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Studie: Körpergewicht und sozialer Status beeinflussen Notenvergabe

Studie: Körpergewicht und sozialer Status beeinflussen Notenvergabe

03.07.2024, 15:2103.07.2024, 15:26
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Eine Studie an Neuntklässlern in Deutschland hat ergeben, dass Schüler aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Körpergrösse, ihrer ethnischen Zugehörigkeit und des sozioökonomischen Status der Eltern einer Verzerrung der Benotung unterliegen. Zudem addieren sich diese Faktoren.

Körpergewicht und sozialer Status beeinflussen die Notenvergaben, sagt eine Studie aus Deutschland.
Das Körpergewicht und der soziale Status beeinflussen die Notenvergabe.Bild: Shutterstock

Das bedeute, dass Schüler mit mehreren «intersektionalen Identitäten» unabhängig von ihren wahren Fähigkeiten deutlich schlechtere Noten erhielten als ihre Mitschüler. Richard Nennstiel und Sandra Gilgen von der Universität Bern und der Universität Zürich in der Schweiz präsentieren diese Ergebnisse am Mittwoch im Fachblatt «Plos One».

Die Resultate der Studie seien nicht ohne Weiteres auf die Schweiz übertragbar, sagte Nennstiel auf Anfrage von Keystone-SDA. In der Schweiz zeigten sich jedoch in einer früheren Studie für die Sprachnoten ähnliche Tendenzen wie in der Studie für Deutschland für das Geschlecht, die soziale Herkunft und den Migrationshintergrund.

Um zu untersuchen, ob Schüler unter Voreingenommenheit in ihren Schulnoten leiden, verwendeten Nennstiel und Gilgen Daten aus dem Nationalen Bildungspanel in Deutschland. Sie konzentrierten sich auf eine repräsentative Stichprobe von 14'090 Schülern, die 2010 die neunte Klasse besuchten.

Nennstiel und Gilgen verglichen die Noten von Schullehrern mit Ergebnissen standardisierter Kompetenztests, um herauszufinden, ob einige Jugendliche einen Vorteil gegenüber anderen hatten. Die Wissenschaftler untersuchten die Auswirkungen von Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), sozioökonomischem Status (SES) der Eltern und ethnischem Hintergrund.

Schlechtere Noten wegen höherem BMI

Bei den von den Lehrern vergebenen Noten sei in allen Fächern, mit Ausnahme von Chemie eine geschlechtsspezifische Voreingenommenheit erkennbar gewesen. Mädchen waren laut der Studie in Deutsch, Mathematik und Biologie im Vorteil. Knaben hätten in Physik profitiert. Höhere BMIs waren mit deutlich schlechteren Noten der Lehrer in jedem Fach verbunden, während Schüler mit einem höheren elterlichen SES bessere Noten hatten.

Ein Knabe mit einem hohen BMI aus einem Minderheitenhintergrund mit niedrigem SES habe unabhängig von seinen tatsächlichen Fähigkeiten im Durchschnitt schlechtere Noten erhalten als ein in Deutschland geborenes Mädchen mit niedrigem BMI aus einem höheren SES. (sda)

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107 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FACTS
03.07.2024 17:50registriert April 2020
Die Korrelation ist wohl in beide Richtungen: Schüler mit Übergewicht und tieferen sozialen Schichten werden wohl nicht bloss schlechter bewertet, sondern sind wohl im Schnitt auch tatsächlich schlechter, da sie von ihren oft ebenfalls bildungsferneren Eltern weniger Unterstützung erhalten, sich diese keine Nachhilfestunden leisten können, Vorbilder fehlen und Übergewicht wiederum mit psychischen Problemen etc. korrelieren kann. Und das führt dann wieder zu Vorurteilen der Lehrperson.

Das sind sich wechselseitig beeinflussende Faktoren, die sich gegenseitig verstärken.
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Pitch Black
03.07.2024 16:33registriert März 2022
Es ist überall so das unterbewusst der Eindruck den man von einem Menschen hat die Bewertung und die Wahrnehmung verzerren. Gut aussehende Menschen haben es auch einfacher einen Job zu bekommen. Es gibt X-Faktoren welche da einfliessen. Aus diesem Grund sind auch Qualigespräche und Arbeitszeugnisse ein Gemisch daraus ob der Vorgesetzte den Mitarbeiter geschätzt hat und wie das Verhältnis zum Mitarbeiter war und nur teilweise eine reale Leistungsbeurteilung. Die Welt ist voll von verzerrter Wahrnehmung, Vorurteilen und ungerechter Beurteilung. Also muss jeder selber wissen was er kann.
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