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Ja, diese Dame (mit den spiegeleierartigen Brüsten) scheint auf einer Art Penis-Fuchur zu fliegen. Aus einer italienischen Handschrift aus dem 14. Jahrhundert. bild: Discarding Images/facebook / bearbeitung watson

Wenn Frauen mit ihren Vaginen reden: Mittelalterliches Sexgedicht entdeckt

Die (christlichen) Menschen haben schon um 1300 schmutzige Sachen verfasst! Diese neue Erkenntnis förderte ein unscheinbares Pergament zutage.



Die Geschichte beginnt so: Eine schöne «junkfrouwe» (Jungfrau) sitzt in einem lauschigen Gärtchen und streitet sich gar fürchterlich mit ihrem «fud» – ja, damit ist ihre Vagina gemeint. «Was nur verleitet sie dazu, ein Zwiegespräch mit ihrem Geschlechtsorgan zu führen?», fragt man sich da als neugieriger Leser sofort.

Nun, es ist die existentielle Frage nach der Natur der Liebe, die ihr von einem Mann entgegengebracht wird.

Liebt er sie nur, weil sich zwischen ihren Beinen das Paradies auftut? Oder liebt er sie ihrer Schönheit willen? Die «fud» ist sich sicher: Die «junkfroue» gibt zu viel aufs Aussehen. Am Ende begehre der Mann sowieso nur das eine: sie selbst. Die klaren Worte ihrer Vulva machen die junge Frau so wütend, dass sie sie verstösst.

Doch die Trennung bekam beiden nicht sonderlich gut und so endet die Geschichte mit der Versöhnung der beiden – und der Dichter «nagelt» die «fud» dauerhaft an ihrer Besitzerin fest. Auf dass selbiges nicht noch einmal geschieht!

Soweit der Inhalt von Rosendorn – einem schlüpfrigen mittelalterlichen Gedicht.

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Sprechende Genitalien bereits um 1300

Bisher ist die Mittelalter-Forschung davon ausgegangen, dass solcherlei unflätige Gedanken über Sexualität erst in der städtischen Kultur des 15. Jahrhundert aufgeschrieben worden seien. Man kannte den «Rosendorn»-Text aus zwei Abschriften – doch nun ist eine dritte im niederösterreichischen Stift Melk aufgetaucht. Eine bedeutend ältere, die ums Jahr 1300 datiert wurde.

Schön, wie sich die Menschheit mit ihrer Originalität immer wieder selbst überraschen kann.

In der höfischen Literatur des Mittelalters wurde gemeinhin nicht so unverblümt über Sexualität geschrieben, das verletzte die Konventionen der Minnerede.

Deshalb wichen die besonders forschen Autoren auf schwankartige Erzählungen aus, da konnte man alles geziemlich Ritterliche parodieren und sich ungestraft Obszönitäten hingeben. So wie dies Heinrich Wittenwiler in seinem satirischen Lehrgedicht «Der Ring» tat. Dieses Meisterwerk aus dem frühen 15. Jahrhundert erzählt uns von Bauern, die eigentlich Ritter sein wollen, Fress- und Sauforgien feiern und aufgrund irgendwelcher Lappalien ganze Kriege ausfechten.

Und mittendrin befindet sich Mätzli Rüerenzumph, ein ausnehmend hässliches Mädchen mit Buckel und schwarzen Zähnen, die wie die «junkfrouwe» im «Rosendorn»-Gedicht mit ihrer «mutze» – natürlich ist auch hier ihre Vagina gemeint – streitet. Denn sie hat den «tumben» und liebestollen Bertschi dazu veranlasst, in ihr Haus einzubrechen. Nur wegen ihrer «vil praunen mutzen» habe, so denkt das verzweifelte Mädchen, der Vater sie verprügelt und in den Speicher gesperrt. Dort beginnt sie nun damit, ihre Vagina zu bestrafen, sie zu «ziehen, rupfen, schlagen, reißen, flechten, zwicken, drohen und schelten bis daz ir das maul geswar».

