Endlich Sommer! Und damit leider Mückenzeit. Wenn der Winter mild war und der Frühling feuchtwarm, dann können sich diese geflügelten Plagegeister früh vermehren und uns die lauen Sommerabende vermiesen. Einigen von uns allerdings mehr als anderen: Die Mücken sind wählerisch. Dass sie bestimmte Menschen eher stechen als andere, ist mittlerweile in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen.
Doch woran liegt es, dass diese lästigen Insekten gewisse Menschen bevorzugen? Das «süsse Blut», wie es oft heisst, hat damit nichts zu tun. Jedenfalls spielt der Zuckergehalt des von den Mücken begehrten roten Körpersaftes keine Rolle bei der Wahl des Opfers. Es sind andere Faktoren, die das Risiko eines Mückenstichs beeinflussen.
Nicht alle der mindestens 3796 Stechmückenarten (Culicidae) stechen Menschen. Und selbst bei jenen Spezies, die menschliches Blut saugen, stechen nur die Weibchen. Sie durchbohren die Haut mithilfe ihres Mundwerkzeugs, einem stechend-saugenden Rüssel, und nehmen mit dem Blut Proteine und Eisen auf, die sie für die Produktion von Eiern benötigen. Ohne Blut können sich die Mücken nicht fortpflanzen. Abgesehen davon ernähren sich die Mückenweibchen wie die Männchen von Nektar und anderen zuckerhaltigen Pflanzensäften.
Mücken verfügen über einen gut ausgebildeten Geruchssinn. Sie können selbst Kohlendioxid (CO₂) riechen – und das auf eine Distanz von mehr als 70 Metern. Primär werden sie daher durch das CO₂ in unserer Atemluft angelockt. Experimente haben gezeigt, dass der Geruch von CO₂ das visuelle System der Mücken aktiviert – das heisst, erst nachdem sie uns gerochen haben, richten sie ihren Blick auf uns. Das ist auch plausibel, denn während der Geruchssinn über grosse Distanzen hinweg funktioniert, ist das Sehvermögen der Mücken auf Objekte ausgerichtet, die höchstens etwa sechs Meter entfernt sind.
Licht, das oft als Reiz genannt wird, der Mücken anlocken soll, spielt hingegen keine Rolle. Die Mücken reagieren nicht darauf, im Gegensatz zu anderen Insekten, etwa Motten. Elektronische Insektenfallen, die UV-Licht verwenden, nützen also nichts gegen Stechmücken, sondern schaden eher anderen Insekten, die tatsächlich von Licht angezogen werden.
Da der Kohlendioxid-Gehalt in der Luft entscheidend ist, ob uns Mücken überhaupt finden, sind Personen, die viel CO₂ ausatmen, für Mücken attraktiver. Besonders betroffen sind etwa Sportler, grosse oder kräftige Menschen – und schwangere Frauen, die einen erhöhten Stoffwechsel haben und daher etwas mehr CO₂ ausatmen.
Nachdem uns die Mücken per Geruchssinn aus der Ferne geortet und sich uns angenähert haben, suchen sie auch mit ihren Augen nach uns. Obwohl sie im Vergleich zu Menschen nicht sehr gut sehen, können sie Kontraste gut wahrnehmen. Dunkle oder weisse Kleidung, die sich von der Umgebung abhebt, ist für sie daher gut sichtbar. Zudem können sie laut einer 2022 erschienen Studie anhand der Farbtöne unserer Haut erkennen, ob sie es mit einem Menschen oder einem Tier zu tun haben. Dies ist unabhängig von der Hautfarbe, da alle Menschen ein Spektrum an Rot- und Orangetönen aufweisen.
Wenn sich uns die Mücke auf etwa einen Meter genähert hat, entscheidet der individuelle Körpergeruch. Dieser entsteht durch die Zersetzung von Fettsäuren, die wir absondern, durch Bakterien auf unserer Haut. Die Fettsäuren sind zwar ähnlich, aber die Bakterienpopulation ist individuell zusammengesetzt, also bei verschiedenen Menschen unterschiedlich. Die durch die Zersetzung der Fettsäuren entstehenden Gerüche sind daher ebenfalls unterschiedlich.
Unter den Chemikalien, die in diesen Duftstoffen enthalten sind, gibt es einige, die von Wissenschaftlern bereits als attraktiv für Mücken identifiziert worden sind. So zeigten Experimente, die 2023 mit menschlichen Versuchspersonen durchgeführt wurden, dass Carbonsäuren im menschlichen Schweiss Mücken anzulocken scheinen – jedenfalls die dabei untersuchten Anopheles-Mücken. Carbonsäuren wie Buttersäure oder Isovaleriansäure sind ölige Sekrete, die unsere Haut feucht halten und den unangenehmen Schweiss- und Käsefussgeruch verströmen, wenn sie zersetzt werden.
