Wissen
Science-News

Erdbeben am Ozeanboden: Die Wellen in den Meeren werden immer massiver

Science-News

Erdbeben am Ozeanboden zeigen: Die Wellen in den Meeren werden immer massiver

Es ruckelt immer stärker auf dem Meeresboden. Der Grund: Massive Wellen in den Ozeanen sorgen für stärkere Erschütterungen, zeigt eine Studie. Warum das wichtig ist.
12.12.2023, 02:38
Thomas Wanhoff / t-online
Mehr «Wissen»
Ein Artikel von
t-online
Wellen schlagen an die Küste (Symbolbild): Seismische Messungen zeigen, dass diese immer mehr Energie mit sich bringen.
Wellen schlagen an die Küste (Symbolbild): Seismische Messungen zeigen, dass diese immer mehr Energie mit sich bringen.Bild: imago

Der Meeresboden hat schwer zu kämpfen. Wenn tonnenschwere Wellen an der Oberfläche zusammenbrechen, dann wird auch der Boden weit unten erschüttert. Das wiederum resultiert in sehr kleinen, aber messbaren Erdbeben. Diese haben in den vergangenen Jahren an Stärke zugenommen, zeigt eine Studie. Das sei ein Weckruf, so der Autor der Studie.

Neben Erdbeben und Vulkanausbrüchen sei die Energie, die durch die Ozeanwellen entsteht, eines der dominanten seismischen Signale der Erdkruste.

«Je grösser die Wellen werden, desto stärker drücken und ziehen sie auf den Meeresboden», sagt Rick Aster, Seismologe und Hauptautor der Untersuchung, die auf der Webseite des Magazins «Nature» veröffentlicht wurde, der «Washington Post». Die Studie benutzt die leichten Erschütterungen als Proxy – das heisst, als Indikator – für die Stärke des «küstennahen Wellenganges», wie die Autoren schreiben.

Demnach sei die Energie der Wellen um 0,27 Prozent höher im Vergleich zu den 80er Jahren, aber seit 2000 sei sie um 0,35 Prozent gestiegen. Was nach wenig klingt, bedeutet einen Anstieg um acht Prozent in 30 Jahren.

Wellen werden grösser

Die Wissenschaftler haben Daten von 50 Erdbeben-Messtationen weltweit ausgewertet. Die Erschütterungen breiten sich teilweise über grosse Distanzen aus.

Der Mensch spürt diese zwar nicht, deren Auslöser aber sehr wohl: Surfer profitieren davon – nämlich den grossen Wellen, auf den sie reiten können. Diese wiederum kommen von grossen Stürmen auf hoher See. Und der Anstieg der Kraft, die bei den Sturmwellen gemessen wurde, ist ein Indikator für den Klimawandel. «Er ist wirklich ein Mass dafür, was die grossen Stürme auf der ganzen Welt anrichten», sagte Studienautor Aster.

«Die globale Erwärmung lädt die Atmosphäre auf, was zu stärkeren Stürmen mit intensiveren Winden führt, die grössere Wellenhöhen erzeugen», sagt der Ozeanograph Peter Bromirski, der nicht an der Studie beteiligt war, der «Washington Post». So verdunstet beispielsweise mehr Wasser in einer wärmeren Atmosphäre und wird zum Treibstoff für Stürme.

Nordatlantik erlebt besonders grosse Zunahme

Die grösste Zunahme an Wellenenergie seit 40 Jahren sei im Nordatlantik gemessen worden, dort betrug sie zwischen 0,6 und 0,8 Prozent. Aus dieser Region kommen auch weitere Klima-Rekorde, wie immer wärmeres Meereswasser und mehr schwere Stürme. Besonders überraschend sei, dass das Phänomen aber weltweit beobachtet wird.

Die Wellenaktivität dürfte sich weiter verstärken, solange die Temperaturen weiter steigen, sagt Bromirski, emeritierter Ozeanograph am amerikanischen «Scripps Institution of Oceanography». Diese Zunahme, die er bei den Wellen an der kalifornischen Küste dokumentiert hat, ist seit dem sprunghaften Anstieg der globalen Erwärmung in den 1970er-Jahren zu beobachten. Während die Surfer hohe Wellen bevorzugen, sind Bewohner der Küsten gefährdet.

Auswirkungen für die Küstenregionen

«Bei extremen Wellen, die durch Stürme wie aussertropische Wirbelstürme ausgelöst werden, kann der Sedimenttransport beträchtlich sein, was zu Erosion führt und die Infrastruktur an der Küste beeinträchtigt», sagt Itxaso Odériz, Forscher an einem spanischen Institut, das sich mit Meeresströmungen beschäftigt. «Der Wasserspiegel kann erheblich ansteigen, was zu Überschwemmungen an der Küste führen kann.»

«Das ist ein weiterer Weckruf für die Menschen, sich ernsthaft um die Infrastruktur und das Ökosystem der Küsten zu kümmern, wenn die Wellen im Durchschnitt höher werden», so Aster. (lak/t-online)

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
HKD
12.12.2023 05:38registriert November 2022
Ein weiteres Indiz über den Raubbau der Menschheit an der Erde, für alle dies noch nicht begriffen haben.
287
Melden
Zum Kommentar
4
History Porn Special: Schweizer Frauen-Geschichte in 28 Bildern

... wollen wir ein bisschen kreuz und quer durch die Schweizer Frauenhistorie wandern.

Zur Story