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Als die Berner Lehrkräfte in den Computerkurs mussten

Computerkurs für bernische Lehrkräfte in Köniz, 1990.
Computerkurs für bernische Lehrkräfte in Köniz, 1990.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Teure Macs, wenig Plan: So war der Anfang des Informatikunterrichts

In den 1990ern führt der Kanton Bern Informatik als Unterrichtsfach ein und schickt seine Lehrkräfte dafür in den Computerkurs. Damit war er verhältnismässig früh dran.
07.02.2026, 17:39
Andreas Walter / Schweizerisches Nationalmuseum

März 1990: Ein kleiner Raum im bernischen Köniz, vollgestellt mit Tischen und Computern. Die Blicke der Männer, die sich dort versammelt haben, sind aufmerksam auf die Bildschirme vor ihnen gerichtet, während sie die Computermäuse konzentriert hin und her bewegen. Hierbei handelt es sich nicht etwa um die Zusammenkunft eines Computerclubs, sondern um einen Weiterbildungskurs für Lehrkräfte.

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Beobachtet wird das Ganze von Journalisten und Pressefotografen (siehe Box). Sie sollen später über das Projekt zur Einführung des Informatikunterrichts an den Berner Volksschulen berichten. Mittels eines Kredits von 950'000 Franken sollen im Kanton weitere Schulungsräume aufgebaut sowie neue Computersysteme beschafft werden. Damit will die Politik die Computerkurse für Lehrkräfte ausbauen und den Grundstein für die Einführung von Informatik als neuem Unterrichtsfach an Primar- und Sekundarschulen legen.

Ist das der Cursor? Die Anwendung der Computerprogramme musste auch von den Lehrern geübt werden.
Ist das der Cursor? Die Anwendung der Computerprogramme musste auch von den Lehrern geübt werden.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Geplant ist eine stufenweise Einführung des Informatikunterrichts. Bis 1995 sollen an allen Schulen im Kanton genügend ausgebildete Lehrkräfte und Computerarbeitsplätze zur Verfügung stehen, um den Informatikunterricht gemäss Lehrplan durchführen zu können. Langfristig soll die Informationstechnik Teil des Schulalltags werden und auch in den übrigen Unterricht mit einfliessen. Einige Fachleute sehen den Einsatz von Computern als blosses «Hilfsmittel» indessen kritisch. Sie fordern, der Informatikunterricht müsse analog zu den Naturwissenschaften ein tieferes Verständnis für die Funktionsweise von Computern vermitteln – Programmierkenntnisse inklusive. Jugendliche dürften nicht «informatik-unmündig» aus der Schulzeit entlassen werden – so auch der Tenor in der Politik.

Gleichzeitig sollten jedoch auch keine «kleinen Programmiererinnen und Programmierer mit viereckigen Augen» herangebildet werden, findet die zuständige Berner Regierungsrätin Leni Robert. Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Computerarbeit und des rasanten Wachstums der IT-Branche hätten jedoch gerade solche in der künftigen Arbeitswelt wohl besonders gute Chancen.

Die bernische Erziehungsdirektorin Leni Robert betonte an der Pressekonferenz im März 1990, dass Computer für die Schule wichtig seien, es aber eine kritische Annäherung brauche.
Die bernische Erziehungsdirektorin Leni Robert betonte an der Pressekonferenz im März 1990, dass Computer für die Schule wichtig seien, es aber eine kritische Annäherung brauche.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Auch Apple ist am Start

Die im Projekt vorgesehene Anschaffung neuer Computersysteme sowie deren Auswahl obliegt den Gemeinden. Verbreitet sind zu dieser Zeit neben den mit MS-DOS operierenden PCs zunehmend auch die Macintosh-Modelle von Apple.

Der Macintosh geht auf den Anspruch zurück, den «Computer für den Rest von uns» zu bauen. Er ist ein Produkt mehrerer technischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen, die bis in die 1970er-Jahre zurückreichen. Technologieunternehmen beginnen damals zunehmend leistungsfähigere und preiswertere Mikroprozessoren zu entwickeln. Gleichzeitig engagieren sich tech-enthusiastische Personen – inspiriert von der Idee eines «Volkscomputers» – für die stärkere Verbreitung der Computertechnik.

Das Ergebnis dieser Dynamik sind anfangs sogenannte «Hobbycomputer» für technisch versierte Bastlerinnen und Bastler. Dank Fortschritten im Hard- und Softwarebereich entwickeln sich diese bald zu benutzerfreundlichen und erschwinglichen Heimcomputern weiter. Apple verfolgt zu dieser Zeit eine expansive Marketingstrategie. In den 1980ern werden in Amerika im Rahmen des Education Consortium Programms tausende Macintosh-Geräte zu günstigen Konditionen an Universitäten abgegeben. Im nächsten Jahrzehnt baut das Unternehmen den Produktionsstandort im irischen Cork massiv aus, um die europäischen Märkte – und damit auch Schweizer Schulen – besser bedienen zu können.