Auch Acetoin, das von Mikroben auf der Haut produziert wird und einen buttrigen Geruch verströmt, scheint die Mücken anzuziehen. Und schon 2009 wurde eine Geruchszusammensetzung, die das Aldehyd Nonanal enthielt, als Mücken-Lockstoff identifiziert. Doch welche Mischungen dieser Stoffe dafür sorgen, dass jemand besonders attraktiv auf Mücken wirkt, ist nach wie vor nicht geklärt. Immerhin gibt es etwa 100'000 Komponenten, die den individuellen Duft eines Menschen ausmachen.
Die Insekten nehmen diese Stoffe übrigens nicht nur über den Geruchssinn wahr, sondern auch über Geschmacksrezeptoren an ihren Füssen. Dank diesen finden sie nach der Landung auf der Haut die beste Stelle für ihren Stich.
Zuletzt scheinen auch noch Faktoren wie Körperwärme und -feuchtigkeit eine Rolle zu spielen, ob eine Mücke zusticht oder nicht. Wenn wir nicht warm sind, haben Mücken wenig Interesse an uns. Sind wir hingegen warm und sondern dazu auch noch etwas Wasserdampf – also Schweiss – ab, lassen sie sich eher auf uns nieder und tasten uns ab.
Wie wir riechen, ist auch von unserer genetischen Ausstattung abhängig. Dass unsere Gene tatsächlich eine Auswirkung darauf haben, ob Mücken uns attraktiv finden, haben Wissenschaftler 2015 in einem Experiment mit Zwillingen nachgewiesen. Sie untersuchten 18 eineiige und 19 zweieiige weibliche Zwillingspaare. Eineiige Zwillinge unterscheiden sich genetisch kaum, während das Erbgut von zweieiigen Zwillingen so unterschiedlich ist wie jenes von anderen Geschwistern.
Tatsächlich zeigte sich, dass die eineiigen Zwillinge die Mücken in sehr ähnlichem Masse anzogen, während die zweieiigen Zwillinge sich für die Insekten jeweils als unterschiedlich attraktiv erwiesen. Ungeklärt blieb allerdings, welche Gene dafür verantwortlich waren.
Weitherum bekannt ist die Theorie, dass bestimmte Blutgruppen Mücken eher anlocken als andere. Eine Studie aus dem Jahr 1972 eruierte die Blutgruppe 0 als jene, die den Mücken am besten «schmeckt». Japanische Forscher, die dieses Ergebnis mit einer anderen Testmethode überprüften, kamen zum selben Schluss. Demnach stechen Mücken Menschen mit der Blutgruppe 0 fast doppelt so oft wie solche mit einer anderen Blutgruppe. In der «Beliebtheit» folgte danach die Blutgruppe B, dann AB und zuletzt A.
Allerdings wurde nur eine Mückenart untersucht, nämlich die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die auch als ägyptische Tigermücke bekannt ist. Da diese Spezies ursprünglich aus Afrika kommt, könnte sie eine Präferenz für die Blutgruppe 0 entwickelt haben – diese ist in Afrika weit verbreitet.
Oft heisst es, Vitamin B1 – auch bekannt unter der Bezeichnung «Thiamin» – schütze vor Mückenstichen. Dies ist jedoch umstritten. Thiamin, das schwefelhaltig ist, hat in der Tat einen charakteristischen Geruch, der sich auch im Schweiss niederschlägt. Stechmücken sollen diesen Geruch aus bis zu 30 Zentimetern Entfernung wahrnehmen und würden davon abgestossen. Dafür fehlen jedoch wissenschaftliche Beweise, und eine Reihe von Studien konnte bisher keine Wirksamkeit von Vitamin B1 gegen Mücken belegen.
Auch Knoblauch oder Teebaumöl, die manchmal als Mittel gegen Mückenangriffe genannt werden, sind nach derzeitigem Wissensstand wirkungslos. Dasselbe gilt für Bier – es ist im Gegenteil sogar so, dass häufiger gestochen wird, wer Alkohol trinkt. Dies dürfte daran liegen, dass Alkohol die Blutgefässe weitet, wodurch mehr Wärem abgegeben wird – was es wiederum den Blutsaugern erleichtert, ihr Opfer zu finden. Da Alkohol zudem die Herzfrequenz erhöht, schwitzt man nach Alkoholgenuss tendenziell mehr, und Schweiss lockt Mücken ebenfalls an.
Wenn auch nur eine Mücke in einem Raum mit 10 weiteren Personen ist, findets diese jedenfalls offensichtlich sauglatt, sich mehrfach meine Blutgruppe A zu gönnen… 🙈🫣😳
Natürlich am liebsten mit der zuvor deutlich hörbaren Ankündigung direkt am Ohr….