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Was steckt hinter dem Zeckenstich-Rekord? «Da muss etwas anderes am Laufen sein»

Niemand weiss, warum es dieses Jahr extrem viele Zeckenstiche gibt. Ein Forscher sagt, was vor dem Stich passiere, werde in der Schweiz kaum untersucht.
14.08.2018, 08:25
Sabine Kuster / Nordwestschweiz

Noch nie gab es so viele Zeckenstiche, gemessen von Anfang Jahr bis Ende Juli. Gemäss den neusten veröffentlichten Hochrechnungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wurden 10'800 akute Fälle von Borreliose gemeldet. Und statt wie sonst rund 70 bis 170 Fälle FSME-Infektionen bis Ende Juli gab es 262 Fälle.

Eine vollgesogene Zecke
Eine vollgesogene Zecke
Bild: keystone/AP

Auch Zeckenforscher Werner Tischhauser von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) registrierte dies via der Zecken-App. Er sagt: «Natürlich war der feuchtwarme Frühling günstig für Zecken und die Leute hielten sich in Scharen draussen auf. Aber das alleine erklärt den extremen Anstieg an Zeckenstichen nicht. Da muss etwas anderes am Laufen sein.»

Bloss was? Gibt es tatsächlich mehr Zecken? Sind vielleicht die Wirte öfter Träger der FSME-Viren und Borreliose-Bakterien? Zecken sind nur die Überträger der Krankheiten, sie infizieren sich an Wirten wie Mäusen, Vögeln, Vieh oder sogar Eidechsen.

Was passier vor dem Stich?

Die Antwort kennt niemand. Tischhauser sagt: «Was vor dem Zeckenstich passiert, dazu wird in der Schweiz bedenklich wenig geforscht.» Für die Pharmaindustrie ist es nur interessant, Impfstoffe und Medikamente für nach dem Stich zu entwickeln.

Und auch beim BAG stehen Zecken nicht weit oben auf der Prioritätenliste – schliesslich gibt es für die potenziell tödlichen FSME-Viren bereits einen Impfstoff und die Borreliose kann den Menschen zwar ernsthaft schaden, verläuft aber nicht tödlich.

Zecken fallen übrigens nicht einfach von den Bäumen

Video: srf

Nun, da es zu einem rekordhohen Anstieg an Zeckenbissen und -infektionen kam, ist es beunruhigend, dass nicht nach der Antwort geforscht wird. «Jetzt müsste man eigentlich zusammensitzen», sagt Tischhauser, «aus unserer App haben wir viele Daten, aber wir müssten sie mit dem BAG vergleichen, welches die Meldungen der Ärzte erfasst.»

Der Nachweis ist teuer

Generell ist die Datenlage noch lückenhaft: Die Leute wissen oft nicht genau, an welchem Ort und zu welcher Zeit sie gestochen wurden.

Das letzte Mal wurde in der Schweiz 2009 flächendeckend eine Feldstudie zu Zecken durchgeführt: An 200 Standorten zog die Armee Tücher über Wald und Wiese und sammelten so Zecken ein, die dann auf FSME-Viren untersucht wurden. Seither fanden nur punktuell Nachforschungen statt.

Wiederholt wurde der grossflächige Nachweis nicht. Denn das ist aufwendig und teuer. «Man müsste zwischen Frühling und Herbst achtmal an denselben Orten zu unterschiedlichen Tagszeiten Zecken einsammeln», sagt Tischhauser, «nur so liessen sich Modelle für einzelne Orte der Schweiz erstellen.»

Denn die Forschung in Deutschland hat ergeben: Zecken mit FSME-Viren sind nur an ganz speziellen Orten zu finden. «Schon 10 Meter links und rechts davon ist der Virus manchmal nicht mehr nachweisbar», so Tischhauser. Es gehe deshalb nur mit gründlicher Feldforschung, um eine Antwort auf den Anstieg der Stiche zu finden.

Quelle: BAG
Quelle: BAG
Bild: Aargauer Zeitung / Mia

Es braucht viel Pech

So viele Zeckenbisse es heuer auch gibt: Wer gebissen ist, ist noch lange nicht infiziert. Blut saugen muss der Gemeine Holzbock nur dreimal im Leben. Und nur dann kann er sich selber anstecken. Aus dem Ei geschlüpft, sind die Larven in den allermeisten Fällen frei von Viren und Bakterien. Sie trinken irgendwo dort zum ersten Mal Blut, wo das Muttertier am Boden 2000 bis 3000 Eier ablegt hat.

Wenn die Larve zur Nymphe entwickelt ist, kann sie infiziert sein. Nymphen sind kleiner als die ausgewachsenen Tiere und werden deshalb viel seltener entdeckt. Sie brauchen noch einmal Blut, um sich in eine erwachsene Zecke verwandeln zu können. Diese benötigt zum dritten Mal einen Wirt, um selber Eier legen zu können. (aargauerzeitung.ch)

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