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Bertschi Triefnas und Mätzli Rüerenzumph in der Meiniger Handschrift des «Rings» verewigt. bild: wikimedia

Auch das schlüpfrige anonyme «Nonnenturnier» stammt aus dem 15. Jarhundert und erzählt die Geschichte von einem «zagel» – ja, das ist ein Penis, der einst einem Ritter gehörte –, der plötzlich im Kreuzgang eines Klosters auftaucht und die Nonnen ganz verrückt macht. Jede will ihn für sich haben und so artet das Ganze in einen üblen Kampf aus, in deren Wirrungen der «zagel» unbemerkt von dannen zieht.

Beide Texte stehen dem «Rosendorn»-Gedicht in ihrer Schlüpfrigkeit in nichts nach, entstanden aber bedeutend später als jenes.

Eigentlich ist es ein Abfallschnipsel

Christine Glassner vom Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist die glückliche Finderin jenes unscheinbar wirkenden Pergamentstreifens. Sie fand ihn in der Stiftsbibliothek Melk, wo er als Einband für ein jüngeres, theologisches Buch diente – eine gängige Methode, um die wertvolle Tierhaut wiederzuverwenden. Dafür wurde die ursprüngliche Seite zerschnitten.

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Ausschnitt des gefundenen «Rosendorn»-Fragments. bild: handschriftencensus

In mühevoller Kleinarbeit haben die Wissenschaftler das dünne Streifchen als Fragment des «Rosendorns» identifiziert – und erfreuen sich nun an der Tatsache, dass ein so freizügiger Text bereits im 14. Jahrhundert aufgeschrieben und vielleicht sogar szenisch aufgeführt worden war.

Ob das Pergament wegen seines für eine Stiftsbibliothek besonders ungehörigen Inhalts als Einband für ein anderes Buch herhalten musste, darüber könne man nur mutmassen, meint Glassner. Denkbar sei ebenso ein deutlich pragmatischerer Ansatz: Nämlich, dass auf den Inhalt des Textes des als Bindematerial verwendeten Pergaments überhaupt nicht geachtet wurde.

(rof mit Material von sda/apa)

Arschtrompeten im Gebetsbuch und andere Obszönitäten aus dem Mittelalter

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Joe Smith 25.07.2019 19:55
    Highlight Highlight Ein Link zum Volltext des Gedichts wäre kein Seich gewesen. (Wieviele Leser haben an der Umfrage teilgenommen, ohne den Text zu kennen?) Google bringt übrigens auch nix neues, sondern nur immer wieder die gleiche mehr oder weniger bearbeitete Agenturmeldung ohne Link zum Gedichtstext.
    • Schlafwandler 26.07.2019 11:38
      Highlight Highlight handschriftencensus.de ist dein Freund. Und ich bin auch dein Freund (siehe mein Kommentar weiter unten) :)
    • Joe Smith 26.07.2019 15:44
      Highlight Highlight Danke, mein Freund! :-)
  • imposselbee 25.07.2019 02:48
    Highlight Highlight Mein Interpretation der Geschichte und einen Reverse-Swan - tschigatschigau
    Play Icon
    Benutzer Bild
  • Amazing Horse 25.07.2019 00:26
    Highlight Highlight Bytch plyse...
  • Korrektiv 25.07.2019 00:19
    Highlight Highlight “Wenn Frauen mit ihren Vaginen reden“
    Wie viele Vaginen hat die durchschnittliche Frau? Eben. Die Grammatik ist hier klar und verlangt Singular. Sollte man schon wissen.
    Lehrbeispiele aus dem “Heuer“: “Die Hunde wedeln mit den Schwänzen“, “Sie stiegen auf die Rücken der Pferde“, “Sie schüttelten die Köpfe“ - allesamt falsch; es heisst: “dem Schwanz“, “den Rücken“, “dem Kopf“. Und eben: “mit ihrer Vagina“.

