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Unheimlich ähnlich: Das «perfekte» Paar. (Symbolbild) bild: shutterstock

Wenn Pärchen zu einer Person verschmelzen

Tim Kröplin / watson.de



Ein altes Paar spaziert durch einen Wald. Nicht nur ihr Schritttempo, auch ihr Outfit ist genau aufeinander abgestimmt: rote Funktionsjacken, beige Hosen, braune Schuhe. Sie halten an einem kleinen Gasthof. Beide lassen sich stöhnend auf einen der Plätze fallen. Ein Kellner fragt, was sie haben möchten. «Kaffee Crème und ein Nuss-Gipfeli», antworten sie gleichzeitig. Der Kellner schmunzelt. «Wieder eines dieser Hybridpärchen», denkt er und gibt die Bestellung weiter.

Befinden sich Menschen lange Zeit in einer Beziehung, übernehmen sie häufig die Eigenschaften ihrer Partner. Doch nicht nur das. Gelegentlich laufen bestimmte Bewegungen, wie der Griff zum Wasserglas oder auch das Gähnen völlig synchron ab. Entsprechend scheint es manchmal, als würden wir mit unseren Partnern verschmelzen.

Doch warum imitieren wir überhaupt unsere Partner? Und schadet es unserer Beziehung, wenn wir das nicht tun?

Unser Gehirn macht uns zu Nachahmern

Eins vorweg: Menschen zu imitieren ist für uns alltäglich. Sehen wir etwa, wie jemand gähnt, steigen wir häufig mit ein. Dafür verantwortlich sind bestimmten Nerven in unserem Gehirn. Diese werden als Spiegelneuronen bezeichnet. Sie senden bereits Signale aus, wenn wir bestimmte Handlung beobachten. Das Interessante an ihnen ist, dass sie so reagieren, als hätten wir das Gesehene selbst ausgeführt.

Die Imitationen folgen dann meist unbewusst. Unser Gehirn dechiffriert die Bewegungsmuster oder Körperzeichen einer anderen Person und kurz darauf entsteht in unserem Kopf ein Spiegelbild von dem, was wir gesehen haben. Sind die Informationen verarbeitet, werden unsere Spiegelneuronen aktiv und unser Körper reagiert. Das Ganze ähnelt einer Gitarre: Schlagen wir eine Saite an, schwingen die anderen mit.

Spiegelneuronen erleichtern unseren Alltag

Die Spiegelneuronen waren eine reine Zufallsentdeckung. Forschende stiessen 1996 auf sie, als sie an Schimpansen untersuchten, welche Nervenzellen aktiv werden, wenn sie nach einer Nuss greifen. Dafür schlossen sie die Tiere an entsprechende Messgeräte.

Während der Untersuchung bemerkten die Forschenden, dass die Geräte nicht nur reagierten, wenn die Tiere selbst nach einer Nuss griffen, sondern auch, wenn sie beobachteten, wie jemand Anderes die Handlung ausführte. Das Gehirn des Tieres spiegelte das Gesehene – die Spiegelneuronen waren entdeckt.

Und die sind für ein gesellschaftliches Zusammenleben unverzichtbar. So lassen sie uns nicht nur bestimmte Gesten imitieren, sondern auch erahnen, was unser Gegenüber als nächstes tun wird. Deshalb weichen wir nicht verängstigt zurück, wenn uns unser Partner küssen oder umarmen will.

Wir spiegeln auch Gefühle

Besonders aktiv sind die Spiegelneuronen dann, wenn wir jemanden sympathisch finden. Entsprechend spielen sie eine besondere Rolle bei der Partnersuche.

Flirten wir etwa mit jemanden, kommt es nicht selten vor, dass wir die Bewegungen dieser Person imitieren. Beine überschlagen, einen Schluck Wasser nehmen, das Kinn stützen; die Bewegungen laufen beinahe synchron – sofern wir uns zu der Person hingezogen fühlen.

Entwickelt sich aus dem Interesse Liebe, arbeiten unsere Spiegelneuronen weiter. Je näher wir einem geliebten Menschen stehen, desto besser spüren wir, was diese Person bewegt. So stellte sich in einer Studie der Universität Parma heraus, dass das Schmerzzentrum eines Menschen reagierte, wenn dem Partner oder der Partnerin Schmerzen zugefügt wurden.

Gleiches liebt sich?

Wichtig dabei: Unsere Spiegelneuronen spiegeln ausschliesslich Dinge, die sie kennen. Je mehr wir also einem Menschen ähneln, desto stärker spiegeln wir ihn, was wiederum zu einer stärkeren Verbundenheit führt. Und das wirkt sich auf die Partnerwahl aus: «Nicht selten wählen wir Partner, die uns in gewisser Hinsicht ähneln», sagt die Paartherapeutin Birgit Neumann-Bieneck im Gespräch mit watson.

«Meckern wir gerne, wählen wir jemanden, der ebenso dazu neigt. Selbiges gilt für eher ausgeglichene Menschen.»

In der Evolutionsbiologie wird das auch als assortative Paarung bezeichnet. Demnach neigen Lebewesen dazu, sich mit Individuen zu paaren, die ihnen besonders ähnlich sind. Allerdings weist Neumann-Bieneck auch darauf hin, dass wir nur selten zu einem Extrem neigen.

«Natürlich können auch impulsive und ruhige Menschen zueinander finden. Allerdings sind Konflikte in diesem Fall keine Seltenheit»

Neumann-Bieneck

Solltest du einen Partner haben, der dir überhaupt nicht ähnelt, keine Sorge: «Nur weil es eventuell Konflikte geben kann, heisst es nicht, dass die Beziehung nicht funktioniert», sagt Neumann-Bieneck. Dann müssen beide Parteien lernen, die Signale des jeweils anderen zu deuten. «Sowas braucht Zeit, ist aber nicht unmöglich.»