Auch dank Apple, hier ein Gerät von 1984, stieg die Computernutzung im Bildungsbereich rasch an.
https://permalink.nationalmuseum.ch/100179743
Auch dank Apple, hier ein Gerät von 1984, stieg die Computernutzung im Bildungsbereich rasch an.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Auch im Fortbildungszentrum für Lehrkräfte in Köniz kommen Macintosh-Modelle zum Einsatz. Anders als ihr kompaktes und durchdesigntes Äusseres vermuten lässt, sind diese frühen Heimcomputer jedoch noch nicht völlig ausgereift. Das beengte Gehäuse des 1986 vorgestellten Macintosh Plus konnte sich bei intensiver Nutzung stark aufheizen, was zu Hardware-Schäden führte. Entsprechend warnt in Köniz ein Aufkleber am oberen Bildschirmrand, keine Gegenstände auf den Computer zu legen, um die Luftzirkulation nicht einzuschränken.

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Während der Informatikunterricht an den Volksschulen im Kanton Bern ab 1990 erst langsam eingeführt wird, sind Computer in anderen Bereichen der schweizerischen Bildungslandschaft bereits stärker verbreitet. Rund 16'000 Geräte sind laut einer Studie der ETH Zürich 1989 – vorwiegend in Berufsschulen und Gymnasien – bereits im Einsatz. In den Volksschulen kommen dagegen erst 20 bis 30 Prozent der Jugendlichen im Unterricht mit Computern in Berührung.

Computer auf dem Vormarsch

Anders sieht es im privaten Umfeld aus. Als 1982 der Heimcomputer Commodore 64 auf den Markt kommt, entwickelt sich dieser rasch zum Kassenschlager. Das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL widmet seine Ausgabe vom 11. Dezember 1983 dem in immer mehr Kinderzimmern anzutreffenden Computer unter dem Titel «Das grosse Geschäft». Einzelne Jugendliche berichten sogar davon, mit dem Schreiben eigener Programme bereits Geld zu verdienen, womit sie an vorderster Front der technischen Entwicklung stehen.

Titelseite des deutschen Magazins DER SPIEGEL vom 11. Dezember 1983.
Titelseite des deutschen Magazins DER SPIEGEL vom 11. Dezember 1983.Bild: © DER SPIEGEL

Hinkt der Kanton Bern 1990 also der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung bereits hinterher? Einerseits ist der Kanton mit der Entscheidung, den Informatikunterricht schon ab Stufe Volksschule einzuführen, noch immer unter den Vorreitern. Durch die stufenweise Einführung von Computern an Schulen kann zudem die Ausbildung der Lehrkräfte schritthalten und dank des technischen Fortschritts werden die Geräte ständig preiswerter und leistungsfähiger.

Gleichzeitig ist der Siegeszug des Computers in den 1990er-Jahren längst nicht mehr aufzuhalten. Während die Lehrkräfte in Bern noch zum Informatikkurs antreten, erlernen immer mehr Kinder und Jugendliche die Computernutzung intuitiv und spielerisch im eigenen Zuhause. Der Computer wird zunehmend zum Alltagsgegenstand – auch durch Unternehmen wie Apple die Ihre Produkte geschickt vermarkten und einer breiteren Masse zugänglich machen.

Auch die SBB reagierten auf den Computerboom und richteten 1988 ein rollendes Büro ein. Neben PC konnten dort Telefon, Fax und Kopiergerät genutzt werden.
https://permalink.nationalmuseum.ch/100640044
Auch die SBB reagierten auf den Computerboom und richteten 1988 ein rollendes Büro ein. Neben PC konnten dort Telefon, Fax und Kopiergerät genutzt werden.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Die Einführung des Informatikunterrichts ist somit nicht nur das Ergebnis einer zukunftsorientierten Bildungspolitik. Vielmehr ist sie Teil einer grösseren technischen und gesellschaftlichen – aber auch wirtschaftlichen – Entwicklung, die bis heute andauert.

Die Presse­bild­agen­tur ASL
Actualités Suisses Lausanne (ASL) wurde 1954 von Roland Schlaefli gegründet und galt bis zur Schliessung 1999 als wichtigste Westschweizer Pressebildagentur. 1973 übernahm Schlaefli zudem das Archiv der 1937 gegründeten Agentur Presse Diffusion Lausanne (PDL). Die Bestände der beiden Agenturen umfassen ungefähr sechs Millionen Bilder (Negative, Abzüge, Diapositive). Im breiten Themenspektrum lassen sich die Schwerpunkte Bundespolitik, Sport und Westschweiz ausmachen. Den Schritt ins digitale Zeitalter machte die Agentur nicht mehr mit. Seit 2007 befinden sich die Archive von ASL und PDL im Besitz des Schweizerischen Nationalmuseums. Der Blog präsentiert in einer losen Abfolge Bilder und Bildserien, die bei der Aufarbeitung der Bestände besonders aufgefallen sind.
>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch
watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Informa­tik­kurs für Lehrkräfte» erschien am 3. Februar.
blog.nationalmuseum.ch/2026/02/informatikkurs-fuer-lehrkraefte
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