    Habt ihr wirklich kein Korrektorat? Dieser Fehler - und gar im Titel - ist keine Kleinigkeit und sollte nicht passieren.
    • Anna Rothenfluh 25.07.2019 08:46
      Highlight Highlight Also angesichts der uns allen die Gehirne versengenden Hitze könnten Sie schon etwas nachsichtiger sein mit uns. Sie mögen ja Heuer haben, ich allerdings habe Huber. Und der ist sich nicht ganz so sicher, was diesen von Ihnen so klar bevorzugten Singular betrifft. Wären Sie so lieb und könnten mir die betreffende Stelle zeigen? Heuer scheint sich vor der Online-Welt zu verbergen. Sobald ich den untrüglichen Beweis vorliegen habe, werde ich den Titel natürlich eiligst ändern.
    • Effie 25.07.2019 08:56
      Highlight Highlight Steht im Titel ;)
      Aber ich kenne eine, die hat eine Tochter und die hat tatsächlich zwei Vaginen 😅
    • Korrektiv 25.07.2019 09:32
      Highlight Highlight Huber ist Korrektor? Das erklärt natürlich die Brillanz ... 😎 Hier ist der Fall allerdings klar - im Deutschen. Auf Englisch wär der Plural korrekt oder zumindest üblich. Ich bin heute auf Stör bei einem Kunden; falls ich dazu komme, liefere ich den Passus gern nach.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Militia 24.07.2019 23:14
    Highlight Highlight Fud ist Futz, oder Loch ist Loch. Welch ein Aufschrei. Trotzdem ist mir lieber, dass manches hinter verschlossenen Türen stattfindet.
    • Dani B. 25.07.2019 13:58
      Highlight Highlight Ja, was reinkommt ist wurst.
  • Murky 24.07.2019 22:02
    Highlight Highlight Aber dass sie im Mittelalter Schweinkram liebten wie wie heute ist nicht wirklich eine neue Erkenntnis gälled..
    • Murky 24.07.2019 22:15
      Highlight Highlight Zum Beispiel die viel zitierte (und etwas nervige) Hildegard von Bingen (12. Jh). Also wenn wir anschauen, wie locker Hildegard über Verhütung, Sex, diverse Geschlechskrankheiten, Erektionsprobleme und Lustgefühle spricht, habe ich keinerlei Zweifel, dass das Mittelalter weit weniger prüde war als manche glauben.
    • Gender Bender 25.07.2019 00:27
      Highlight Highlight Viktoria hat die Prüderei erfunden.
    • Anna Rothenfluh 25.07.2019 08:08
      Highlight Highlight @Murky: Nun, die gute Hildegard hat aber auch gesagt, dass die Regelblutung die Folge des Sündenfalls sei. Hätte Eva Adam nicht verführt, wären die "weiblichen Gefässe" alle unversehrt und für immer verschlossen geblieben. Und die Einzige, die sowieso nie menstruiert habe, sei die Heilige Jungfrau Maria. Sie habe schliesslich auch ohne Geschlechtsverkehr ein Kind empfangen.
  • Team Insomnia 24.07.2019 21:54
    Highlight Highlight Penis-Fuchur🤦‍♂️🤭
    • TheBase 25.07.2019 08:50
      Highlight Highlight Du zerstörst gerade ganze Kindheiten 😂
    • Don Huber 25.07.2019 09:41
      Highlight Highlight hahahaha ja genau !!!! Die unendliche Penis - Fud Geschichte !
    • Team Insomnia 25.07.2019 11:09
      Highlight Highlight @TheBase: bin auch traumatisiert😂
  • McStem 24.07.2019 21:35
    Highlight Highlight Erstmals danke für den Artikel, gut geschrieben und hat für einige Lacher gesorgt.

    Ich getraue mich kaum zu fragen, aber gibt es das Gedicht im Originalen Wortlaut? Also noch nicht übersetzt?
  • Füürtüfäli 24.07.2019 21:09
    Highlight Highlight "Land des senkrechten Lächelns", so hiess meine🤔 nun heisst sie "fud", ist kürzer.

    Aber wirklich ein sehr interessanter Bericht, danke Watson.
    • Ritiker K. 25.07.2019 10:38
      Highlight Highlight Oh - wow, den merke ich mir.

      "Zeigst du mir das Land des senkrechten Lächelns ?"


      Das ist mal ein Eisbrecher-Spruch. :-)
    • Füürtüfäli 25.07.2019 17:11
      Highlight Highlight Der Sieg ist garantiert Ritiker K.😉
  • Pana 24.07.2019 21:05
    Highlight Highlight Not my proudest fap.
    • hoi123 24.07.2019 21:11
      Highlight Highlight
      🤣🤣🤣💦💦💦
    • Texra 24.07.2019 22:26
      Highlight Highlight Zu heiss... zum fappen
    • drjayvargas 25.07.2019 00:55
      Highlight Highlight weirdboners
    Weitere Antworten anzeigen

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

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