Warum wir unseren Partnern mit der Zeit immer ähnlicher sehen

Nun kopieren wir nicht nur bestimmte Handlungen unseres Partners, sondern gelegentlich auch seine Sprache. Hat er etwa einen bestimmten Dialekt, kommt es nicht selten vor, dass wir diesen ebenso nutzen. «Dadurch fühlen wir uns unserem Partner näher», sagt Neumann-Bieneck.

Selbiges gelte auch für die Kleiderwahl. Ob ein Partnerlook für eine funktionierende Beziehung notwendig ist, sei allerdings dahingestellt.

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Weil Verliebte auf Fotos nicht kitschig aussehen müssen

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Rückbauer 16.01.2020 14:27
    Highlight Highlight Denn sie werden ein Leib... so die Bibel, vor 1500 Jahren. Wunderbar, Ihr holt auf!
  • 3klang 16.01.2020 09:21
    Highlight Highlight Eine Theorie zur Ursache des ansteckenden Gähnens ist, dass Menschen in einer sozialen Gruppe so die Müdigkeit und somit den Schlaf synchronisieren, was wiederum den Zusammenhalt der Gruppe fördert.

    Höhlenbewohner stören sich nicht gegenseitig.
    Nomaden ziehen gemeinsam weiter.
    • Name_nicht_relevant 17.01.2020 06:30
      Highlight Highlight das klingt wie die Menzsynchronisierung bei den Frauen.
  • Cirrum 16.01.2020 08:58
    Highlight Highlight Ich musste schon gähnen als ich gähnen gelesen habe:-)
    • DichterLenz 16.01.2020 09:06
      Highlight Highlight Ich auch. Könnte aber auch an der Uhrzeit liegen.
  • Medizinerli 16.01.2020 08:36
    Highlight Highlight Jesses, ich hoffe wir werden nie so. Ich möchte doch gerne noch ein individuelles Wesen bleiben und mein Partner soll das bitte auch :)
    • Bratansauce 17.01.2020 10:02
      Highlight Highlight Für dich gibt es Hoffnung: Ich bin seit 10 Jahren mit meiner Freundin zusammen und wir sind noch immer völlig (und damit meine ich völlig) unterschiedlich in unserem Handeln.. :-)
    • Medizinerli 17.01.2020 15:49
      Highlight Highlight Bratansauce: Ja, wir auch. Aber endgültig sehen wir es erst im Alter... Manchmal bricht dieses Phänomen es erst dann aus :D
  • Die verwirrte Dame 16.01.2020 08:32
    Highlight Highlight "Wie geht es dir?" - "Uns geht es gut!"
    "Wann kann ich dir wieder einmal sehen?" - "Wir haben am Dienstagabend Zeit!"
    "Was machst du?" - "Wir sind gerade am Fernsehen."

    STOPPT DIE HYBRIDPÄRCHEN!
    • DichterLenz 16.01.2020 09:06
      Highlight Highlight "Wie geht es uns denn heute?" Jeder Arzt immer.
    • Rüebliraupe 16.01.2020 10:10
      Highlight Highlight Wie ich das hasse...

      Oder wenn ich nur noch in der Ihr-Form angesprochen werde: "Kommt ihr auch in den Ausgang heute?"
      "Ihr? Ich und wer?"

    • rheinfaller 16.01.2020 13:00
      Highlight Highlight "Schatz, ich--" -"Es git keis ich i üsere Bezieig"- "ok, mir hend dini schwöster gvöglet" :-D
    Weitere Antworten anzeigen
  • Eidi 16.01.2020 08:18
    Highlight Highlight Also müsste "Gegensätze ziehen sich an", eher "Ähnlichkeiten ziehen sich aus" heissen?
  • Bee89 16.01.2020 08:04
    Highlight Highlight Das sind dann auch Menschen, die nur noch in der Wir-Form reden.
  • Name_nicht_relevant 16.01.2020 06:40
    Highlight Highlight Ich habe einen Partner der viel Ruhiger ist als ich, organisierter besser mit dem geld umgehen kann weder ich und vorallem viel Grösser als ich ist. Kaffe ohne Milch mit wenig Zucker trinkt, Pilze und Scharf nicht mag aber genau deshalb Liebe ich ihn. Er sieht die Welt mit anderen Augen und ich brauche genau das, ich bin als Balkanerin sehr Emotional und Tempramentvoll, bin anders erzogen worden und hier aufgewachsen. Darum hatte ich immer Probleme in der Bezihung mit Balkanern/Moslems. Ich war noch nie im Leben so ausgeglichen und Glücklich wie mit Ihm, machmal muss man aus der Reihe tanzen.
  • Simsalabum 16.01.2020 05:50
    Highlight Highlight Zum Partnerlook: Bei uns ist das keine Absicht. Fällt uns meistens erst unterwegs auf und das ist uns dann auch wirklich unangenehm. Wenn wir am einen Anlass gehen, stimmen wir das Outfit im vorhinein ab, um zu verhindern gleich angezogen zu sein.
  • LubiM 16.01.2020 05:06
    Highlight Highlight Das sind dann die, die nur noch ein Facebook-Profil haben mit der Schreibweise: Nicole & Nicolas Meier-Müller
    • The fine Laird 16.01.2020 06:57
      Highlight Highlight Es gibt noch Menschen mit einem Facebook Profil?😲😲😲
    • jjjj 16.01.2020 08:32
      Highlight Highlight Ja, stell dir vor. 3,5 Mio aktive FB Nutzer in der Schweiz...
    • Frida Kahlo 16.01.2020 08:33
      Highlight Highlight Facebook ist so oldschool, dass es bald von Hipstern wieder genutzt wird
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