
04.07.2020 18:53registriert Juni 2018
Tesla gibt es seit 2003. Seit 2013 wissen die Autohersteller, dass E-Autos funktionieren. Der Zeitraum um ein neues Auto zu entwerfen und in Produktion zu bringen ist ca. 8 Jahre. Also haben die konventionellen Autohersteller 2 komplette Entwicklungszyklen verpennt, oder aber sie haben die Pläne, reiten aber ihr bestehendes Geschäftsmodell zu Tode.
Ich sehe keinen Grund wieso nicht die Neuzulassung von Diesel und Benziner ab 2025 gestoppt werden kann. Zur Zeit haben wir doch eh die Krise und suchen Wege aus dieser zu entkommen. Da wäre doch der Bau der Ladeinfrastruktur genau jetzt richtig ;-)
406277
Melden
Zum Kommentar
110
«10'000 Liter Magenvolumen»: Riesenhai Megalodon konnte 8 Meter lange Beutetiere essen
Neuste Ergebnisse legen nahe, dass der Riesenhai Beutetiere so gross wie heutige Orkas vollständig hätte verschlingen und danach zwei Monate ohne weitere Nahrung durch die Meere ziehen können.

Er ist der grösste Hai, der je gelebt hat, und berüchtigt für seine riesigen Zähne. Doch es gibt kaum fossile Belege für den gesamten Körperbau des Megalodon. Ein internationales Forscherteam hat nun ein 3D-Computermodell erstellt. Dieses zeigt auch, wie gross die Beutetiere waren, die der Riesenhai verschlingen konnte.

Zur Story