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Tabrizi muss heimlich filmen, denn die Fischer in Taiji wissen, dass vieles, von dem was sie tun, illegal ist. bild: netflix / ali tabrizi

Du isst gerne Fisch? Dann solltest du dir vielleicht diese Netflix-Doku anschauen

Saskia Balser / watson.de



Was ursprünglich als eine Hommage an die grossen blauen Weltmeere gedacht war, wurde zu einer spektakulären Enthüllungsgeschichte: Der Filmemacher Ali Tabrizi ist für seine Dokumentation «Seaspiracy» durch die halbe Welt gereist, hat mit Verantwortlichen gesprochen und sich nicht selten selbst in Gefahr begeben, um vertuschte Wahrheiten über die Zerstörung der Ozeane aufzudecken. In «Seaspiracy» wird die Fischindustrie und ihre gewaltige Wirkung auf die Meere und das Klima beleuchtet.

Wer den Titel der heute auf Netflix erschienenen Doku liest, bemerkt vielleicht eine Ähnlichkeit zu dem Titel »Cowspiracy«, der 2014 erschien und mit seiner Offenlegung der industriellen Viehzucht als einer der Hauptverursacher des Klimawandels für viel Aufregung sorgte. Die Ähnlichkeit der Titel ist kein Zufall: Kip Andersen, einer der Produzenten von «Cowspiracy», hat auch die neue Meeresdokumentation produziert.

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Das Plakat zum Film. bild: netflix

«Wenn Delfine und Wale sterben, stirbt der Ozean. Wenn der Ozean stirbt, sterben wir.»

Angefangen bei Horrornachrichten von an den Strand gespülten Walen mit den Bäuchen voller Plastik setzt sich Tabrizi zuerst mit dem Müllproblem auseinander, das die Meere ganz offensichtlich haben. Ihm ist jedoch schnell bewusst, dass nicht Ohrenstäbchen und Strohhalme die grösste Gefahr für die Wale darstellen, sondern gigantische Fischernetze, die bis zu 46 Prozent des Plastiks in den Weltmeeren ausmachen.

Und obwohl der Walfang seit Jahrzehnten offiziell verboten ist, wird an vielen Orten weiterhin nach den Tieren gejagt – ebenso wie nach Delfinen. Das hat globale Auswirkungen: Tabrizi erklärt, dass Wale das Ökosystem der Meere im Gleichgewicht halten. Zudem sind sie unabkömmlich im Kampf gegen die Klimakrise, denn sie düngen den Ozean mit Phytoplankton, der laut Tabrizi jedes Jahr viermal so viel Kohlendioxid wie der Amazonas-Regenwald absorbiert und bis zu 95 Prozent unseres Sauerstoffs erzeugt. Den Effekt, den Wale auf das Klima haben, wurde auch vom Internationalen Währungsfond erkannt und 2019 in einer Studie festgehalten. «Wenn Delfine und Wale sterben, stirbt der Ozean. Wenn der Ozean stirbt, sterben wir», sagt Tabrizi.

Die Gründe dafür sind für den Filmemacher schwer zu ermitteln, denn er wird während seiner Recherche ständig zurückgewiesen, Interviews werden verweigert und seine Mission als «zu gefährlich» charakterisiert.

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Haifischflossen gelten als Statussymbol. bild: netflix / lucy tabrizi

Nachhaltige Fischerei? Gibt es nicht

Tabrizi deckt dennoch auf, was offenbar nicht nur Organisationen, sondern auch Regierungen verstecken wollen. So zum Beispiel in Taiji, Japan. Dort boomt die Milliarden Dollar schwere Thunfischindustrie, für deren Erhalt laut der Filmmacher regelmässig Delfine getötet werden sollen, die ansonsten den Fischern die Beute wegschnappen würden. The Dolphin Project und Peta gehen gegen die Delfin-Tötungen in Taiji vor. Gleichzeitig werden in Hongkong Haie getötet für die Haiflossensuppe, 50 Millionen Haie sollen so pro Jahr alleine durch Beifang sterben. Muss die industrielle Fischerei wirklich so agieren? Gibt es keinen nachhaltigeren Weg?

Tabrizi spricht mit zahlreichen Experten und Mitarbeitern von Öko-Labels wie «Dolphin Safe», das beispielsweise zeigen soll, dass für den Fang eines Fischs kein Delfin durch Beifang sterben musste. Es kommt heraus: Dieses Label stellt keine Garantie dar. Beobachter, die auf den Fischerschiffen die Einhaltung der Standards kontrollieren sollen, werden offenbar bestochen und die Fischer selbst lügen, weil sie mit jedem verliehenen Label mehr Geld verdienen. Auch die Organisation «MSC», die Fischprodukte aus nachhaltiger Fischerei zu kennzeichnen, steht hart in der Kritik und verweigert es, dem Filmemacher ein Statement zu geben.

Captain Paul Watson, Gründer der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd sagt: «Es gibt keine nachhaltige Fischerei. Es gibt nicht genug Fisch dafür. Heute ist alles ‹nachhaltig›. Aber es ist nicht nachhaltig. Das ist ein Marketingtrick.» Es wird immer deutlicher, dass zu viele Menschen an der industriellen, zu grossen Teilen illegalen, Fischerei Geld verdienen und deswegen auf Labels, die Nachhaltigkeit suggerieren, kein Verlass ist.

«Es gibt eine einfache Lösung: Lasst den Ozean in Ruhe»

Was ist also die Alternative? Paul Watson sagt: «Der Ozean ist unser grösster Kohlenstoffabfluss. Um etwas gegen den Klimawandel zu tun, müssen wir zuerst den Ozean beschützen. Es gibt eine einfache Lösung: Lasst ihn in Ruhe.»

Wenn die industrielle Fischerei mit der gleichen Brutalität vorgeht wie bisher, werden die Meere bis zum Jahr 2048 leer sein – das prophezeit «Seaspiracy». Laut dem National Geographic kommt eine Studie aus dem Jahr 2006 zu dem gleichen Schluss. Keine guten Aussichten, weder fürs Klima, noch für die Biodiversität der Meere, noch für uns Menschen. Der einzige Ausweg, den Tabrizi für sich findet: «Das Beste, was ich wirklich jeden Tag tun konnte, um den Ozean und die Meerestiere zu schützen, die ich liebte, war einfach, sie nicht zu essen.»

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